Fahrzeugeinrichtungen

Große Klappe, viel dahinter

Firmenfahrzeuge tragen – sind sie entsprechend ausgestattet – nicht nur dazu bei, „auf Montage“ effektiv arbeiten zu können. Sie sind durchaus auch Visitenkarte des Unternehmens nach außen, vor allem gegenüber dem Kunden. Und welchem Kunden kann man es ernsthaft verdenken, wenn er vom möglicherweise enormen Chaos im Firmenfahrzeug auf die Qualität und Güte der Arbeit, auf das Unternehmen an sich, schließt? Zwei wichtige Argumente also, sich mit der Thematik intensiv auseinanderzusetzen.

Im Rahmen einer Semesterarbeit im Fach Betriebstechnik hat sich eine Klasse an der Akademie für handwerkliche Berufe Holztechnik der Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule in Freiburg intensiv mit dem Thema Fahrzeugeinrichtungen auseinandergesetzt. Die angehenden Schreinermeister und Technischen Fachwirte legten dabei gemeinsam mit dem Betriebstechniklehrer, Studienrat Kuno Schlatter, drei Schwerpunktthemen fest:

• Fahrzeuge: Welche Betriebsfahrzeuge bietet der Markt?
• Fahrzeugeinrichtungen: Vergleich von Systemanbietern
• Selbstbau oder Systemanbieter: Pro und Contra.
Diverse Hersteller wurden dabei zur Vorstellung ihrer Fahrzeugeinrichtungen eingeladen, so daß im Vergleich wesentliche Details herausgestellt und ausgewertet werden konnten. Die Ergebnisse werden Ihnen auf den nachfolgenden Seiten vorgestellt.
Fahrzeugauswahl
Jeder Schreiner- oder Tischlerbetrieb benötigt einen mehr oder weniger großen Transporter für Material, Werkzeuge und natürlich Mitarbeiter. Dabei muß der Fahrzeugtyp individuell, den Ansprüchen entsprechend, ausgewählt werden.
Grundsätzlich läßt sich feststellen, daß wohl jeder Fahrzeughersteller den passenden Typ für die jeweiligen Bedürfnisse hat. In den letzten Jahren werden zunehmend auch PKW-Kombis als Kundendienst- und Servicefahrzeuge eingesetzt. Inzwischen bietet jeder Fahrzeughersteller auch eine Groß-raumlimousine (Van) an, die sich beispielsweise besonders gut als Servicefahrzeug eignet.
Laut Zulassungszahlen erfreuen sich Kleinlieferwagen, z. B. Opel Combo, Seat Inca oder Fiat Fiorino, zunehmender Beliebtheit im Handwerk. Sie können die Funktionen des Kleintransporters, aber auch die des Servicefahrzeugs erfüllen.
Trotzdem bleibt die klassische Transporterklasse bis 2,8 t im Handwerk unentbehrlich. Diese zeichnet sich durch ihre Vielfältigkeit und besonders ihre gegenüber „Mini-Vans“ und PKW-Kombis großzügigere Zuladungskapazität aus. Dieses ist wohl der Grund dafür, daß diese Klasse bei Handwerkern immer noch an erster Stelle steht. Hinzu kommt, daß diese Fahrzeuge keinem Tempolimit unterliegen, wie dies bei Fahrzeugen mit oftmals gleichem Aussehen aber höherer Nutzlast der Fall ist.
Folglich wird für den Betrieb ausschlaggebend sein, wofür das Fahrzeug eingesetzt werden soll. Unterschiede zwischen den einzelnen Fahrzeugtypen dürften aufgrund allgemein hoher Qualitätsstandards nur bedingt kaufentscheidend sein. Vielmehr werden Abschreibungsmöglichkeiten und Finanzierungsmodelle für die Wahl eines Fahrzeuges für den Unternehmer im Vordergrund stehen.
Systemanbieter
In größeren Schreinereien ist es schon lange Zeit durchaus üblich, die Service- und Montagefahrzeuge mit Regalen und Ablagefächern für Kleinteile, Werkzeuge, Zubehör usw. auszustatten.
Die Zeit zum Herrichten und Einladen von Werkzeugen und Kleinmaterialien kostet bereits eine Menge Geld. Und da auch zusätzliche Fahrten, weil etwas vergessen wurde, den Arbeitsablauf unnötig behindern und verteuern, gehen inzwischen viele Kleinbetriebe dazu über, ihr(e) Firmenfahrzeug(e) komplett mit Werkzeugen und Hilfsmitteln auszustatten.
Die Ausstattungen bestehen meist aus einem modularen Baukastensystem und können somit in fast allen Fahrzeugen eingesetzt werden. Bei einem Fahrzeugwechsel kann man sie ausbauen und in das neue Fahrzeug mit übernehmen. Bei einem neuen Fahrzeugtyp muß dann – wenn überhaupt – eine neue Bodenplatte gekauft werden.
Aufbau
