Für Elisabeth und Robert Hanshans ist ökologisches Denken Alltag

Rundum nachhaltig

Ob in der Firma oder im ganz normalen Leben – für Schreinermeisterin Elisabeth Hanshans und ihren Mann Robert ist ökologisch nachhaltiges Handeln einer der wichtigsten Grundsätze. Autos mit Elektroantrieb, eine Solaranlage, aber auch ehrenamtliches Engagement sind nur einige Beispiele. Rudolf Bartl

„Umweltverträgliches und vorausschauendes Handeln waren für meinen Mann und mich schon immer ein Lebensziel, auch bereits vor unserer Firmengründung.“ Dass sie mal Schreinerin werden wollte, ahnte Elisabeth Hanshans schon mit drei Jahren, als Schreiner im Elternhaus Einbauschränke montierten. So erinnert sich die Schreinermeisterin zumindest heute. Auch ihr Mann Robert hatte immer gerne mit Holz gearbeitet und aus Vorhandenem etwas Neues gemacht. Er sei der Visionär mit vielen neuen Ideen, die oftmals provozieren: „Ja, wie soll das denn gehen?“

Firmengründung akribisch vorbereitet
Beide erinnern sich gerne an ihre gemeinsame Gesellenzeit bei einem Innenausbaubetrieb in München mit einem Innenarchitekten als Chef und drei „gestandenen“ Schreinermeistern. Hier haben sie viel gelernt über wirtschaftliche Betriebsabläufe und Kostenminimierung. Dann heirateten sie und gründeten eine Familie. Beide absolvierten die Meisterschule und arbeiteten anschließend als angestellte Meister. Sie sammelten weitere Erfahrungen in Betriebsorganisation, Zusammenarbeit mit anderen Gewerken, Umgang mit Mitarbeitern und viele Erkenntnisse über Kundenkontakte.
Dann entschieden sich Elisabeth und Robert Hanshans für die Selbstständigkeit und bereiteten sich akribisch darauf vor: Sie ließen sich von der Handwerkskammer beraten, setzten einen Ehegattenarbeitsvertrag auf, belegten Kurse zur Selbstständigkeit, beobachteten Marktgepflogenheiten und den Wettbewerb. Sie arbeiteten an der Unternehmensdarstellung, entwickelten Logo, Fahrzeugbeschriftung und Geschäftsunterlagen. Dann, mit fachlicher Unterstützung, erstellten sie sorgfältig eine Umsatz- und Ertragsvorschau. In vielen kleinen Schritten erfolgte die Umsetzung, wichtig war den beiden ein größtmögliches Maß an Sicherheit. „Wir waren schließlich eine junge Familie mit derweil zwei kleinen Kindern. Da hatte wirtschaftlich verantwortliches Handeln die oberste Priorität.“
In kleinen Schritten wachsen
Der Begriff Nachhaltigkeit hatte bereits bei der Firmengründung 1989 seine Bedeutung, anfangs eher mit dem Fokus auf Wirtschaftlichkeit. In kleinen Schritten wachsen, war die Devise: Es gab ein kleines Firmenfahrzeug (mit Gasantrieb), das Büro war im Wohnhaus untergebracht, das Lager angemietet, man kooperierte mit einer externen Schreinerei. „Unsere Firma entwickelte sich erfreulich gut,“ erinnert sich Elisabeth Hanshans. „Und so begannen wir im Jahr 1994, ein eigenes Gebäude zu planen. Weil Anfang der 1990-er Jahre in unserer Region kaum ein Handwerker eine eigene Ausstellung hatte, suchten wir bereits in der Planungsphase nach Partnern hierfür sowie nach Partnern für mögliche Kooperationen. Bei einem Kollegen in Österreich sahen wir dessen Gemeinschaftsausstellung verschiedener Gewerke und waren sofort sehr beeindruckt. Kachelofen mit Bank und Esszimmer vom Schreiner, Bad vom Installateur in Zusammenarbeit von Fliesenleger, Elektriker, Schreiner – alles wie aus einem Guss mit wohnlichem Ambiente und sehr gepflegt. Das hatte uns überzeugt und so entstand die Idee zu unserem „Handwerkerhaus“ hier in Lappersdorf-Hainsacker in Kooperation mit einem anderen Schreiner, aber auch einem Fliesenleger sowie einem Parkett- und Fußbodenlegermeister.“
Handwerkerhaus von Grund auf durchdacht
Bei der Planung des Handwerkerhauses überlegten sich Elisabeth und Robert Hanshans, wie sie Ökologie und Nachhaltigkeit konsequent verwirklichen konnten. Verwendet wurden möglichst regionale Baustoffe, vor allem Leimholz und Bausperrholz. Das Gebäude sollte energiesparend sein, d.h. für die ca. 700 m² beheizte Nutzfläche brauchte es eine überdurchschnittliche Wärmedämmung und ein Wärmeschutzglas, das später sogar auf 4-fach Verglasung nachgerüstet wurde. Über Fenster und Dachflächenfenster sollten die Räume natürlich belichtet werden, um Lichtstrom zu sparen. Energiesparlampen sind selbstverständlich, mehr und mehr setzt man auch auf LED. Auch die Maschinen, PCs und Heizungspumpen wurden nach ihrem Energielevel ausgewählt.
