Lochness 32: Pfiffiges Bohrsystem für Lochreihen, Auszüge und Möbelverbinder

Frässchablone vom Schreiner für Schreiner

Zwei Schreinermeister haben sich Gedanken gemacht, wie man Lochreihen mit einer Frässchablone händisch einfach, schnell und fehlerfrei herstellen kann. Sie entwickelten die Lochness32 für handelsübliche Oberfräsen zur Serienreife. Die Frässchblone hilft aber auch bei Bohrungen für Schubladenauszügen und Fräsungen für Korpusverbinder. BM-Redateur Marc Hildebrand

Loch eins, Loch zwei, Lochness: Josef Schafheitle und Tobias Lehmann, Schreinermeister aus Radolfzell und Königsfeld, sind mit den marktüblichen Frässchablonen für das händische Fertigen von Lochrleihen, nicht wirklich zufrieden. Ihr Urteil: Zu lange Rüstzeiten, zu viele Fehlerquellen und im Einsatz zu wenig variabel. Getreu dem Schreiner-Leitspruch „Was nicht passt, wird passend gemacht!“, entwickelten sie ihre eigene Bohrschablone im System 32.

Schon während der Testphase stieß diese auf positive Resonanz bei den Schreinerkollegen. Anregungen, das System für Schubladenauszüge und Korpusverbinder zu erweitern, spornten die beiden zusätzlich an, auch diese Option zu realisieren. Jetzt ist die Testphase abgeschlossen, die „lochness32“ patentiert und serienreif sowie für jedermann in verschiedenen Sets oder auch Einzelteilen erhältlich.

Die Frässchablone zum Herstellen einer Lochreihe verwenden

Das Frässchablonen Stet für Lochreihen umfasst eine 32er-Alu-Lochschiene in der Länge 1080 bzw. 2160 mm. Darüber hinaus beinhaltet es einen Schiebereiter aus stabiler Vollkernplatte mit Federzug-Rasterbolzen und einer Mittelbohrung. Außerdem sind hier zwei Anschlagbolzen aus Edelstahl mit einer Kernbohrung (5 mm) im Lieferumfang enthalten. Die Bohrvorrichtung arbeitet bei der Lochreihenfunktion in Verbindung mit handelsüblichen Oberfräsen. So werden die Bohrlöcher, mit einer gegenüber der Bohrmaschine weit höheren Drehzahl, auch in kunststoffbeschichteten Platten ausrissfrei gefräst.
Die Oberfräse kann entweder mittels 27mm-Kopierring in die Mittelbohrung des Reiters gesteckt oder mit einem extra erhältlichen Bolzen zentriert und fest mit dem Reiter verbunden werden, um zukünftig Rüstzeiten zu sparen.
Um nun eine 32er-Lochreihe in eine Schrankseite zu bohren, wird die Lochschiene bündig mit der Schrankseiten-Vorderkante positioniert. Da die Schiene 74 mm breit ist, weisen die zu bohrenden Löcher den genormten Abstand von 37 mm zur Vorderkante auf. So können z. B. auch Beschläge wie Grundplatten für Topfbänder angeschlagen werden.
In Längsrichtung legt man sie entweder unten seitenbündig an oder misst sie auf das gewünschte Maß ein. Bei mehreren gleichen Seiten, mit denselben Bohrbildern, empfiehlt es sich, mit einem Distanzholz zu arbeiten. Auf diese Weise können zusätzlich Messfehler vermieden werden. Am Werkstück fixiert wird sie mit herkömmlichen Schienenzwingen, die in Nuten an der Unterseite geschoben werden.
Im nächsten Schritt wird die gewünschte Länge der Lochreihe festgelegt. Dazu steckt man die Anschlagbolzen in die entsprechenden Löcher der Schiene. Um die Länge des Schiebereiters auszugleichen müssen, lediglich jeweils vier Löcher zur gewünschten Länge aufgerechnet werden. Nun kann schon gebohrt werden.
Der Schiebereiter wird auf die Führungsschiene der Frässchablone aufgesetzt und gegen einen der Anschlagbolzen geschoben. Der Bolzen des Reiters rastet in die Schiene ein. Nun steckt man, wenn sie nicht schon fest installiert ist, die bestückte Fräse in die Mittelbohrung des Reiters und stellt die Bohrtiefe ein. Durch Ziehen und wieder Einrasten des Federzuggriffs schiebt man den Aufsatz Loch um Loch weiter und fräst dabei. Sollte die Länge der Schiene nicht ausreichen, versetzt man sie einfach. Indem man einen Positionierbolzen im letzten Loch plaziert, ist das korrekte Maß schon vorgegeben. Es können aber auch zwei oder mehr Führungsschienen in der Länge zusammengesteckt werden. Um die zweite Lochreihe zu bohren, wird die Führungsschiene parallel verschoben oder hinten bündig angelegt und der Vorgang wiederholt. Während des Arbeitens sollte die Oberfräse mit einem Staubsauger abgesaugt werden.

