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BM-Serie, Teil 6: Digitalisierung im Schreiner- und Tischlerhandwerk

BM-Serie, Teil 6: Digitalisierung im Schreiner- und Tischlerhandwerk
Die Innovationstreppe – step by step erfolgreich

Nach dem letzten Bericht über innovative Gedanken und Lösungsansätze geht es im letzten Teil dieser Serie darum, wie wir es schaffen, Projekte zum Abschluss zu bringen und das richtige Maß an Innovation für unser Unternehmen zu finden.

Markus Faust

Ein erster wichtiger Schritt ist, internen Projekten den richtigen Stellenwert zu geben. Viel zu oft werden diese angegangen mit „Jetzt machen wir erst noch den Auftrag fertig und danach packen wir es an“ und müssen sich so immer wieder dem Projektgeschäft unterordnen. Kurzfristig macht das scheinbar Sinn, denn Ihr Jahresergebnis wird maßgeblich durch Ihre Kundenprojekte erreicht. Interne Projekte zeigen ihre Wirkung meist erst in der Zukunft. Bleibt die Frage: Was ist wichtiger: die Gegenwart oder die Zukunft? Sagen wir mal so, die Zukunft ist Ihre neue Gegenwart. Dorthin kommen Sie jedoch nur, wenn Sie heute Ihre Hausaufgaben machen. Wenn wir zu der Erkenntnis kommen, dass Zukunft und Gegenwart gleichwertig bespielt werden sollen, dann müssen wir folglich auch unseren internen Projekten die gleiche Wertigkeit wie unseren Kundenprojekten geben. Gemeinsam mit einem definierten Budget und Fertigstellungstermin sollte, genau wie bei Kundenprojekten, auch eine Projektnummer inkl. Projektleiter obligatorisch sein.

Nur so bekommen wir ein Gleichgewicht zwischen Digitalisierungs- und Auftragsdenken hin. Um an dieser Stelle nicht falsch verstanden zu werden, Digitalisierung darf niemals das eigentliche Ziel sein. Viele leiten automatisch ab, wenn etwas digitalisiert wird, wird es besser. Der Fokus sollte immer auf Optimierung liegen. Wenn auf diesem Weg die Digitalisierung unterstützt, ist alles gut, denn nur dann macht Digitalisierung Sinn. Unternehmensziele wie „Wir wollen in den nächsten fünf Jahren unser Unternehmen komplett digitalisieren“ sind völlig an der eigentlichen Wirkung vorbeigedacht.

Die Mischung machts

Die Erfolgsleiter ist immer ein Balanceakt zwischen Innovation und Konsolidierung. Deshalb die Empfehlung, sich den Weg hin zu seinen 5-Jahres-Zielen nicht als gerade Linie, sondern als Treppe vorzustellen. Jede Treppe hat im Wechsel Plateaus und steile Rampen. Wir sollten immer versuchen, uns bewusst zu machen, wo wir uns gerade befinden. Wenn wir uns auf der steilen Rampe befinden, sind wir in einer Innovation. Sind wir auf der Stufe, konsolidieren wir, schleifen Dinge ein und festigen bzw. stabilisieren diese. Als Unternehmer habe ich immer die Aufgabe, den Spagat zu meistern: auf der einen Seite Innovation zu forcieren und auf der anderen Seite neue Abläufe zu festigen. Nur Innovation oder nur Stagnation ist niemals der Schlüssel zum Erfolg und wird auf Dauer in einem Desaster für Ihr Unternehmen enden.

Egal ob Stufe oder Rampe, es gibt Phasen, an denen man verzweifeln könnte. Kaum hat man ein Problem gelöst, taucht auf der anderen Seite ein neues auf. Es scheint, als würde man auf der Stelle treten. Man spürt mächtig Gegenwind und kann keinerlei Fortschritt erkennen. Eine mentale Hilfe in solchen Phasen ist, sich immer wieder zu überlegen, ob der Punkt des Scheiterns sich mehr in Richtung meines Ziels bewegt oder nicht. Ist das der Fall, sollte Sie das beruhigen und Ihre Beharrlichkeit fördern.

Risiken eingehen

Es ist in Ordnung, dass wir regelmäßig bei Veränderungen scheitern. Im Wort „gescheiter“ steckt das Wort scheitern – heißt: Entweder ich habe Erfolg oder ich lerne. Der Glaubenssatz, dass ein Scheitern am Ende positiv ist, ist ungemein wichtig. Klar kosten Fehler neben mentaler Kraft vor allem auch finanzielle Kraft. Aber nur wenn wir bereit sind, regelmäßig Geld förmlich zu „verbraten“, können wir Innovation ins Unternehmen bringen. Innovation und Erfolg ohne Risiko wird es nicht geben. Wenn ich etwas Neues wage, bewege ich mich immer außerhalb meiner Komfortzone und da sind Fehler nur natürlich.