Bei der Außenanlage wurden Parkplätze und Hoffläche nicht versiegelt, so dass das Regenwasser versickern kann. Für das Regenwasser von den Dachflächen wurde eine Zisterne gebaut, um es nutzen zu können. Selbstverständlich wurde alles nicht nur begrünt, sondern auch eine Streuobstwiese und Vogelschutzhecken angelegt.
Der Energiebedarf der Heizung reduzierte sich kontinuierlich, später wurde ein Heizsystem mit Biomasse nachgerüstet. Die erste Photovoltaik-Anlage kam 2004 aufs Dach. Mit ihr wurden 20,7 kW ins öffentliche Netz eingespeist. Im Jahr 2009 kam eine zweite mit 7,4 kW dazu. Nun konnte die Firma Hanshans als erstes Unternehmen im Gebiet ihren eigenen Strom nutzen. Und wenn das nicht reicht, bezieht man Öko-Strom von einem regionalen Stromversorger.
Sich vernetzen ist ein wichtiges Thema
Der Meisterbetrieb Hanshans ist auf handwerkliche Lösungen für Renovierung, Modernisierung und Wohnkultur spezialisiert – alles weitestgehend gewerkeübergreifend ausgeführt. „Sich vernetzen“ wird in vielen Facetten umgesetzt. Dazu zählen der Austausch mit Kollegen, die Mitgliedschaft in der Schreinerinnung Regensburg und in der Qualitätsgemeinschaft „Entspannt modernisieren“. Seit 2005 ist Hanshans Meisterbetrieb auch noch Partner der Franchisegruppe Topateam.
Elektrotankstelle ist auch offen für andere
Doch auch, wenn nun alles schon ziemlich „rund“ wirkt, wollen sich die beiden engagierten Schreinermeister nicht auf dem Erreichten ausruhen. Robert Hanshans: „Nachhaltigkeit heißt für uns nicht Stehenbleiben. Wir wollen immer am Ball sein, d. h. wir überwachen im Handwerkerhaus stetig die Energieeffizienz und verbessern sie wenn möglich. Doch wir wollen nicht nur in der Firma, sondern auch privat ökologisch und nachhaltig handeln. Das ist unser Lebensgrundsatz. Also sparen wir Energie und bemühen uns, mehr Energie zu erzeugen als zu verbrauchen. Wir fahren drei reine Elektro-Fahrzeuge, die mit 100 % Solar- oder Öko-Strom an unserer eigenen Elektro-Tankstelle am Firmengebäude betankt werden.“ Dies ist gleichzeitig die erste öffentliche Elektro-Tankstelle am Ort für Elektro-Fahrer während der Geschäftszeiten.
Kunden und Lieferanten aus der Region
Das ökologische Verhalten hat aber auch viele andere Aspekte. „Qualität vor Quantität“ lautet die Devise. „Wir arbeiten regional in einem Umkreis von ca. 35 km“, gibt Elisabeth Hanshans ein Beispiel. „Das heißt: kurze Wege, also weniger Energieverbrauch.“ Auch die Lieferanten kommen aus der Region. Bevorzugt wird „Holz von hier“, Exotenholz wird fast nicht verwendet. Bestellt wird auftragsbezogen, das Material wertgeschätzt, Reste und Abfall möglichst vermieden. Schon seit 1989 gibt es ein Wertstoff-/Abfall-Konzept, mit dem die Wertstoffe konsequent getrennt und Abfälle fachgerecht entsorgt werden.
Nachhaltigkeit in seiner Gesamtheit
Doch die Unternehmer gehen noch weiter: „Für uns sind Begriffe wie Nachhaltigkeit und Ökologie keine Modeworte“, bringt es Elisabeth Hanshans auf den Punkt. „Wir machen uns immer Gedanken darüber, welche Konsequenzen etwas für uns, unsere Umwelt und andere Menschen hat. Immer, bevor wir eine Entscheidung treffen, eine Investition tätigen oder ein Grundstück bebauen.“
Zum Verständnis des Ehepaars Hanshans gehört somit auch, sich ehrenamtlich zu engagieren, wie beispielsweise seit über drei Jahren im Projekt „Schreiner-Helfer“. Das Projekt der Regensburger Lebenshilfe, bietet Arbeitsplätze für junge Menschen mit Behinderung. Auch darüber hinaus sind die beiden in der Gemeinde und im Landkreis aktiv, ob im Kindergarten, in der Schule oder in Netzwerken, die sich mit dem Thema Umwelt beschäftigen. Da aber Nachhaltigkeit nicht an der eigenen Haustür aufhört, spenden die Hanshansens auch weltweit für die Kindernothilfe oder den WWF. „Nachhaltigkeit muss man in ihrer Gesamtheit betrachten,“ fasst Elisabeth Hanshans zusammen. „Das macht ein Familienunternehmen wie das unsere erst wirklich lebens- und erlebenswert.“
Hanshans Meisterbetrieb
93138 Lappersdorf/Hainsacker
www.hanshans.de

Der Autor
Rudolf Bartl leitet eine PR-Agentur, die Unternehmen aus dem Umfeld des Tischler- und Schreinerhandwerks sowie Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen betreut.