Schreinermeister Sebastian Kiesel entwickelte ein Vorschubstativ für die Zukunft

Mehr Spaß mit dem Joystick

Wohl jeder Schreiner hat sich schon mal über die umständliche Handhabung von Vorschubapparaten geärgert – verbeulte Hände inklusive. Schreinermeister Sebastian Kiesel macht damit endlich Schluss. Als Schüler an der Meisterschule Ebern entwickelte er eine patente Lösung für das Einstellen von Vorschubapparaten: Mit dem Joystick wird die Bedienung spielend einfach und sicher.

Praktiker kennen die Problematik: Zum Lösen und Feststellen der Klemmhebel am Vorschubstativ muss man um die halbe Maschine mitsamt der Tischverlängerung herum gehen. Das Verstellen über die Handräder erfordert, je nach Wartung des Stativs, meist erheblichen Kraftaufwand. Ist der Vorschubapparat ungenau eingerichtet, muss der Bediener erneut um die halbe Maschine gehen, um Höhe und/oder Ausladung nachzustellen. Und nicht zuletzt: Beim Lösen der Klemmhebel kann man sich leicht an den Händen verletzen.

Das alles kostet den Schreiner Zeit, Nerven und häufig auch Blessuren. Mehr noch: Den Betrieb kostet es Geld – wohlgemerkt bei jeder Einstellung des Vorschubapparates.
Für Sebastian Kiesel Grund genug, das Thema aufzugreifen: „Deshalb habe ich mir die Optimierung des Vorschubstativs zum Ziel gesetzt. Die Bedienung sollte von vorne möglich sein. Der Kraftaufwand und somit die Verletzungsgefahr beim Einstellen sollten so weit wie möglich minimiert werden.“
Dafür hat Kiesel zahlreiche neue konstruktive Verbesserungen realisiert:
  • Die vier wichtigsten Klemmhebel (Schwenken, Höhen- und Ausladeverstellung, Vorschub klemmen/lösen) wurden durch ein automatisches Spannsystem ersetzt.
  • Anstelle der beiden Handräder zum Einstellen der Vorschubhöhe und der Ausladung, übernehmen Motoren diese Aufgabe.
  • Der Clou: Die Steuerung erfolgt über einen Joystick, der direkt am Vorschubapparat montiert ist.
Im Detail beschreibt Kiesel seine Entwicklung so: Die Klemmung erfolgt über neuentwickelte Ringkolben – Hydraulikzylinder: Diese sind speziell an die Anforderungen angepasst und erzeugen eine Klemmkraft von über 2 Tonnen. Die Druckerzeugung erfolgt über einen Druckübersetzer. Dieser wandelt den Pneumatikdruck auf das 70-fache in Hydraulikdruck um.
Das Klemmen und Lösen ist über einen in den Joystick integrierten Taster realisiert. Die Getriebemotoren sind stufenlos geschwindigkeitsgeregelt – je weiter der Joystick aus der Mittelstellung bewegt wird, desto höher ist die Verfahrgeschwindigkeit. Zusätzlich wurde noch eine Sprachausgabe realisiert, die den Bediener auf Fehlbedienung und Störungen aufmerksam macht. Durch diese Änderungen ergeben sich große Vorteile in der Praxis:
  • Die Bedienung über den Joystick ist völlig unabhängig von der Physis des Bedieners.
  • Die Einstellung des Vorschubes erfolgt in jeder Richtung mit höchstmöglicher Geschwindigkeit und Präzision.
  • Durch die Steuerung per Joystick und die Ausgabe von Fehlermeldungen ist die Bedienung intuitiv und benötigt keine Anleitung.
Weitere Vorteile kommen hinzu: Der Vorschubapparat ist nun auch ab Losgröße 1 wirtschaftlich einsetzbar. Das komplette System oder auch nur einzelne Komponenten können an anderen Maschinen eingesetzt werden, z. B. bei der Klemmung am Fräsanschlag, bei der Frässpindelverstellung, Kreissägen-Aggregatverstellung, bei der Tischverstellung und Klemmung an Ständerbohrmaschinen etc.
Die Entwicklung (Schutzrechte beantragt) entstand als Semesterarbeit im Fach Vorrichtungsbau an der Meisterschule Ebern. Inzwischen ist sie auch preisgekrönt: Beim Technologiepreis 2009 der ProWood Stiftung erhielt Sebastian Kiesel auf der Ligna den ersten Preis in der Kategorie Fachschulen. ■
Kontakt:
Sebastian Kiesel
97490 Poppenhausen

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