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Vom Hörsaal an die Hobelbank …

Kieler absolviert nach Studium noch Tischlerlehre
Vom Hörsaal an die Hobelbank …

Die richtige Berufs- oder Studienwahl zu treffen ist sicher nicht immer einfach. Manch einer scheitert im Studium und sucht seine Bestimmung noch … Nicht so Simon Hölscher, der sein Sozialpädagogik-Studium durchzog und anschließend noch eine Tischlerlehre anschloss, weil er das Gefühl hatte, „dass es da noch was zu lernen gibt“.

BM-Redakteur Heinz Fink

Die provovisorische WG-Balkon-Werkstatt gegen eine professionelle Lehrwerkstatt, den Uni-Hörsaal gegen das Berufsschulklassenzimmer und ein sicheres Gehalt gegen eine eher magere Ausbildungsvergütung einzutauschen, ist sicher keine leichte Entscheidung. Der 29-jährige Kieler Simon Hölscher hat sie für sich beherzt getroffen und nach seinem abgeschlossenen Sozialpädagogik-Studium noch eine Tischlerlehre draufgesattelt. „Noch einmal einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen und meine Leidenschaft für den Möbelbau zum Beruf zu machen“, war dabei sein Antrieb.

Holz in den Genen

Zwar sind beide Elternteile – die Mutter ist heute Ärztin, der Vater Heimleiter – gelernte Tischler, doch einen Holzberuf zu ergreifen, stand für Simon Hölscher nach dem Abitur erstmal nicht im Fokus – eher ein Studium der Sozialen Arbeit. Nach erfolgreich abgeschlossenem Studium folgte ein Anerkennungsjahr und damit die Erkenntnis, dass das noch nicht alles gewesen sein konnte, dass es da noch vieles Anderes zu lernen gäbe. Mit Holz hatte Simon Hölscher schon immer gerne gearbeitet und immer wieder eigene Möbelprojekte realisiert. Da war es naheliegend, sich nach einer Ausbildungsstelle zum Tischler umzusehen. Durch alte Kontakte seiner Eltern fand er zur Möbeltischlerei Reimers-Freese in Rüllschau bei Flensburg. Der kleine, feine Handwerksbetrieb mit Schwerpunkt Möbel- und Innenausbau und Massivholz überzeugte ihn und lies den täglich gut zweistündigen Arbeitsweg von Kiel hin und zurück zur Lehrwerkstatt verschmerzen. Die Ausbildung von Simon Hölscher fand nach zweieinhalb Jahren ihren krönenden Abschluss im Gesellenstück, einem eleganten Schreibtisch in Eiche und Mineralwerkstoff.

Komplexe Herausforderung

Der Realisierung von Simon Hölschers Gesellenstück ging ein etwa halbjähriger Planungsprozess mit vielen Stunden am Laptop und an der Zeichenplatte, ersten Modellbauten und einem intensiven Austausch mit Freunden und Kollegen voraus. „So wurde aus einem Schreibtisch, der zunächst eher aussah wie eine Milchschnitte auf Stelzen, eine ausgereifte Möbelidee“, gibt er im Nachhinein zu. Hilfreich war dabei die frei verfügbare Zeichensoftware sketchup.com, mit der er vor allem die unterschiedlichen Gestellvarianten in 3D-Modellen simulieren konnte .

Entstanden ist anschließend im Zeitraum von gut zweieinhalb Wochen, darunter zahlreiche Nachtschichten, ein Schreibtisch, dem man seine Komplexität nicht auf den ersten Blick ansieht. Hinter der nüchternen äußeren Hülle aus weißem Mineralwerkstoff findet sich eine durchdachte statische Konstruktion, denn das filigran wirkende, zargenlose Untergestell allein kann die notwendige Aussteifung nicht sicherstellen.

So findet sich hinter den auf mechanischen Vollauszügen (Blum Movento) geführten Schubkästen ein System von längs durchlaufenden, mit den Böden fest verbundenen Spanten aus 18-mm-Multiplex, die ein Durchhängen des gut 2000 x 900 x 120 mm großen Korpus verhindern. Zur Sicherung der Quersteifigkeit des Fußgestells sind 20 mm Rundstahlstangen in die Stirnenden der Beine eingearbeitet, die von unten bis in den Korpus reichen und dort von dicken Multiplexklötzen gehalten werden.

Zahlreiche Zusatzfunktionen

Die seitlich umlaufende Aufdoppelung des Korpus aus 12 mm starkem Mineralwerkstoff ist im Bereich der Vorderstücke durch eine schmale, hinterfräste Tasche ausgesetzt und dient so als bequeme, in Eiche hinterlegte Grifffuge zum Öffnen der Schubkästen. Diese bieten reichlich Platz für Schreibtischgegenstände wie Stifte, Dokumente, Taschenrechner und weiteren Bürobedarf. Die mittlere Schublade besitzt zudem einen abschließbaren Einsatz, zur Aufbewahrung von Wertgegenständen und wichtigen Dokumenten, der durch eine nach oben zu öffnende, an Einlassbändern angeschlagene Klappe verschlossen wird. Im hinteren Teil des Schreibtisches befindet sich eine herausnehmbare, durch kleine Magnete gesicherte Revisionsklappe, unter der sich links und rechts zwei offen gezinkte, auf Nutleisten geführte Schubkästen und diverse Steckdosen verbergen. Eine kleine, schräge Ausfräsung in Klappe und Tischplatte ermöglicht die Versorgung elektrischer Geräte wie Laptop, Smartphone oder Schreibtischlampe. In den Schubladen können Kabel und Ladegeräte verstaut werden. Die gesamte obere Schreibtischplatte ist abnehmbar, damit der verschlossene Raum auch später noch zugänglich ist.

Nach seiner im Frühjahr 2020 erfolgreich bestandenen Gesellenprüfung verbindet Simon Hölscher jetzt seine beiden beruflichen Qualifikationen. Als angestellter Sozialpädagoge baut er derzeit in Kiel für eine private Jugendhilfeeinrichtung eine Holzwerkstatt auf. Und die nächste berufliche Qualifikation hat er auch schon im Blick: Zurzeit besucht er berufsbegleitend die Meisterschule in Flensburg, die er im Sommer 2022 mit dem Meisterbrief abschließen will. Mit dem Ziel der Selbständigkeit als Tischlermeister – natürlich mit fundiertem, pädagogischem Hintergrund.

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Komplexe Konstruktion: Die von Hand ausgeführte Zeichnung verdeutlicht die Verbindung des Fußgestells, verstärkt durch Stangen aus Rundstahl zum Korpus.
Zeichnung: Simon Hölscher
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