Tischler-Azubis aus NRW auf Auslandspraktikum in Schweden

Einmal Schweden und zurück

In Europa leben und arbeiten! Dieses Motto machte sich die Tischlermittelstufe am Berufskolleg Ernährung, Sozialwesen und Technik in Geilenkirchen zu eigen und absolvierte im Mai vergangenen Jahres in Begleitung ihrer Lehrer Andreas Rode und Thorsten Bohm ein zweiwöchiges Auslandspraktikum im südschwedischen Vetlanda.

Im Juli 2015 berichtete Andreas Rode, Klassenlehrer und Bildungsgangkoordinator des Bildungsgangs Tischlerin/Tischler am Berufskolleg Ernährung, Sozialwesen und Technik in Geilenkirchen, seinen Schülern vom Auslandspraktikum zweier Auszubildender der Schreinerei Stefan Kraik aus Erkelenz. Diese waren mit dem Förderprogramm der EU „erasmus+“ für je drei Wochen nach Paris und Stockholm unterwegs. Hiervon angeregt wurde die Mobilitätsberaterin der HWK Aachen eingeladen, um mehr über diese Möglichkeiten zu erfahren. Schnell ließen sich die Azubis begeistern und beschlossen: Das machen wir auch. Aufgrund der kleinen Gruppe von 13 Personen war auch klar, dass alle mitfahren möchten und sollen. Niemand wollte sich die Gelegenheit entgehen lassen, einmal über den Tellerrand hinauszuschauen, andere Menschen und Kulturen kennenzulernen oder einen Blick in die Arbeitswelt eines anderen Landes zu werfen. Als Ziel war schnell Schweden ins Auge gefasst. Mithilfe der Handwerkskammer Aachen wurde ein Kontakt zum Njudungsgymnasiet in Vetlanda in Südschweden aufgebaut. Bereits im Dezember 2015 besuchte Andreas Rode die Schule, um sich ein Bild von der Örtlichkeit, der Schule und dem schwedischen Partner zu machen und fand beste Bedingungen für den Austausch im kommenden Frühjahr vor.

Auf geht’s in den Norden
Vor der Abfahrt absolvierten alle Teilnehmer einen zweistündigen Crashkurs in Schwedisch, um sich zumindest in der Landessprache vorstellen und die Tageszeit benennen zu können. Am 7. Mai 2015 konnte es dann losgehen mit dem Reisebus in Richtung Schweden. Nach 16-stündiger Reise war das Ziel erreicht und 15 müde Tischler stiegen in Vetlanda in einer malerischen Kulisse und bei sommerlichem Wetter aus. Die Unterkunft, das „Vandrarhem Kvarndammens“ – ein etwa 200 Jahre altes Holzhaus direkt am See – lag in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum und zur Schule. Herzlich empfangen durch den schwedischen Lehrer Erik Wilhelmson wurde sogleich der Arbeitsplan für die kommenden zwei Wochen besprochen. Die Klasse wurde in zwei Gruppen geteilt: Die eine Gruppe arbeitete in der ersten Praktikumswoche in einer Fensterbaufirma, die andere in der Schulwerkstatt – in der zweiten Woche wurde getauscht.
Einblick in den Arbeitsalltag
In der Fensterbaufirma Inwido konnte die eine Teilgruppe an täglich wechselnden Arbeitsplätzen die Produktion von schwedischen Holzfenstern in der größten Fensterbaufirma Schwedens nachvollziehen. Vom Ablängen und Beschichten über das Anschlagen der Beschläge bis zum Einbau der Fensterscheiben. Teils monotone Fließbandarbeit, teils interessante Tätigkeiten in der Abteilung für freie Formen oder Aluminiumverkleidung, aber alle Tischler-Azubis erlebten hier ein vollkommen neues Arbeitsfeld.
Die zweite Gruppe arbeitete währenddessen von Montag bis Freitag in der Schulwerkstatt des Gymnasiums. Hier werden die schwedischen Schüler in drei Jahren auf die Arbeitswelt in der industriellen Holzfertigung vorbereitet – die Ausstattung mit CNC-Maschine und allen in der Holzfertigung gebräuchlichen Maschinen ist dementsprechend gut. Neben kleineren Projekten wie Sitzgelegenheiten oder Kommoden sind am Ende der Ausbildung auch ganze Küchen zu fertigen.
Für die deutschen Auszubildenden lautete der Auftrag in dieser Woche: „We wish us a gift“. Eine Woche Zeit, ein Geschenk für die schwedische Schule zu planen und umzusetzen, das bedeutete für alle, aktiv zu sein und mitzumachen. Das Material wurde gestellt, alle Maschinen durften genutzt werden, auch die bisher noch unbekannten Fräsen oder Sägen. In einer Woche intensiver Werkstattarbeit entstanden so ein Kombinationsmöbel aus Bank und Stehtisch sowie eine Sitz-Tisch-Kombination, ähnlich einer schwedischen Parkbank.
Nicht nur Arbeit …
Doch der zweiwöchige Aufenthalt bestand nicht nur aus Arbeit, denn die Gastgeber sorgten für ein interessantes Rahmenprogramm. So wurde eine Fertighausfirma und ein Produktionswerk des schwedischen Möbelhauses Ikea mit eigener Spanplattenfertigung besucht. Aber auch der gesellige Teil kam nicht zu kurz: Wettkämpfe im Holzklotznageln und Fischen, Schießen mit Gewehr und Pistole auf Ton- und Pappscheiben, ein Besuch eines Speedway-Motorrad-Rennens und das Grillen von Hamburgern aus Elchfleisch standen auf dem Programm. (hf/Quelle: Andreas Rode)

Fazit

„Am Ende einer solchen Reise stellt sich natürlich die Frage: Hat es sich gelohnt? Und das nicht nur gemessen am Spaßfaktor, sondern auch am fachlichen Nutzen. In diesem Fall muss die Antwort ganz klar JA heißen“, bekundet André Backes, Teilnehmer des Auslandspraktikums. „Man kann sehr gut die Unterschiede zur eigenen Arbeitsweise feststellen und gute Alternativen zur Bewältigung von ganz ähnlichen Problemen sehen, diese mitnehmen und so vielleicht sogar den eigenen Betrieb optimieren. Auch der interkulturelle Austausch kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. (…) Daher sind solche Praktika und Austauschprogramme nützlich und wichtig. Denn, wenn die Menschen sich als Europäer fühlen sollen, müssen sie die Unterschiede, aber vor allem die Gemeinsamkeiten, die uns alle verbinden, sehen und spüren können.“