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Schöner speisen

Innenausbau der Mitarbeiterkantine im Kulturzentrum Ludwigsburg
Schöner speisen

Das Ende der 60er-Jahre erbaute Kulturzentrum der Barockstadt Ludwigsburg erhielt im Rahmen umfangreicher Sanierungsmaßnahmen eine neue Kantine. Die Planer des Stuttgarter Büros Scope Architekten nutzten dabei den vorhandenen Bestand geschickt und haben ein frisches Ambiente für den Mittagstisch der städtischen Mitarbeiter geschaffen.

BM-Redakteur Heinz Fink

Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts gegründet, ist die unweit der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart gelegene Kreisstadt Ludwigsburg weithin bekannt durch ihr Residenzschloss und seine großzügige, barocke Gartenanlage. Die nach ihrem Gründer Herzog Eberhard Ludwig benannte, auf dem Reißbrett entstandene Stadt, gilt als ein Kleinod historischer Stadtplanung. Ganz in der Nähe des Marktplatzes gelegen, findet sich das Ende der 60er-Jahre erbaute Kulturzentrum (KUZ) Ludwigsburgs, das unter anderem die Stadtbibliothek, die Volkshochschule, einen Sitzungssaal und Büros des Gemeinderates sowie die städtische Kantine beherbergt. Nach einer grundlegenden Sanierung des Gebäudekomplexes zur Jahrtausendwende, gestaltete das Stuttgarter Architekturbüro Scope (siehe auch BM 6/14, S. 14 ff.) im vergangenen Jahr die Mitarbeiterkantine neu. Die Architekten bezogen dabei auch die beim Rückbau freigelegten Betondecken, Estrichböden und Installationen in ihr Gestaltungskonzept ein. Die Ausführung der Innenausbauarbeiten übernahm in großen Teilen die in Neckarsulm ansässige Bau- und Möbelschreinerei Ihle.

Beton, Farbe & Kastanienholz

Der gut 300 m² große, an drei Seiten zum Rathausplatz hin verglaste Kantinenraum wurde im Zuge der Sanierung komplett entkernt. Die Architekten beschlossen, die Rohdecke inklusive Installationen, Lüftungs- und Elektroleitungen, aber auch vorhandene Bohrungen und Zeichnungen, sichtbar zu lassen. Ebenso wurde der Estrichbelag, der nach Entfernung des alten Linoleumbodens zum Vorschein kam, geschliffen und ist jetzt sichtbar.

Die neuen, streng geometrisch gestalteten Einbauten zonieren den Kantinenraum und schaffen unterschiedliche Aufenthaltsbereiche. So laden lange, in Kastanie furnierte Tische zum gemeinsamen Essen ein, während an den Fenstern angeordnete Borde als Stehtische für den schnellen Snack zwischendurch dienen. Ein fast 8 m langer, bis knapp unter die Rohdecke reichender, mit anthrazitfarbigen Mosaikfliesen belegter Einbau trennt die Essensausgabe vom Kantinenraum und lädt in drei Kojen, dem sogenannten Sitzwaggon, ein zum privaten Zusammenkommen. Die Rückwände der Abteile zieren reduziert gestaltete Silhouetten markanter Ludwigsburger Gebäude. In den raumtrennenden Einbau ist auch die Kasse integriert. Unterschiedlich große, in der Höhe gestaffelte Deckensegel sorgen für eine Reduzierung der Nachhallzeiten und eine angenehme Raumakustik. Die vom Innenausbauer gefertigten Absorber aus 12 mm starken, mit farbigem Filz belegten Plattenmaterial (Fa. Echojazz) nehmen zusätzlich flächenbündig eingelassene Linienleuchten für eine akzentuierte Lichtgestaltung auf.

Komplexe Installationseinbindung

Die hinter dem raumtrennenden Waggoneinbau angeordneten, vom Fachplaner für Gastronomie und Großküchentechnik Klumpp aus Großbottwar geplanten, geradlinigen Einbauten der Thekenanlage ermöglichen eine rationelle Essensausgabe für die Kantine mit ihren fast 130 Plätzen. Ein gut 10 m langer, von der Schreinerei Ihle gefertigter Deckenkoffer aus schwarz durchgefärbtem MDF mit eingefrästen Lüftungsschlitzen nimmt die notwendige Haustechnik sowie die Beleuchtungselemente für die Theke auf. Die anschließenden Wandvertäfelungen sind ebenfalls in Kastanie furniert, wobei die unteren Schürzen wiederum in schwarzem MDF ausgeführt sind.

Eine in die Wandabwicklung integrierte Wasserstation bietet den Gästen an einem Zapfhahn die Möglichkeit, sich selbst mit Trinkwasser zu versorgen. Offene Regale daneben nehmen die notwendigen Gläser auf – in den Unterschränken findet sich hinter grifflosen Türen reichlich Stauraum. Daran anschließend führt ein doppelflügeliges Türelement in schwarzem MDF über einen Windfang, der auch als Nebeneingang und Fluchtweg dient, zum Cafébereich. Das wandbündig konstruierte Türelement mit Panikfunktion aus der Fertigung des Innenausbauers ist mit einer flächenbündig eingelassenen Turnhallengarnitur ausgestattet und verdeckt an Tectusbändern angeschlagen. Die feststehenden Blenden darüber sorgen über eingefräste Längsschlitze für die notwendige Ab- und Zuluft.

Gemütlicher Sitzbereich

Im Cafébereich bietet ein etwa 4,20 m langer, von bequemen Schalensesseln umstandener Tisch in Kastanienfurnier Platz für gut ein Dutzend Personen und schafft eine wohnliche Atmosphäre. Eine mit grauem Stoff gepolsterte Sitzbank entlang der gegenüberliegenden Wand, davor quadratische Caféhaustische und Schalensessel, bieten weitere Sitzmöglichkeiten.

Drei über die gesamte Rückwand dahinter reichende Fachböden sind, abgestützt durch Lederbänder, mittels vertikalen Aluminiumprofilen an der Wand befestigt. Die rechteckigen, schwarz beschichteten Alurohre dienen gleichzeitig zur vertikalen Kabelführung für die Pendelleuchten über den Tischen. Analog zur Wasserstation in der Katine, dient im Cafébereich ein raumteilendes Möbel als Station zur selbstständigen Entnahme von Kaffee und Getränken.

Ein raumhoher, etwa 50 cm tiefer Einbau am Stirnende des Cafébereiches aus schwarzem MDF und stoffbespannten Wandflächen dient als Trennung und Portal zum daran anschließenden WC-Bereich. Auf der mit hellgrauen Mosaikfliesen belegten Wand zu den Toiletten sind vom Innenausbauer aus dünnem, weißem Mineralwerkstoff (Staron) gefräste Piktogramme angebracht, die auf die jeweilige Nutzung hinweisen.


Objektbeteiligte

Bauherr

Stadt Ludwigsburg

71638 Ludwigsburg

www.ludwigsburg.de

Architekten

Scope Architekten GmbH

70174 Stuttgart

www.scopeoffice.de

Innenausbau

Schreinerei Ihle GmbH

74172 Neckarsulm

www.ihle-schreinerei.de

Fachplaner Gastronomie
und Großküchentechnik

Hartmut Klumpp GmbH

71723 Großbottwar

www.klumpp-gastroplanung.de

Großküchentechnik

HoGaKa Profi GmbH

89077 Ulm

www.hogakaprofi.de

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