WorldSkills 2019 finden im russischen Kazan statt

Weltmeister: Der Traum lebt

Als Sieger im Bundesleistungswettbewerb haben Florian Meigel aus Bayern und Johannes Bänsch aus Sachsen schon viel erreicht. Die größte Prüfung aber steht ihnen noch bevor: Die Teilnahme an der Berufsweltmeisterschaft WorldSkills 2019.

Fridtjof Ludwig, TSD

Sowohl bei Michael Martin in Burgberg im Allgäu als auch 150 Kilometer weiter nördlich in Dinkelscherben bei Florian Langenmair herrschen beste Bedingungen. Professionelle Handmaschinen, erstklassiges Werkzeug, ausgesuchte Materialien und ein gut sortierter Arbeitsbereich bieten alle Voraussetzungen, damit Florian Meigel und Johannes Bänsch mit Hochdruck an ihrer besten Performance für die Berufsweltmeisterschaften feilen können.

Das Spezialtraining erstreckt sich über mehrere Monate und verlangt von den beiden jungen Gesellen höchste Konzentration. Mit viel Herzblut und großer Leidenschaft für den Beruf sowie mit dem Talent handwerkliche Ausnahmekönner ausgestattet, müssen sie zahlreiche komplexe Arbeitsschritte trainieren, die spezifischen Abläufe verinnerlichen sowie präziser und schneller werden, um sich für diese praktische wie mentale Prüfung zu wappnen.

WorldSkills 2019 im russischen Kazan

Auch wenn die deutschen Teilnehmer des Tischler- und Schreinerhandwerks während ihrer dreijährigen Ausbildung ein solides fachliches Fundament gelegt haben, finden viele der traditionellen handwerklichen Techniken, die bei den WorldSkills gefragt sind, im betrieblichen Alltag kaum noch Anwendung. In der Vorbereitung geht es damit vor allem darum, diese Fertigkeiten gesondert zu trainieren und zu vertiefen.

In anderen Ländern, in denen es das duale Ausbildungssystem nicht gibt, das viele der anspruchsvollen fachlichen Grundlagen garantiert, greifen die Nationalteams dagegen auf radikalere Strategien zurück. Dort werden die Teilnehmenden in staatlich geförderten „Kaderschmieden“ und parallel zur zentralisierten Ausbildung teils über Jahre vorbereitet.

„Rein aus Wettbewerbssicht ist diese Form der Vorbereitung sogar von Vorteil“, findet Bundestrainer Michael Martin. „Denn auf diese Weise können Prüfungsarbeiten aus vergangenen Wettbewerben schon früh trainiert und immer wieder neu gebaut werden“, und das bringe ein großes Plus an Routine mit sich. In Deutschland, wo die fachliche Qualifikation innerhalb der dreijährigen betrieblichen Ausbildung erfolgt, sowohl Teilnehmer als auch Bundestrainer voll berufstätig sind und die Kosten zu einem überwiegenden Teil von Verbänden und deren Partnern, also privatwirtschaftlich getragen werden, finden sich andere Wege, um dennoch im Spitzenfeld der internationalen Konkurrenz mitzumischen.

Ohne Engagement geht nichts

„Ohne die absolute Einsatzbereitschaft aller Beteiligten könnten wir das nötige Wettkampfniveau niemals erreichen, mit dem bei etwas Glück am Ende alles möglich ist“, bestätigt Bundestrainer Florian Langenmair. Gemeint ist das Engagement, das auf vielen Ebenen stattfindet: So verpassen die Bundestrainer mit ausgewiesenem Know-how und der richtigen Mischung aus Mentor und Lehrmeister den jungen Talenten den nötigen Feinschliff. Partner wie beispielsweise Festool und Kleiberit sorgen – zusätzlich zum Sponsoring – dafür, dass das Tischler-Schreiner-Nationalteam individuell betreut wird und auf Produkte zurückgreifen kann, die in geschulten Händen zum bestmöglichen Wettbewerbsergebnis beitragen. Und schließlich engagieren sich die Betriebe, in denen Florian Meigel und Johannes Bänsch ihre Ausbildung absolviert haben und jetzt als Gesellen angestellt sind. Daher werden nicht nur in den Trainingswochen in Burgberg und Dinkelscherben Sonderschichten geschoben. Auch in der Hundhammer Holzverarbeitungs-GmbH in Penzberg und bei Inuma in Leipzig arbeiten Florian und Johannes an der Fortsetzung ihres Traumstarts in die noch junge berufliche Karriere.

Doch wer sind die zwei jungen Schreinergesellen, die im August bei den WorldSkills in Kazan für das deutsche Tischler- und Schreinerhandwerk um die Medaillen kämpfen?