Die Frässchablone zum Einbringen von Korpusverbindern verwenden

Ein zweites Set, die Frässchablone für Beschläge, ermöglicht es, alle nötigen Bohrungen für Möbelverbindungsbeschläge, wie z. B. Rafix-Verbinder durchzuführen. Es beinhaltet, neben dem zuvor erwähnten Positionierbolzen, einen Queranschlag mit Führungsleisten. Dieser wird auf eine kurze Aluschiene gesteckt, bei der eines der Rasterlöcher auf 27 mm Durchmesser vergrößert ist. Zudem wurde sie auf der Unterseite ausgefräst, um ausreichend Spanraum zu gewährleisten. Ein Paar Schienenverbinder ist auch im Vorteilspack enthalten.
Nachdem der Winkelanschlag auf die kurze Schiene gesteckt wurde, stellt man den Abstand für den gewählten Verbinder ein (meist halbe Plattenstärke auf markierten Mittelriss). Nachem der Anschlag im Winkel kontrolliert wurde, fixiert man ihn mit Inbusschrauben.
Damit die Löcher in Böden und Seiten später auch seitlich übereinstimmen, ergibt sich der äußere Abstand wieder durch das bündige Anlegen der Schiene an Vorder- bzw. Hinterkante. Befestigt wird die Schablone auch hier mit Schienenzwingen. Um einen besseren Halt zu gewährleisten oder die Lochreihe in diesem Arbeitsgang gleich mitzubohren, kann die lange Lochschiene mit Verbindungsstücken direkt an die Kurze angeschlossen werden.
Mit der Oberfräse, bestückt mit 27er-Kopierring und dem passenden Fräser für Gehäusebuchsen bzw. Bolzen, können nun handelsübliche Verbinder mithilfe der Frässchablone in die Schrankteile eingefräst werden.

Die Frässchablone zum Anschlagen von Auszügen

Mit den zwei vorher beschriebenen Sets der Frässchablone besitzt man schon die komplette Hardware für das Bohren der Euroschrauben-Löcher, um Auszüge anzuschlagen. Auch der Vorgang selbst läuft im Großen und Ganzen ähnlich ab, wie zuvor bei den Möbelverbindern beschrieben. Unterschiedlich ist nur, dass der Queranschlag auf die lange Aluschiene der Lochreihe geschoben wird. Den richtigen Abstand der Auszüge von der Vorderkante stellt man über den Positionierbolzen ein, der durch die Schienenbohrung in den Winkelanschlag gesteckt wird. Auf der Schrankseite reißt man nur die Unterkante der Auszüge an. Wieder wird mit dem Werkstattwinkel die Schablone kontrolliert, festgezogen und hier direkt am Riss fixiert. Jetzt kommen die Anschlagbolzen von dem Lochreihen-Set der Frässchablone nochmals zum Einsatz. Je nach Länge der Auszüge werden sie in die 32er-Schiene gesteckt. Mit dem Akkuschrauber kann nunmehr einfach durch die Kernbohrung gebohrt werden.
Das Lochreihenbohrset der Frässchablone erhält man ab rund 250 Euro netto bei Leschatech . Die Version mit langer Schiene kostet ca. 50 Euro Aufpreis. Auf der Internetseite der beiden Schreiner (www.lochness32.de) finden sich Preislisten samt Bestellmöglichkeit für die Frässchablone.