Bärtschi Fenster AG: Auf Zukunft programmiert. Hohes „C“ im Doppeltakt - BM online
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Hohes „C“ im Doppeltakt

Bärtschi Fenster AG: Auf Zukunft programmiert
Hohes „C“ im Doppeltakt

Der Schritt in die automatisierte CNC-Holzfensterfertigung ist für mittlere Betriebsgrößen immer auch eine Frage des gewünschten Durchsatzes. Bei der Bärtschi Fenster AG war dies nicht anders. Ein leistungsstarkes CNC-Doppel sorgt dort nicht nur für höchste Flexibilität, sondern auch für die nötige Produktionspower.

Manfred Maier

Es riecht gut nach Föhre, rundum stapelweise Fensterrahmen, Kanteln und Profile: Hier geht was, die Auftragslage der Bärtschi Fenster AG scheint richtig gut. Geschäftsführer Stefan Bärtschi bestätigt: „Derzeit fahren wir zweischichtig.“ Und er fügt hinzu: „Wenn nur das Lieferkettenproblem nicht wäre.“

Das Produkt- und Leistungsspektrum des Familienbetriebs mit rund 40 Mitarbeitern in Heimberg, unweit des Thuner Sees, könnte vielseitiger kaum sein. Gleich ob Neu- und Altbau, größere Objekte oder Denkmalschutz: Bärtschi bedient alle Marktsegmente mit hochwertigen Holz- und Holzmetallfenstern, mit Schiebetüren und Haustüren. Holz-Alukonstruktionen stellen mit rund 65 Prozent Anteil den herausragenden Schwerpunkt. Der Schweizer Fensterbauer punktet mit konstruktiver Kompetenz, individuelle Problemlösungen stehen ganz im Vordergrund. Eine besondere Spezialität sind Hebeschiebetüren und Parallelschiebeelemente in allen Varianten, in immer größeren Formaten und mit schlankeren Rahmen bis hin zu Zargenverglasungen. Die eigene Montage sichert hohe Qualität am Bau.

Alles auf dem Prüfstand

Zuletzt hat das Unternehmen kräftig in CNC-Technologie investiert. Stefan Bärtschi erklärt den Handlungsbedarf: „Mit unserer unflexiblen und rüstintensiven Winkelanlage konnten wir die wachsende Produktvielfalt kaum noch bewältigen.“ Im Rahmen der grundsätzlichen Neuausrichtung wurde alles, von den Eckverbindungen bis hin zur Fertigungstechnologie, auf eine neue, zukunftsfähige Basis gestellt. Nach ausführlichem Anbietercheck konnte Homag mit ihrem CNC-Bearbeitungszentrum Centateq S-900 überzeugen. Es folgte eine intensive Planungs- und Entwicklungsphase. Neben den Beratern von Homag um den erfahrenen Fensterexperten Volker Schmieder, den Werkzeugprofis von Leitz waren die Softwarespezialisten von ProLogic an dem umfassenden Projekt maßgeblich beteiligt.

Leistungsstarkes CNC-Doppel

Das Ergebnis repräsentiert die hohe Kunst der C-Techniken. Die Centateq S-900 leistet bei Bärtschi die voll automatisierte Komplettbearbeitung von Rahmenteilen für Fenster und Türen, sozusagen im Doppeltakt: Die Maschine verfügt über zwei Bearbeitungstische, die unabhängig voneinander verfahren. Drei ebenfalls separat gesteuerte Bearbeitungsaggregate auf den beiden Portalseiten komplettieren das Konzept zu einem entscheidenden Vorteil: Zwei komplett unterschiedliche Rahmenteile können unabhängig voneinander gleichzeitig bearbeitet werden.

Der Manipulator bewegt und positioniert die Teile in alle Richtungen. Die ausgereifte Spann- und Greiftechnik ermöglicht das Bearbeiten auch sehr schmaler (ab 30 mm Rohteilbreite) und kurzer Teile ab 200 mm Brüstungsmaß im Automatikbetrieb. Für Werkstücklängen bis zu 6000 mm ist der Beschickungs- und Entnahmebereich auf zwei Etagen großzügig dimensioniert, sodass die Maschine bis zu mehreren Stunden völlig autonom arbeiten kann.

Auf alles vorbereitet

Die leistungsstarken, vektorgesteuerten Aggregate mit bis zu 18,5 kW werden aus umfangreichen Werkzeugmagazinen mit 120 Plätzen bedient, zeitsparende Vorwechsler und ausgefuchstes Profilsplitting inklusive.

