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»Durch Kooperation entsteht echter Mehrwert im Projekt«

BM sprach mit Michael Fuchs und Anita Huber über das Projekt „BrauereiWirtschaft“ Ehingen-Berg
»Durch Kooperation entsteht echter Mehrwert im Projekt«

Das Interview ist der Anstoß für die zweiteilige Beitragsreihe „Raumakustik für das Handwerk“ (Teil 1 in dieser Ausgabe ab Seite 72). Dargestellt am Projekt der „BrauereiWirtschaft“ in Ehingen-Berg erörtern die beiden Geschäftsführer Michael Fuchs und Anita Huber die Herausforderungen sowie die Schritte der Umsetzung der raumakustischen Maßnahmen.

BM-REdakteur Heinz Fink

BM: Wir sprechen heute über das Projekt „BrauereiWirtschaft“ in Ehingen-Berg. Wie kommt die Zusammenarbeit Ihrer beiden Unternehmen bei diesem Projekt zustande?

Anita Huber: Inosyst betrachtet Projekte und Räume immer ganzheitlich. Uns ist es sehr wichtig, dass unsere Kunden mit dem Ergebnis unserer Leistung und somit mit der Gestaltung ihrer Räume zufrieden sind. Räume brauchen Atmosphäre. Diese hat viele Stellschrauben und die Raumakustik ist eine sehr wichtige. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, verstärken wir unser Projektteam mit Spezialisten aus den jeweiligen Fachgebieten. Im Falle der „BrauereiWirtschaft“ speziell durch die professionelle Unterstützung der Raumingenieure.

Michael Fuchs: Bereits beim Startgespräch wurde deutlich, dass der Betreiber mit der raumakustischen Qualität nicht zufrieden ist. In der Raumakustik gibt es selten ein „Pauschalrezept“. Es ist wichtig, dem Kunden zuzuhören und im Gespräch die Bedürfnisse zu erfragen. Bevor über eine Maßnahme diskutiert werden kann, sind die Anforderungen mit der gewünschten Raumnutzung abzustimmen.

BM: Wenn man die aktuellen Bilder sieht, scheint es sich um ein relativ neues Objekt zu handeln.

Anita Huber: Dieses Objekt wurde vor Kurzem umfangreich renoviert. Der Betreiber hatte bereits in einen hochwertigen Ausbau inkl. Möbel und Einrichtung investiert. Optisch ist der Raum gelungen und unserer Ansicht nach sogar ein „echter Hingucker“. Das raumakustische Defizit stellte man erst bei der Eröffnung bzw. im laufenden Betrieb fest.

Michael Fuchs: Bei einer geringen Belegung wirkt der Raum hallig, bei größeren Menschenansammlungen wird es richtig laut, vor allem bei Festen und Veranstaltungen. Raumakustisch ist das leider ein „echter Klassiker“, den man in vielen Restaurants und Gaststuben vorfindet.

BM: Welchen Einfluss hat eine verbesserungswürdige Raumakustik in der Gastronomie?

Michael Fuchs: Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich und hat teilweise ein gravierendes Ausmaß. Ohne raumakustische Maßnahmen entstehen mitunter hohe Pegel. Fachlich spricht man hier vom „Lombard-Effekt“. Ist eine Person einem großen Geräuschpegel ausgesetzt, in diesem Fall durch Gespräche der Personen im Raum, so erhöht er automatisch die Lautstärke seiner Sprache. Damit will er gewährleisten, dass er trotz einer lauten Umgebung von seinem Gegenüber verstanden wird. Dadurch wird jedoch der Geräuschpegel im Raum immer höher. Dies führt zu einer Kettenreaktion.

Anita Huber: Der Betreiber möchte vor allem, dass sich die Gäste wohlfühlen und die Gaststube zum Verweilen einlädt. Dies ist nicht nur für die Gäste relevant, sondern auch für die Mitarbeiter, welche sich viele Stunden im Raum aufhalten. Für sie ist dieser Raum ein Arbeitsplatz und dieser soll so ausgestattet sein, dass Stresspotenzial vermieden wird und sie gut gelaunt ihrer Arbeit nachgehen können. Das ist wichtig für jeden selbst, aber vor allem auch für das Miteinander zwischen Gast und Personal – auch das ist ein wesentlicher Bestandteil einer guten Atmosphäre.

BM: Welche Herausforderungen bringt der Raum mit sich?

