Werkstattbesuch bei der Holzbildhauerin Simone Heinze. Fein gearbeitet - BM online

Werkstattbesuch bei der Holzbildhauerin Simone Heinze

Fein gearbeitet

Fein rankendes Blattwerk, ein stolz röhrender Hirsch oder flink flüchtende Wildsauen – alles exakt eingeschnitten in das lebhaft gemaserte Nussbaumholz. Das Repertoire an Jagdmotiven ist groß, das die Holzbildhauerin Simone Heinze aus dem thüringischen Zöllnitz für ihre Kunden bereit hält. Als Schaftverschneiderin macht sie aus deren Jagdwaffen höchst individuelle Einzelstücke.

BM-Redakteur Heinz Fink

Von sicherer Hand geführt, schneidet sich das scharfe, blank polierte Werkzeug in das dunkle, lebhaft gezeichnete Holz. Hebt Span um Span, in oft nur wenigen Millimetern großen Stücken ab. Immer exakt entlang an den vorher fein auf das Holz gezeichneten Motivlinien. Nach und nach entsteht so ein flach geschnitztes Relief aus geichmäßigen, feinen Blättchen – eine sogenannte Schuppenfischhaut. Es könnte aber auch eine einfache oder eine Schottische Fischhaut, ein Korbgeflecht, ein Laub- oder Blütenornament oder ein Jagdmotiv sein, das die Holzbildhauerin Simone Heinze aus dem thüringischen Zöllnitz in die Gewehrschäfte ihrer Kunden schnitzt und diese so zu individuellen Kunstwerken werden lässt. Simone Heinze ist eine der wenigen, die diese spezielle Technik der Holzbildhauerei, auch Schaftverschneidung genannt, noch beherrscht.

Klassische Handwerksausbildung

Geboren und aufgewachsen in Zeulenroda, erlernte Simone Heinze Mitte der 1980er-Jahre das Holzbildhauerhandwerk im Möbelwerk Zeulenroda. Zur Berufsschule ging es in die traditionsreiche Schnitzschule nach Empfertshausen, einem alten Holzschnitzerdorf in der Thüringer Rhön. Ein Umzug nach Jena, Familiengründung und die bald darauf folgende Wende brachte zuerst einmal berufliche Veränderungen mit sich und ließ die Holzbildhauerei in den Hintergrund treten. Ihre kreativen Fähigkeiten konnte Simone Heinze jedoch in der Werbebranche und später als Floristin auch in dieser Zeit weiterhin ausleben.

Die Holzbildhauerei geriet erst wieder um die Jahrtausendwende in den Fokus, als ihr Schwager, ein passionierter Jäger, sie bat, den Schaft eines seiner Jagdgewehre zu beschnitzen – was sie natürlich gerne tat. Konnte sie doch so wieder ihre lange verstauten, aber wohl gehüteten Schnitzwerkzeuge zum Einsatz bringen.

Schritt in die Selbstständigkeit

Doch bei diesem eher zufälligen, ersten Auftrag ist es nicht geblieben. Über Jagdkameraden ihres Schwagers hat sich die Qualität ihrer Arbeiten schnell herumgesprochen in Jägerkreisen. Dabei schätzen Simone Heinzes Kunden neben der perfekten handwerklichen Ausführung vor allem ihre Kreativität. Denn, ob es gilt, ein geliefertes Motiv zeichnerisch umzusetzen oder einen eigenen Entwurfsvorschlag auszuarbeiten, stets steht Simone Heinze ihren Kunden beratend zur Seite. Da kann auch schon mal das Foto des kundeneigenen Jagdhundes als Vorlage dienen, das sie in eine fein detaillierte Bleistiftzeichnung umsetzt und geschickt in eine Landschaft hineinkomponiert, sodass eine lebendige Jagdszene entsteht.

Aber auch florales Ranken- und Blattwerk, abstrakte Arabesken oder persönliche Monogramme entwirft Simone Heinze für ihre Kunden und setzt diese auf den bereitgestellten Schäften in feine Reliefschnitzereien um. Dabei sind diese nicht nur Verzierung, die verschiedenen Fischhaut- und Korbflechtschnitzereien erhöhen auch die Griffigkeit der Gewehrschäfte.

Sinn fürs Feine

Ihr künstlerisches Talent kommt ihr natürlich bei der Umsetzung ihrer Motive zugute, denn schon seit früher Kindheit hat Simone Heinze gerne gezeichnet und gemalt. Steht das Motiv für einen Auftrag fest, wird die Bleistiftzeichnung mithilfe von Kopierpapier auf den Schaft übertragen. Ab jetzt kommen je nach Aufgabe unterschiedliche, oft nur wenige Millimeter große Schnitzeisen zum Einsatz: Schlanke Eisen mit geradem oder rundem Stich, V-förmige Geißfüße, oft gekröpft oder abgewinkelt, und auch viele selbst gemachte Werkzeuge für besondere Aufgaben – alles im XXS-Format! Und rasiermesserscharf geschliffen müssen sie sein, denn die Oberfläche der feinen Schnitzarbeiten muss sauber geschnitten sein, da sie nicht mehr geschliffen werden kann. Um den Hintergrund eines Motives hervorzuheben und dieses sanft in die nichtbeschnitzte Fläche des Schaftes auslaufen zu lassen, setzt Simone Heinze sogenannte Punzen, das heißt punktförmige Eisen, unterschiedlicher Größe ein.

Sind alle Schnitzarbeiten abgeschlossen, erhält das Holz einen Überzug aus Schaftöl. Dieses schützt den Schaft gegen Schmutz und Feuchtigkeit, hebt aber durch seine Pigmente auch die Schnitzereien etwas hervor.

Gefragte Handwerkerin

Neben der Beschnitzung und der Restaurierung bestehender Schäfte von Privatkunden, arbeitet Simone Heinze auch für den ein oder anderen bekannten Büchsenmacher, dessen Neuanfertigungen ihre Schnitzarbeiten zieren. Wobei ihre Kunden heute aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und dem angrenzenden europäischen Ausland kommen. Übrigens, bei der Schaftverschneidung für ihren Schwager ist es nicht geblieben: Seit Kurzem schmücken ihre Schnitzereien auch die eichenen Möbelfronten und Vertäfelungen seines Jagdzimmers.

www.schaftverschneidung.com

Ein Foto der Hunde ihres Kunden, ergänzt um Landschaft und zwei flüchtende Wildsauen, dient Simone Heinze als Vorlage für die Bleistiftzeichnung.
Zeichnung: Simone Heinze, www.schaftverschneidung.com

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