Links vom Portal befindet sich ein Konsolentisch, auf dem sich Segmentbögen oder Türblätter wie auf einer Standard-CNC aufspannen und bearbeiten lassen. In Sachen Eckverbindung verfügt Bärtschi über volle Flexibilität: Für Fensterflügel ist standardmäßig die PlugTec-Verbindung mit angefrästen Rundzapfen von Leitz im Einsatz. Blendrahmen und Schrägfenster werden gedübelt, Segmentbögen mit Minizinken und Hebeschiebetüren mit der sehr stabilen Wellenverbindung von Leitz verbunden. Auf ein interessantes Detail legt Stefan Bärtschi besonderen Wert: „Die Beschläge an Flügel- und Blendrahmen werden automatisch positioniert und die Beschlagnuten präzise ein- und ausgesetzt.“

Abhängig vom Fensterformat und der eingesetzten Eckverbindung erreicht die Centateq unterschiedliche Leistungen. Stefan Bärtschi nennt einen Durchsatz von bis zu 30 Fenster pro Acht-Stundenschicht. Bei einfachen Eckverbindungen wie z. B. mit Dübeln lasse sich der Durchsatz weiter steigern.

Im Rahmen der Investitionsmaßnahmen stellte Bärtschi auch das Hobeln auf den Prüfstand. Mit dem Hobel- und Profilierautomat Mouldteq M-300 konnte Homag auch für diesen Arbeitsschritt punkten. Die Maschine verfügt über einen massiven Gusseisenständer und hat sechs Spindeln an Bord. Jede Werkzeugspindel wird von einem eigenen frequenzgesteuerten Motor angetrieben. Profilwechsel werden komfortabel und automatisch per Knopfdruck durchgeführt, lediglich die Werkzeuge müssen manuell gewechselt werden. Die Pro-Lock-Spindelklemmung sorgt dabei für schnelles Rüsten. Der kraftvolle Vorschub und die stufenlos wählbare Spindeldrehzahl lassen sich optimal aufeinander abstimmen. Ergebnis sind Topoberflächen. Die axiale und radiale Spindelverstellung erfolgt CNC-gesteuert automatisch. Ein besonderes Highlight ist die intuitive Maschinenbedienung durch Power-Touch-2 mit einem weiträumig schwenkbaren 21,5‘‘ Multitouch-Monitor im Breitbildformat. In nur wenigen Schritten kann der Bediener die Bearbeitungsprogramme abrufen. Stefan Bärtschi: „Jetzt haben wir die komplette spanabhebende Bearbeitung aus einer Hand.“ Ein Vorteil der besonders auch in puncto Steuerung und Bedienkomfort zum Tragen komme: „Die Bedienoberfläche der Power-Touch ist dieselbe wie an der CNC. Das vereinfacht natürlich das gesamte Handling“, ergänzt Stefan Bärtschi.

Regelrecht begeistert

Rund ein Jahr nach Inbetriebnahme zieht Stefan Bärtschi eine sehr positive Bilanz. Der nicht einfache Schritt in die CNC-Fertigungstechnologie habe sich mehr als gelohnt: „Die Centateq ist wirklich top! Das gilt sowohl für die hohe Bearbeitungsqualität, die extreme Flexibilität als auch für die Produktionsleistung.“ Er nennt weitere positive Effekte seiner Großinvestition in die Automatisierung: „Auf gleichen Ausstoß berechnet, konnten wir drei Fachkräfte anderweitig einsetzen. Und Stefan Bärtschi ist zuversichtlich: „Wenn die Auftragsbücher weiterhin gut gefüllt bleiben, können wir von einer überschaubaren Amortisationszeit ausgehen.“

Regelrecht begeistert ist Bärtschi vom hohen Automatisierungsgrad und der mannarmen Arbeitsweise: „Wenn ich mal samstags im Büro bin, lege ich einfach noch eine Charge auf und lasse die Anlage alleine laufen.“

Auf der realisierten Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit will sich der Fensterspezialist in Heimberg nicht ausruhen. Ganz nach dem Motto des in bestem Schwyzerdütsch formulierten Firmenslogans: „Mir si nie wäg vom Fänschter.“ Mit noch schlankeren Fenstersystemen bis hin zum automatisierten Denkmalfenster mit unterschiedlichsten Profilvarianten stehen die nächsten Projekte bereits im Visier.

www.bf-ag.ch

www.homag.com

www.leitz.org

www.prologic.eu


Der Autor

Dipl.-Ing. (FH) Manfred Maier war viele Jahre BM-Chefredakteur und arbeitet heute als freier Fachjournalist.

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