Anita Huber: Eine Vielzahl. Der Raum hat eine lichte Höhe von fast 5 m. Da es sich im Kern um einen Altbau handelt, gleicht kein Maß dem anderen. In und an den Bauteilen sind unterschiedlichste Materialien verbaut. Die größte Herausforderung ist, dass das bestehende innenarchitektonische Konzept nicht maßgeblich verändert werden soll und es dadurch an freien Flächen für raumakustische Maßnahmen mangelt.

Michael Fuchs: Das ist eine wirklich spannende Aufgabe. Raumakustische Maßnahmen müssen somit zielführend und in diesem Falle besonders effizient umgesetzt werden. Aus raumakustischer Sicht ist es deshalb besonders wichtig, die Ist-Situation detailliert zu bewerten und mit dem „Soll“ entsprechend abzugleichen. Daraus lässt sich der Bedarf und vor allem die notwendige Qualität von geeigneten Maßnahmen im Vorfeld definieren.

BM: Eignen sich für dieses Projekt Akustikprodukte „von der Stange“?

Michael Fuchs: Am Markt werden viele Produkte, vor allem Schallabsorber, angeboten. Das Portfolio ist breit, ebenso deren Preis und Leistung. Bei der „BrauereiWirtschaft“ konnte von Beginn an davon ausgegangen werden, dass mit den Flächen sparsam umgegangen werden muss. Es gilt also, Produkte einzusetzen, welche hochwirksam sind – und das abgestimmt auf deren Position sowie Frequenzbereich.

Anita Huber: Gleiches gilt für Optik und Haptik. Das Gesamtbild soll erhalten und im Idealfall sogar noch unterstrichen werden. Farben, Oberflächen und Abmessungen müssen dem Raum entsprechen. Absorber „von der Stange“ werden diesem Raum sehr wahrscheinlich – zumindest im architektonischen Sinne – nicht gerecht.

BM: Die Umsetzung hört sich ganz nach einer individuellen Handwerkerleistung an.

Anita Huber: Zielführend ist hier eine individuelle Ausführung, z. B. durch einen guten Schreiner. Gerade Schreiner sind in der Lage, Maße und Oberflächen aufeinander abzustimmen, hochwertige Produkte zu fertigen und diese anschließend fachgerecht zu montieren.

Michael Fuchs: Die Anforderungen an den Aufbau und den Materialmix kommen von uns Planern. Alle Ingenieure unseres Teams sind selbst auch gelernte Schreiner. Somit sprechen wir die gleiche Sprache und bringen die nötige Motivation mit. Einer praxisgerechten Abstimmung steht dadurch nichts im Wege.

BM: Die Lösung ist also ein Mix aus planerischer wie auch handwerklicher Kompetenz?

Anita Huber: Genau. Unser Ziel ist es, effizient und wirtschaftlich eine funktionelle und designorientierte Lösung zu erzielen. Das braucht ganzheitliches Denken, Kreativität und Kompetenz. Dies gilt für die Planer wie auch für die Umsetzer.

Michael Fuchs: So sehen wir das auch. Die Erfahrung zeigt, dass sich eine Kooperation unter Fachleuten bewährt. Neben gelungenen und niveauvollen Projekten entsteht dadurch ein echter Mehrwert für den Nutzer und gleichzeitig auch ein kompetentes, zukunftsträchtiges Netzwerk für alle Projektbeteiligten.

Das Interview führte BM-Redakteur Heinz Fink.


Zu den Personen

Michael Fuchs, Dipl.-Ing. (FH), M.BP. ist Schreiner, Ingenieur und Bauphysiker. Der Geschäftsführer der Fuchs – Raumingenieure GmbH spezialisiert sich mit seinem Team auf bauphysikalische Herausforderungen im Bereich des Ausbaus sowie der Objekt- und Büroeinrichtung. Mit Schwerpunkt in der Bau- und Raumakustik schaffen sie behagliche Räume, coachen Nutzer und Planer und bieten Support für Hersteller bei der Nachweisführung sowie der Produktentwicklung.

Anita Huber ist Geschäftsführerin der Inosyst GmbH. Sie ist Spezialistin für Objekte in den Bereichen Hotel, Gastronomie, Office und Healthcare. Durch ihren ganzheitlichen Ansatz realisiert sie spannende Projekte, berät bei der Umsetzung und verleiht Räumen durch individuell ausgewählte Produkte die passende Atmosphäre.

Die Raumingenieure wie auch Inosyst haben ihren Sitz in Bayern. Beim Projekt „BrauereiWirtschaft“ in Ehingen-Berg kooperieren beide Unternehmen. Inosyst fungiert als ganzheitlicher Projektplaner, die Fuchs – Raumingenieure als Fachplaner für raumakustische Aufgabenstellungen.

www.raumingenieur.de

www.inosyst.de

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