Eine wichtige Selbstreflexion dabei ist: Wie reagieren Sie auf Fehler Ihrer Mitarbeiter? Mit Einfühlungsvermögen und Interesse am Ursprung des Fehlers oder lediglich mit Resignation und Aggression? Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Was kann an einem Fehler positiv sein? Wie so häufig: Es kommt darauf an. Vereinfacht kann man Fehler in drei Kategorien einteilen. Beispiel: Ein Mitarbeiter hat einen Fehler gemacht, der auf kluge und nachvollziehbare Schlüsse hinweist. Während der Umsetzung hat sich jedoch gezeigt, dass diese so nicht umsetzbar sind. Der Mitarbeiter hat also alle vorbereitenden Hausaufgaben gemacht und ist dann in ein Terrain eingestiegen, das noch unbekannt war. Dabei ist er mit einer Annahme in eine Sackgasse gelaufen. Die Arbeit war in dem Moment nutzlos, aber nicht sinnlos. Das sind Fehler oder Misserfolge, die wir sogar loben sollten, denn der Mitarbeiter ist für das Unternehmen da hingegangen, wo es ein Risiko des Scheiterns für ihn gibt.

Die zweite Kategorie von Fehlern sind solche, die auf nicht gründlich durchdachten Annahmen beruhen. Der Mitarbeiter hat nicht sauber genug recherchiert oder nicht explizit nachgefragt und ist mit einer „unsauberen“ Vorbereitung in einen Fehler gelaufen. Diese Fehler passieren häufig, wenn der Fokus mehr auf Effizienz und nicht auf Effektivität steht. Hier sollten Sie das Gespräch suchen und Hilfestellung geben, damit sich der Mitarbeiter selbst reflektieren kann und zukünftig nicht mehr so „naiv“ in ein Thema einsteigt.

Die dritte Art, Fehler zu machen, gilt es unbedingt zu vermeiden. Diese beruhen auf Fahrlässigkeit, Faulheit oder Dummheit – zum Beispiel Wiederholungsfehler. In so einem Fall müssen Sie unbedingt eingreifen und ggf. auch Sanktionen aussprechen.

Fehler akzeptieren

Der Markt belohnt nur Umsetzungsstärke und keine Pläne. Thomas Watson, dem Gründer von IBM, wird das Zitat nachgesagt: „Wenn du Erfolg haben willst, musst du bereit sein, deine Fehlerquote zu verdoppeln.“ Leider lehrt uns unser Schulsystem bedingungslos: Fehler zu machen ist schlecht. So werden zum Beispiel in Schulaufgaben nur die Fehler hervorgehoben und nicht die richtigen Lösungen oder Denkansätze. Übertragen auf Ihr Unternehmen sollten Sie Ihren Fokus weg von Ihren Fehlern richten. Es gibt kaum aufstrebende Unternehmer, die sich nicht regelmäßig ihre Erfolge bewusst machen und diese auch notieren. Warum nicht auch im Unternehmen einfach den Erfolg des Monats der Kollegen feiern.

Strukturen umsetzen

Es sind die scheinbar kleinen Rituale, die uns helfen, Schritt für Schritt die Innovations- und Erfolgstreppe nach oben zu klettern und unser Unternehmen auf das Next Level zu stoßen. Nur was wir wiederholen, können wir uns merken. Nur was wir uns merken, können wir auch anwenden. Und nur was wir anwenden, wird Veränderung hervorrufen. Dieses Zusammenspiel wird Sie – richtig angewandt – langfristig immer nach vorn bringen. Nicht Wissen ist Macht, sondern angewandtes Wissen ist Macht. Deshalb müssen wir aktiv bleiben und handeln, denn Erfolg besteht aus drei Buchstaben: TUN.

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Unternehmen auf dieser Reise alles erdenklich Gute. Es würde mich freuen, wenn diese Serie zumindest einen kleinen Beitrag dazu leisten konnte, dass Sie diesen Weg noch engagierter, neugieriger und dadurch letztlich erfolgreicher gehen werden.


Digitalisierung im Handwerk

Die BM-Serie im Überblick

Digitalisierung wagen – leichter gesagt als getan. In dieser BM-Serie gibt Markus Faust Einblicke in den digitalen Wandel im Schreiner-/Tischlerhandwerk und liefert wertvolle Tipps und Anregungen.

Die Serie im Überblick:

Die monatliche Miete zahlen

Die Exitstrategie als Wegweiser

Lerne die Glaskugel zu lesen

Verlernen ist wichtiger als lernen

Die Ideenmaschine anwerfen

Schritt für Schritt erfolgreich


Der Autor

Markus Faust ist Dipl.-Ing. (FH) Holztechnik und hilft Schreinern und Innenausbauern dabei, schlanke und performante (Vor-)Fertigungsprozesse im Unternehmen aufzubauen. Auswahl und Integration von schlüsselfertigen CAD/CAM-Systemumgebungen sind dabei die Basis.

www.av-line.de

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