Der Aufbau dieser Systeme ist im großen und ganzen bei den marktführenden Herstellern wie „Sortimo“, „Würth“, „Betra“ usw. der gleiche. Es handelt sich um einzelne Module.
• Radkastenüberbau mit Klappe oder Rolladen
• Module mit Schubladen in verschiedenen Größen
• Module mit Auszügen für Kleinteilekoffer mit verschiedenen Einteilungen (Schubladen und Auszüge sind gegen unbeabsichtigtes Öffnen gesichert und abschließbar)
• Regalmodule zum Einstellen von Maschinenkoffern oder Systainern (Sortimo bietet Spannvorrichtung an, ansonsten Spanngummi)
• Module mit Türen oder Klappen und Fachböden
• offene Regale zum Einlegen von Kunststoffboxen
• Langgutwannen
• Lochbleche zum Befestigen von Haken.
Sämtliche Einbauteile werden aus Stahlblech gefertigt (bei Würth alternativ auch Aluminium). Sie sind in verschiedenen Abmessungen (Breite, Länge, Tiefe) erhältlich und werden im Baukastensystem miteinander verschraubt. Durch die flexible Zusammenstellung lassen sich für alle gängigen Kleintransporter Einrichtungssysteme zusammenstellen.
Die Befestigung im Fahrzeug erfolgt auf melaminharzverleimten Sperrholzplatten mit Kantenschutz, die von den Einrichtungsherstellern für die gängigen Fahrzeugmodelle angeboten werden. Die Module werden per Einschlagmuttern fest mit der Bodenplatte verschraubt und durch Metallwinkel an die Seiten- und Dachholme gegen Kippen gesichert. Bei Sortimo und Betra wird die Bodenplatte lose ins Fahrzeug eingelegt, bei Würth mit durchgehenden Schrauben fest mit dem Fahrzeugboden verbunden. Bei den Bodenplatten ist noch auf die Rutschfestigkeit und die Zusammensetzung der Sperrholzplatte zu achten.
Durch Crash-Tests haben alle Hersteller bewiesen, daß ihr System einem hohen Sicherheitsniveau genügt und den Fahrzeuginsassen einen sicheren Schutz vor der Gefahr aus dem Laderaum bietet. Holzeinbauten verringern durch ihr geringeres Eigengewicht zwar das zulässige Ladegewicht, werden aber bei einer Vollbremsung oder einem Aufprall zum u. U. tödlichen Geschoß für die Fahrzeuginsassen.
Zubehör
Zur Erweiterung der Fahrzeugeinrichtung bieten die Hersteller ein breites Angebot an. Einige Beispiele:
• Schraubstock
• Arbeitsplatten auf die Schränke
• Halte- und Ankerschienen
• Schlauchhalterungen
• Gasflaschenhalterungen
• Entlüftungsgitter (erforderlich beim Transport von brennbaren Gasen)
• Halter für Benzinkanister
• Stromaggregat
• Innenbeleuchtung
• Verzurrhaken und Zurrschienen zur Befestigung an der Bodenplatte oder an den Wänden.
Einen weiteren praktischen Nutzen bieten die Innen- und Außenreffs sowie Dachlastträger der Herstellerfirmen Atera und Hegla. Diese Vorrichtungen haben sich schon vielfach beim Transport von langen oder sperrigen Gegenständen bewährt und werden auch von den Einrichtungsfirmen im Zubehör angeboten. Bei der Auswahl dieser Anbauteile sind die zulässige Belastung und Materialdimensionierungen (Gewicht) zu beachten.
Sortimo und Betra bieten auch für PKW-Kombis Einrichtungen an. Diese werden ebenfalls auf einer eingelegten Bodenplatte befestigt und enthalten je nach Bedarf Schubladen oder Fächer.
Alle Systeme haben bei Frontalcrashtests bewiesen, daß sie die Ladung sicher aufbewahren, beim Unfall zurückhalten und somit den Fahrgastraum schützen.
Je nach Fahrzeug und Bedarf kann durch diese Baukastensysteme eine maßgeschneiderte Fahrzeugeinrichtung zusammengestellt werden. Da die Einrichtungen ohne größeren Aufwand einzubauen sind und binnen der vom TÜV geforderten Stunde wieder ausgebaut werden können, müssen sie nicht in den Fahrzeugpapieren eingetragen werden (ausgenommen Außenreffs).
Beim Planen einer Fahrzeugeinrichtung sollte man neben dem Zweck auch das Gewicht beachten. Denn beim weiteren Zuladen darf natürlich das zulässige Gewicht nicht überschritten werden.
Da es sich hier noch um einen expandierenden Markt handelt, wird im allgemeinen sehr auf Kundennähe, Service und Beratung geachtet. Teilweise mit speziell entwickelten CAD-Programmen ausgestattet, analysieren und planen die Hersteller zusammen mit dem Kunden den individuellen Fahrzeug-ausbau. Die Kosten liegen je nach Ausstattung zwischen rund 3000 DM und 10 000 DM. Teilweise bieten die Hersteller dabei den Einbau kostenlos an, so daß sich durch die Montage in Eigenregie fast nichts einsparen läßt.
