Werkstattbesuch beim Kunsthandwerker Klaus Kralovec. Geometrie in Holz - BM online
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Geometrie in Holz

Werkstattbesuch beim Kunsthandwerker Klaus Kralovec
Geometrie in Holz

Es ist ein wahrer Farbrausch aus ausdrucksstarken Exoten wie Amaranth, Bocote, Ebenholz und Zebrano, aber auch aus einheimischen Hölzern wie Ahorn, Birne, Nuss und Rüster. Sie bilden die Basis für zahlreiche Produkte, die Klaus Kralovec aus exakt gefügten Massivhölzern zu farblich fein abgestimmten, geometrischen Blockintarsien zusammensetzt.

BM-Redakteur Heinz Fink

In gleichmäßigen Zügen gleiten die exakt vorbereiteten, aus verschiedenen Holzarten zusammengesetzten Holzplättchen über die Walze. Einmal in die eine, dann gedreht in die andere Richtung nehmen sie dabei eine dünne, aber dennoch ausreichende Menge an Leim auf. Hochkant aufgestellt, gegeneinander gestürzt und jeweils durch eine hauchdünne, schwarze Funierschicht getrennt, landen sie sogleich zusammen mit einem guten Dutzend weiterer Schichten unter den pneumatischen Stempeln der Verleimpresse. Unter dem Druck der Stempel werden diese in ihrer exakten Position kurz fixiert und anschließend Klemmzwingen angesetzt. Der so verleimte Block wird aus der Vorrichtung entnommen, um den Prozess sogleich wieder von Neuem beginnen zu lassen. Fast kontemplativ, in wiederholt gleichmäßigem Rhythmus ausgeführt, erscheint es, wenn Klaus Kralovec seine feinen Blockintarsien aus edlen Hölzern herstellt – und das schon mehr als 30 Jahre.

Über Umwege auf den Holzweg

Aufgewachsen in Karlsruhe, begann Klaus Kralovec nach dem Abitur dort ein Studium der Elektrotechnik, das er allerdings nach wenigen Semestern unterbrach, um seinen Zivildienst in einem Krankenhaus in Stuttgart zu absolvieren. In den Hörsaal der Universität kehrte er danach allerdings nicht mehr zurück, sondern tauschte diesen gegen einen Platz an der Hobelbank einer Schreinerei.

Nach seiner Ausbildung zum Schreiner in einem Möbel- und Innenausbaubetrieb Ende der 1980er-Jahre, arbeitete Klaus Kralovec noch ein Jahr als Geselle in einem Treppenbaubetrieb. Schon während seiner Lehrzeit sammelte er jegliche Massivholzreste und legte eine Holzmustersammlung aus verschiedensten exotischen Hölzern an. Aus den Hölzern fertigte er, in Schichten verleimt, allerlei Gegenstände wie Handschmeichler, Schlüsselanhänger und andere kunsthandwerkliche Gegenstände und verkaufte diese.

Doch auf Dauer war das Angestelltendasein nichts für Klaus Kralovec und so machte er sich 1989, unterstützt durch seine Ehefrau Claudia Erb, einer studierten Betriebswirtin, die seine Holzleidenschaft teilt, selbstständig. Seither fertigen beide mit ihrem Familienunternehmen Holz-Design im hohenlohischen Gerabronn kunsthandwerkliche Objekte aus edlen, verleimten Hölzern.

Vielfalt der Holzfarben

Basis für die Arbeiten von Klaus Kralovec ist ein gut sortiertes Holzlager. Heimische Hölzer wie Ahorn, Apfel, Birne, Kirsche oder Nussbaum, aber auch Eiche, Esche, Rüster, Robinie oder Weißbuche kauft er teils zu, noch lieber aber findet er sie in der näheren Umgebung und schneidet sie auf seinem mobilen Sägewerk selbst ein und trocknet sie in der eigenen Trockenkammer bis auf 8 bis 9 % Holzfeuchte. In seinem Lager finden sich aber auch exotische Hölzer wie Amaranth, Bocote, Padouk, Wenge und Zebrano oder solch inzwischen seltene Spezies wie Ebenholz, Satiné, Cocobolo oder Bahia Rosenholz, die er von spezialisierten Exotenholzhändlern bezieht, 7 bis 10 m³ Massivholz gehen da so im Jahr durch die Werkstatt.

Aus den Farben der Natur

Für ein geschicktes Handling der Werkstücke hat sich für Klaus Kralovec ein 12-cm-Maßverhältnis mit einer maximalen Länge von 60 cm als praktikabel erwiesen, auf das er alle seine Vorrichtungen ausgerichtet hat. Bei der Herstellung kann er auf ein reichhaltiges Sortiment an vorgerichteten Hölzern in unterschiedlich Stärken zurückgreifen, die er in einem ersten Arbeitsgang für die Vorstufen seiner Blockintarisien herrichtet.

Ganz wie ein Maler mit seinem Aquarellkasten nutzt Klaus Kralovec dabei die natürlichen Farben der Hölzer und kombiniert diese in wechselnden Kontrasten: helle und dunkle, gemaserte und einfarbige, bunte und unscheinbare Hölzer – oft scharf getrennt durch schwarze und weiße Furniere. So entstehen in vielen Arbeitsgängen durch Stürzen, Verschieben und Verdrehen geometrische Muster aus quadratischen Würfeln, wechselnd versetzten Rechtecken oder auch dreieckigen Formen.

Furnier aus Massivholz

Für viele Produkte verwendet Klaus Kralovec die so entstandenen Holzblöcke als massives Material, wie für Schlüsselanhänger oder Flaschenöffner oder schneidet es für Versperbrettchen und Untersetzer in wenige Zentimeter starke Brettchen. Eine Spezialität seiner Werkstatt aber sind aus den verleimten Blöcken gesägte Furniere mit einer Stärke zwischen 0,8 bis 2 mm, aus denen in der Vakuumpresse furnierte Schatullen, Servierbretter oder gebogene Schalen entstehen.

Die Dünnschnitte dafür gelingen auf der Kreissäge mit einem nur 2 mm starken, mit Diamant bestückten Sägeblatt. Überhaupt nutzt Klaus Kralovec zur Herstellung seiner Produkte, neben speziellen Maschinen wie einer Finiermaschine (Marunaka), zahlreiche selbstgebaute Vorrichtungen und Werkzeuge.

Verlässliches Marktgeschäft

Ihre über das gesamte Jahr hergestellten Produkte vertreiben Klaus Kralovec und Claudia Erb überwiegend im Dezember jeden Jahres auf dem Lichtermarkt St. Lamberti in Münster und dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt, aber unterm Jahr auch auf verschiedenen kleineren Märkten im süddeutschen Raum. Bedingt durch Corona war im letzten Jahr zwar alles anders, doch Klaus Kralovec sieht die Zukunft positiv und hat schon wieder neue Ideen für Produkte aus verleimten Hölzern – wie auch schon in den 32 Jahren davor!

www.klauskralovec.de

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