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Im Meer der Oloide

Werkstattbesuch beim Oloidmacher
Im Meer der Oloide

Ihr Farbenspiel reicht von fast weißem Ahorn bis hin zu tiefschwarzem Ebenholz. Lediglich wenige Zentimeter groß die einen, nur mit beiden Händen zu halten die anderen. Alle jedoch eint ihre ebenmäßige, identische Form und perfekte Anmutung, die Oloide aus der Werkstatt von Andreas Hanke. Handschmeichler, die es schwerfällt aus der Hand zu legen.

BM-Redakteur Heinz Fink

In gleichmäßigen Bewegungen vorbeigeführt an der groben Schleifscheibe nimmt diese zügig Material ab von dem kleinen Holzquader. Flux gedreht ist derselbe Radius am gegenüberliegenden Ende angeformt. Ein Griff zum Messschieber, die Maße von Länge zu Breite geprüft und noch einmal nachgeschliffen, bis die mit feinem Strich angezeichnete Linie fast erreicht ist. Diese Prozedur wiederholt sich noch einige Male, jeweils an einem anderen Tellerschleifer, bestückt mit immer feiner werdender Körnung. Mit viel Geduld und stets die gleichmäßige Form und die scharfen Konturen im Blick fertigt Andreas Hanke seine begehrten Oloide aus feinen einheimischen und exotischen Hölzern – und das bereits seit 25 Jahren.

Ästhetik der Geometrie

Als Oloid bezeichnet man einen geometrischen, eckenlosen Körper, der lediglich aus zwei Kanten und einer glatten, zusammenhängenden Fläche besteht. Vereinfacht gesagt schneiden sich in seinem Inneren zwei um
90° versetzte Kreise gleichen Durchmessers um ihren Radius – zwischen beiden Radien spannt sich die endlos umlaufende Fläche. Entdeckt wurde das Oloid 1929 vom Anthroposophen, Bildhauer und Maschinenbauer Paul Schatz. Drehbar gelagerte Oloide haben eine technische Anwendung beim Mischen von Flüssigkeiten oder zur Sauerstoffanreicherung von Gewässern. Andreas Hanke dagegen faszinieren von jeher die ästhetischen und haptischen Qualitäten des Oloids.

Vom Strom zum Holz

Geboren und aufgewachsen in Forbach im Nordschwarzwald erlernte Andreas Hanke bei den Badenwerken den Beruf des Energieanlagenelektronikers, bildete sich zum Techniker fort, um anschließend an der TU Karlsruhe Nachrichtentechnik zu studieren. Nach drei Jahren in der Forschung und Lehre erkannte er, dass seine Zukunft nicht in einer wissenschaftlichen Karriere liegen sollte und absolvierte eine zweijährige Ausbildung zum Klassenlehrer an Waldorfschulen.

Doch ein Tüftler und Forscher blieb Andreas Hanke auch in seinem neuen Beruf. Neben seiner Tätigkeit als Werklehrer in einer anthroposophischen Einrichtung am Bodensee entwickelte er verschiedene therapeutische Geräte, wie ein Laufrad, ein Karussell oder ein Schiebeauto. Aber auch Spielzeuge, wie eine spiralförmige Kugelbahn, Sandpendel und optische Kreisel, entstanden über die Jahre.

Anfang aller Leidenschaft

Ein getöpfertes Oloid aus Ton war der Ausgang für Andreas Hankes dritte Karriere als Oloidmacher. Inzwischen Klassenlehrer für sonderpädagogische Aufgaben an einer anthroposophischen Einrichtung für Jugendliche im schwäbischen Weilheim/Teck entstanden vereinzelt die ersten Oloide der Größe 63 x 42 mm aus verschiedenen Obsthölzern. Von einer späteren Kollegin wurde er gefragt, ob er nicht aus ihrem eigenen Kastanienholz mit besonderer Vergangenheit Oloide in allen verschiedenen Größen machen könne. Gesagt, getan entstand die erste Oloidserie, der bis heute noch einige Tausend weitere Oloide folgen sollten.

Reiche Holzauswahl

Seit 1996 fertigt Andreas Hanke Oloide in allen erdenklichen Holzarten und hat sich in dieser Zeit zu einem Holzjäger und -spezialisten entwickelt. Sein Holzfundus umfasst dabei heimische Obstbaumarten wie Apfel, Birnbaum, Kirsche, Zwetschge, Mirabelle oder Nussbaum, aber auch Eibe, Lärche, Rüster, Robinie oder Mooreiche und solch ausgefallene Arten wie Buchsbaum, Flieder oder Maserbirke. Auch exotische Hölzer wie Cocobolo, Ebenholz, Grenadill und viele Palisanderarten sind darunter. Zu seinen Lieblingshölzern allerdings gehört das Holz eines über 600 Jahre alten Kastanienbaumes.

Perfekt durchdachte Fertigung

Zur Herstellung seiner Oloide dienen Andreas Hanke eine Anzahl von selbst gefertigten Vorrichtungen und Schleifeinrichtungen. Ausgang eines jeden Oloids ist dabei eine sauber im Winkel und auf das richtige Maßverhältnis gerichtete Kantel. Diese wird mittels einer speziellen Vorrichtung auf einem Tellerschleifer mit 80er-Körnung grob in Form gebracht, gefolgt vom einem mit 150er-Korn bestückten Schleifer. Sind die genauen Konturen erreicht, geht es anschließend über fünf weitere selbst konstruierte, in ihrer Geschwindigkeit fein justierbare Schleifstationen zum Feinschliff mit immer feineren Scheiben und schließlich zum Endschliff mit 2000er-Körnung. Zum Schutz erhalten die Oloide eine Beschichtung aus lebensmittelechtem Hartöl. Das abschließend aufgetragene Wachs wird mit einer Filzscheibe auf seidigen Glanz poliert.

Feine Handschmeichler

Seine edlen Oloide vertreibt Andreas Hanke vorwiegend über seinen Online-Shop auf seiner Webseite im gesamten deutschsprachigen Raum und über Etsy auch im übrigen Europa. Seine Kunden können sich dort aus einer reichhaltigen Auswahl an Holzarten und Größen ihr persönliches Lieblings-Oloid aussuchen und dazu eine individuell gefertigte Verpackung aus farbiger Pappe und Gummi auswählen.

Bis heute sind in seiner Werkstatt mehr als 3500 Oloide entstanden. Aber auch Sonderwünsche erfüllt Andreas Hanke gerne. So hat er für einen Kunden auf Wunsch zum
11. November 2017, also 11 111 Tage nach der Hochzeit am 11. Juni 1987 (etwas mehr als 30 Jahre), ein Oloid aus fein gezeichnetem Lärchenholz mit einer Länge von exakt 111 mm gefertigt.

www.oloid-holz.de

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