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Aus Haut und Holz

Werkstattbesuch beim Bodhránbauer Christian Hedwitschak
Aus Haut und Holz

Im Prinzip sind es einfache Rahmentrommeln – sie bestehen aus nicht mehr als einem schlichten Holzring und einem darübergespannten Fell. Der Schreinermeister Christian Hedwitschak aus dem bayrischen Sulzemoos jedoch hat die Bodhrán zu einem komplexen Instrument der Premiumklasse weiterentwickelt – begehrt und gespielt von Musikern in aller Welt.

BM-Redakteur Heinz Fink

Sauber aufgereiht stehen sie da. In Reih und Glied geordnet und mit verschiedenen Einsätzen für die unterschiedlichsten Arbeitsgänge bestückt: Ein gutes Dutzend gleicher Akkuschrauber zum Bohren, Schrauben, Drehen und vielem mehr. Genau dasselbe gilt für eine Armada gleicher Handoberfräsen, die, ordentlich aufbewahrt an einer Wandtafel und mit den unterschiedlichsten Fräswerkzeugen bestückt, auf ihren Einsatz warten. Schnell wird klar, hier legt jemand Wert auf Ordnung. Und die ist auch notwendig, beim eingeschränkten Platzbedarf in der kompakten Werkstatt im bayrischen Sulzemoos bei Dachau. Denn auf kaum mehr als 18 m2 Werkstattfläche entwickelt und fertigt Christian Hedwitschak seit nunmehr 20 Jahren hochwertige Bodhráns (gesprochen: Bouraan) – irische Rahmentrommeln, die bei Profi- und Hobbymusikern weltweit begehrt sind.

Holzbegeistert

Gegen den Wunsch des Vaters – er sollte eigentlich Beamter werden – entschied sich Christian Hedwitschak nach der Realschule für eine Ausbildung zum Schreiner. Nach Zivildienst, Gesellenzeit und einem einjährigen Einsatz in einer Tischlerei in Südtirol besuchte er bis 2003 die Meisterschule München. Eine erste Stelle bei einem großen Generalunternehmer für Innenausbau trat er anschließend nach reiflicher Überlegung jedoch nicht an, denn zu dieser Zeit war er schon aktiver Bodhránspieler und -bauer.

Eine Gruppenleiterin im Zivildienst hatte ihn mit der Musik der deutschen Irish-Folk-Rock-Band Fiddler’s Green bekannt gemacht. Mit dem Irishfolk-Virus infiziert, kaufte er sich seine erste Bodhrán und ein Lehrbuch in einem irischen Touristenshop. Weniger begeistert war er als Schreiner allerdings von der Qualität seiner ersten, vermutlich aus pakistanischer Produktion stammenden Trommel: schlecht verarbeitet, nicht stimmstabil und auch sonst keine Augenweide.

Vom Musiker zum Trommelbauer

Was lag für den erfahrenen Schreiner näher, als sich selbst eine Bodhrán zu bauen. „Die Ziege, die für meine erste Bodhrán ihr Fell zur Verfügung gestellt hat, tut mir heute noch leid.“, sagt Christian Hedwitschak schmunzelnd. „Wenn sie gesehen hätte, was ich mit ihrer Haut gemacht habe, die hätte sich wohl im Grab umgedreht.“

Viele Instrumente später würden die Ziegen wohl vor Glück tanzen, wenn sie wüssten, welch hochwertige Trommeln er seither baut. Was als dreimonatiger Selbstversuch begann, hatte sich so gut entwickelt, dass Christian Hedwitschak seit 2003 als professioneller Bodhránbauer selbständig ist. Mehr als 8000 Instrumente sind in dieser Zeit entstanden und haben ihn sowohl in der deutschen als auch internationalen Musikerszene bekannt gemacht.

Große Modellvielfalt

Alle Hedwitschak-Bodhráns haben einen hölzernen Außenrahmen, der je nach Modell entweder aus Bucheschichten mit Edelholzdeckfurnier oder komplett aus in speziellen Alu-Formen verleimten Massivholzschichten besteht, sodass diese außen konkav abgedreht werden können. Als Deckschicht kommen dabei edle Furniere wie Kirschbaum, Rüster oder Nussbaum zum Einsatz, aber auch seltene Maserhölzer oder Furniere aus den wurmbefallenen Eichenpfählen aus der Lagune von Venedig. Für massive Rahmen findet spektakulär geriegelter Ahorn oder Esche Anwendung. Die aus Buche schichtverleimten Stimmrahmen – eine spezielle, von Christian Hedwitschak entwickelte Konstruktion – drücken von innen gegen das Trommelfell aus Ziegenhaut und formen somit den individuellen Klang.

Eben soviele Varianten stehen zur Gestaltung der Oberflächen zur Auswahl. Bei Standardinstrumenten sind geölte und gewachste Oberflächen gängig, bei gebeizten Modellen kommt Klarlack zum Einsatz (Hesse Lignal). Bei Sondermodellen sind Sunburst- und Effektlackierungen, aber auch schablonierte Motiv- und Hochglanzoberflächen möglich.

Ausgeprägter Forschertrieb

Christian Hedwitschak baut seine Bodhráns nicht nur in einer Vielzahl von Holz- und Oberflächenvarianten, er entwickelt sie auch stetig weiter. In einem groß angelegten Forschungsprojekt mit der Akustikabteilung der TU München wurden die verschiedenen Konstruktionen wissenschaftlich untersucht. So konnte auch der Einfluss des speziellen, von ihm entwickelten Kompressorstimmrahmens nachgewiesen werden. Das ChangeHED-Fellwechselsystem ermöglicht dabei den einfachen Austausch von Trommelfell und Stimmrahmen. Für diese Erfindung erhielt er 2014 den Bayrischen Staatspreis für hervorragende technische Leistungen im Handwerk.

Der Netzwerker

Trotz seiner Tätigkeit als Einzelunternehmer ist Christian Hedwitschak ein ausgeprägter Teamplayer. So arbeitet er seit vielen Jahren mit dem Drechslermeister Stephan Moises aus Puchheim (www.tippermaker.eu) zusammen, der neben der Bearbeitung seiner konkaven Bodhrán-Rahmen auch die Herstellung der sogenannten Tipper, den hölzernen Spiel- schlägeln übernimmt. Rolf Wagels, ein international anerkannter Bodhránspieler und -lehrer (www.bodhran-info.de), ist von Anfang an Christian Hedwitschaks aktivster Entwicklungspartner und Fachhändler, mit dem er auch eine der vier Signature-Serienmodelle entwickelt hat. Seit Kurzem bringt er sein profundes Oberflächenwissen auch in der überbetrieblichen Ausbildung an der Berufsschule Dachau ein – back to the (Schreiner-)roots!

www.bodhranmaker.eu

Hier finden Sie weitere Holzsplitter.

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