Der Kunde sollte darauf achten, daß für den Transport größerer bzw. sperriger Werkstücke einzelne Elemente oder die komplette Fahrzeugeinrichtung leicht demontierbar sind und keinen größeren Zeitaufwand in Anspruch nehmen. Darüber hinaus sollten für diesen Zweck zusätzliche Befestigungsmöglichkeiten wie Ösen oder Zurrschienen auf der Bodenplatte oder an den Wänden vorhanden sein.
Eine Übersicht über Fahrzeug-ausstatterfirmen, deren Service-leistungen und Angebote zeigt die Tabelle.
Selbstausbau oder Systemhersteller?
In allen betrieblichen Bereichen muß gespart werden, da ein großer Konkurrenzkampf herrscht. Arbeitsabläufe werden optimiert und die Organisation zunehmend gestrafft. Ziel: das betriebliche Geschehen muß klar, eindeutig und meßbar sein.
Nicht alle Handwerksbetriebe scheinen solche Maßnahmen auch als nötig zu empfinden. Vorurteile gegenüber „hohen Investitionen“ und „Arbeitsab-laufverbesserungen“ lassen so manchen Tischler und Schreiner zurückschrecken.
Das wird auch am Beispiel Firmenfahrzeuge deutlich. Der professionell, zweckgerichtete Ausbau des Fahrzeugs wird häufig mit der Begründung zu hoher Kosten abgelehnt.
Wie aber sieht es in solchen Fahrzeugen aus? Nicht selten wird in Kisten, Kartons, Eimern und vielem mehr alles mögliche „durch die Gegend gefahren“, nur nicht das, was man tatsächlich an der Baustelle benötigt. Das Auto ist quasi immer voll. Und keiner weiß so recht, wieviel und welche Kleinmaterialien noch „an Bord“ sind.
Aber das mache ja nichts, denn „man kann ja jederzeit schnell von der Baustelle zurück zum Geschäft oder zu einem Händler fahren und das fehlende Material holen.“
Würde man diese Zeiten einmal nachrechnen, würde sich die Frage der Kosten für einen Fahrzeugausbau und somit einem geregeltem Arbeitsablauf von selber beantworten.
Stellt man nun die Arbeits- und Materialkosten eines in Eigenregie durchgeführten Fahrzeugausbaus denen gegenüber, die ein Systemhersteller verlangt, würde die Entscheidung wohl für einen Profiausstatter ausfallen. Es gibt gewichtige Argumente, die gegen einen Selbstausbau sprechen:
• Sicherheit: Versicherung ist u. U. nicht gegeben (falls TÜV-Abnahme, hohe Kosten und Zeitaufwand)
• hohe Personal- und Planungskosten
• Unflexibilität des Systems
• teilweise unprofessionelle Vorgehensweise.
Betrachtet man die Frage „Selbstausbau oder nicht“ betriebswirtschaftlich, wäre es wenig vorteilhaft, keinen Fahrzeugausrüster mit dieser Aufgabe zu betrauen. Tischler und Schreiner sollten sich auf ihren eigentlichen Betriebszweck beschränken, derlei Vorhaben lieber entsprechenden Spezialisten überlassen.
Sicherheit
Ein enorm wichtiger Aspekt ist auch die Sicherheit der Ausstattungen. Holzeinbauten, die natürlich vom Schreiner selbst gefertigt werden können, verringern zwar durch ihr geringes Eigengewicht das zulässige Ladegewicht, können aber bei einer Vollbremsung oder gar einem Aufprall fatale Auswirkungen auf die Fahrzeuginsassen ausüben. Dies wurde bei Crashtestreihen eindrucksvoll bewiesen. So prallt zum Beispiel eine 1,5 Liter Cola-Flasche, bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 50 km/h, wie eine Masse von 65 kg auf die vorne sitzenden Fahrzeuginsassen. Sie wird zu einem lebensgefährlichen Geschoß.
Außerdem sind die zugekauften Fahrzeugeinrichtungen vom TÜV abgenommen und besitzen ein entsprechendes Prüfsiegel. Versicherer honorieren dies z. T. mit entsprechend ermäßigten Versicherungsprämien. n
An der Ausarbeitung des Themas haben folgende Schülerinnen und Schüler mitgewirkt: Guido Büchele, Martin Brucker, Christian Imle, Steffen König, Stefan Kornmeier, Christian Lickert, Nikolas Michler, Manfred Müller, Bernd Nickel, Michael Psak, Rainer Roth, Frank Sälinger, Ingrid Schoeller, Thomas Schulz, Dirk Steinkamp, Klaus Zeh und Jörg Ziebold.

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