Werkstattbesuch beim Larvenschnitzer Anton Ostler

Charakterköpfe

Schellenrührer, Goaslschnalzer oder G’röllratscher – die seltsam anmutenden Namen bezeichnen Figuren aus der jahrhundertealten Tradition der Werdenfelser Fasnacht. Der junge Bildhauer Anton Ostler schnitzt die typischen, Larven genannten Masken, die während der Fasnacht getragen werden.

BM-Redakteur Heinz Fink

Grimmig und furchterregend schauen manche von ihnen drein, mit ihren verschrobenen Hexen- und Teufelsgesichtern. Andere, wie die eines menschlichen Gesichts mit Schweinerüssel anstatt einer Nase oder eine weitere, die den Mund zum Pfeifen spitzt, wirken eher grotesk-ironisch, ja fast sarkastisch. Manche von ihnen blicken streng drein hinter ihren fein gezwirbelten Schnurrbärten, doch weitaus die meisten, ob Männer- oder Frauengesichter, schauen ihr Gegenüber freundlich lächelnd und neugierig an. So unterschiedlich sie auch sein mögen, alle stellen sie ganz individuelle und ausdrucksstarke Charaktere dar, die hölzernen Larven, die seit Jahrhunderten während der Fasnacht im Werdenfelser Land getragen werden. Einer der wenigen, der diese Larven noch heute herstellt ist der junge Holzbildhauer Anton „Toni“ Ostler aus der zwischen Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen gelegenen Ortschaft Klais.

Weit zurückreichende Tradition

Der Fasnachtsbrauch im Werdenfelser Land kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Hinweise auf das Verkleiden und Maskentragen bei öffentlichen oder privaten Festen reichen zurück bis ins Mittelalter. Noch heute bestimmen die Maschkera, die in traditionelle Gewänder und Masken gekleideten Teilnehmer der Fasnacht, vom Dreikönigstag (6. Januar) bis Faschingsdienstag die Fasnacht in der Gegend um Garmisch-Partenkirchen. Dreimal pro Woche ziehen ausschließlich Männer, sowohl in männlicher als auch weiblicher Verkleidung, aus zum sogenannten Gunkeln: Zumeist in musikalischer Begleitung ziehen sie zum Tanzen und Trinken durch die Gastwirtschaften der Orte. Seinen Höhepunkt findet der Brauch am „Unsinnigen Donnerstag“ zum Beispiel in Mittenwald, wenn sich pünktlich nach dem Zwölfuhrläuten ein bunter und laut lärmender Zug von Schellenrührern, Goaslschnalzern, G’röllratschern und vielen anderen Figuren der Werdenfelser Fasnacht in Bewegung setzt.

Frühe Inspiration

Aufgewachsen in dieser reichen Tradition, faszinierten Toni Ostler die hölzernen Larven seit früher Kindheit. Zwei Masken, die sein Vater mitbrachte als der Bub gerade mal fünf Jahre alt war, hatten es ihm so angetan, dass er selbst Schnitzer werden wollte. Angeleitet durch den Schreiner und Larvenschnitzer „Angele Schorsch“ schnitzte er bereits im Alter von elf Jahren seine ersten Larven öffentlich am Bozner Markt in Mittenwald.

Seinem frühen Berufswunsch folgend, begann Toni Ostler nach dem Abitur eine Lehre zum Holzbildhauer an der traditionsreichen Schnitzschule in Garmisch-Partenkirchen, den heutigen Schulen für Holz und Gestaltung. Nach einer kurzen selbstständigen Tätigkeit begann er 2016 ein Kunsterzieherstudium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, von dem aus er dann aber nach wenigen Semestern zum Studium der Freien Bildhauerei wechselte.

Solides Handwerk

Seine Larven fertigt Toni Ostler aus möglichst feinjähriger Zirbel- oder Weymouthskiefer, bei besonders leichten Masken kommt auch mal Lindenholz zum Einsatz. Die aus gevierteltem Stammholz gesägten Rohlinge befestigt er zur Bearbeitung mittels einer kräftigen Holzschraube an einer sogenannten Bildhauerbank, ein senkrecht stehendes, in die Hinterzange der Hobelbank eingespanntes Kantholz. Dabei wird zuerst die Außenseite der Larve bearbeitet. Mit einem breiten, flach gerundeten Bildhauereisen und einem Holzklüpfel erfolgt unter kräftiger Spanabnahme das sogenannte „Anhauen“ der Form. Nach dem Anlegen der Details mittels Bleistift und Zirkel erfolgt der „Feinschnitt“, das heißt, das Ausarbeiten der endgültigen Form mithilfe verschiedener Schnitzeisen. Wichtig sind die Augenlöcher, Nase und Mund, damit der Larventräger auch sehen und atmen kann. Bevor die Innenseite der Larve ausgehöhlt werden kann, wird die Sichtseite grob vorgeschliffen. Geschützt durch eine Lederschürze legt sich der Bildhauer die Larve zum Aushöhlen auf die Oberschenkel und arbeitet das Innere mit einem groben Beitel per Hand vorsichtig aus. Mit feineren Eisen und dem abschließenden Feinschliff wird die Maske dem Gesicht des späteren Trägers angepasst. Denn eine gute Passform und eine dünnwandige und leichte Larve zeugen von guter Qualität.

Durch Farbe zum Leben erweckt

Für die nun folgende Fassung der Larve wird diese außen fein geschliffen und bei Bedarf gewässert und nochmals zwischengeschliffen. Als Basis für die spätere Bemalung dient ein Kalk-Kasein-Grund, den Toni Ostler aus Quark, Löschkalk und Pigmenten selbst anrührt. Nach einer entsprechenden Trockenzeit kann die Larve nochmals zwischengeschliffen werden und ist so bereit für die farbige Bemalung. Mittels aus Farbpigmenten und Bindemitteln selbst zubereiteter Farben erhält so jede Larve ihren individuellen, unverwechselbaren Ausdruck. Zum Schutz der Larve werden zum Abschluss noch einige Schichten Schellack aufgetragen.

Traditionelles Handwerk und freie Kunst

Gut 50 Fasnachtslarven hat der 26-jährige Toni Ostler in den vergangenen Jahren gefertigt, jede davon ein ganz eigener, individueller Charakter – denn er mag die Wiederholung nicht. Überhaupt arbeitet er am liebsten vollkommen ohne Auftrag, das lässt ihm den größten kreativen Freiraum. Das ist sicherlich auch die Folge seines Studiums an der Nürnberger Kunstakademie, bei dem es ja im Gegensatz zur handwerklich gebundenen Holzbildhauerei um die Entwicklung eigener Ideen und Konzepte geht. Dennoch kann Toni Ostler es nicht ganz sein lassen und schnitzt noch immer gut fünf bis zehn Larven im Jahr – als fasnachtsnärrischer Werdenfelser braucht er natürlich auch immer selber ein paar unterschiedliche Larven zur Auswahl, wenn es auf zum Gunkeln geht!

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