Deutscher Meister 2017: Florian Meigel

Was sofort auffällt – Florian Meigel (20) ist extrem sportlich, da verwundert es kaum, dass Berg- und Wintersport ebenso wie Fallschirmspringen zu seinen Hobbys zählen. Wenn er etwas macht, dann richtig. „Man muss auch mal über die Schmerzgrenzen hinausgehen können“, beschreibt er seine eigene Haltung. Dass er außerdem sehr ehrgeizig ist, überrascht wenig. Da reicht ein Blick auf seine zwar noch junge, aber durchaus beeindruckende Vita. 2017 hat er mit Bestnoten den Gesellenbrief erhalten. Noch im gleichen Jahr siegte er bei den Deutschen Meisterschaften im Tischler- und Schreinerhandwerk und gewann wenige Monate später mit einer eindrucksvollen wie perfekten Furnierarbeit den Sonderpreis „Oberfläche“ beim Bundesgestaltungswettbewerb „Die Gute Form 2018“.

Aktuell liegt sein Fokus natürlich auf den Weltmeisterschaften. Hier wird der Teamplayer, der vor allem das Miteinander im Betriebsalltag schätzt, in der Kategorie „Bauschreiner“ antreten und auf sich allein gestellt über
22 Stunden – verteilt auf vier Wettkampftage – eine aufwendige Massivholzarbeit mit zahlreichen komplexen Verbindungen fertigen. Und nach den Weltmeisterschaften, so sein Plan, soll es gleich zur Meisterschule gehen. Keine Frage, mit Florian Meigel hat das bayerische Schreinerhandwerk eine vielversprechende Persönlichkeit hinzugewonnen.

Deutscher Meister 2018: Johannes Bänsch

Groß war die Freude in Sachsen als Johannes Bänsch (20) im vergangenen November Deutscher Meister im Tischler- und Schreinerhandwerk wurde. Mit ihm, so schien es, jubelte eine ganze Region. Dabei hätte er selbst nicht erwartet, dass er sich gegen den traditionell starken Süden würde durchsetzen können. Doch sein Perfektionismus, der ihn bereits in der Ausbildung zu Bestleistungen motivierte, half ihm auch bei seinem ersten großen Berufswettbewerb.

Inzwischen hat er ein neues Projekt im Visier: Ende August will er sich in Kazan in der Kategorie „Möbelschreiner“ beweisen. Dafür opfert er gerade jede freie Minute und Leidenschaften wie Kickboxen oder die Gartenarbeit müssen erst einmal hintanstehen. Macht aber nichts! Denn auch die Vorbereitungen auf die WorldSkills kommen einem Ganzkörpertraining gleich. Dass der vielseitig talentierte Johannes Bänsch seine Karriere bereits über den internationalen Wettbewerb hinaus geplant hat, verwundert nicht. Erfreulich dabei ist vor allem, dass sein nächster Schritt die Meisterausbildung sein soll – noch ein Profi, der seine Zukunft im Tischler- und Schreinerhandwerk plant.

Kennenlernen können Ligna-Besucher die beiden sympathischen Schreinergesellen vom
27. bis 31. Mai am TSD-Messestand (Halle 12, Stand F06) in Hannover. Dort arbeiten die beiden an ihrer Topform und absolvieren einen simulierten Wettbewerbsdurchlauf.

Foto: Fridtjof Ludwig/TSD

Sponsoren

Rückendeckung von starken Partnern

Die Teilnahme an den WorldSkills sowie die komplette Vorbereitungsphase werden von Tischler Schreiner Deutschland organisiert. Hauptsponsor ist TSD-Zukunftspartner Kleiberit. Die exklusive Betreuung und Ausstattung mit Profi-Handmaschinen erfolgt durch den Wendlinger Elektrowerkzeughersteller Festool.

Auch BM als führendes Fachmagazin für Tischler, Schreiner und Fensterbauer unterstützt das deutsche Team als Sponsor und ist Medienpartner von Tischler Schreiner Deutschland bei der WorldSkills-Berichterstattung.

Weitere Sponsoren sind die Unternehmen Spax International Dictum, Christoph & Oschmann, Klöpferholz, Schorn & Groh, Reinhold Beck Maschinenbau sowie E.C.E.-Tischlerwerkzeuge.


Hintergrund WorldSkills

Wettkampf der Gewerke

„Skill“ (engl.) bedeutet Fähigkeit oder Geschick. Bei den WorldSkills messen sich die internationalen Nachwuchstalente verschiedener Gewerke aus Industrie und Handwerk. Neben Schreinern und Tischlern kämpfen zum Beispiel auch Maurer, Friseure und Mechatroniker um die Medaillen. Insgesamt treten mehr als 1000 Teilnehmer in etwa 50 Berufen an. Der Wettbewerb findet alle 24 Monate statt – dieses Jahr ist das russische Kazan Austragungsort.

Das Tischler-Schreiner-Nationalteam tritt in zwei Kategorien an: Möbel- und Bauschreiner. Dabei entscheidet das Ergebnis bei den Deutschen Meisterschaften des Tischler- und Schreinerhandwerks über die Qualifikation. Eine weitere Hürde ist das Höchstalter. Die Teilnehmenden dürfen im Jahr der WorldSkills nicht älter als 22 Jahre sein. Die deutschen Bau- und Möbelschreiner zählen seit Jahrzehnten zur Weltelite und haben bereits vier Bronze-, acht Silber- und fünf Goldmedaillen gewonnen.

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