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Gestaltungsgrundlagen Handwerk: Licht und Farbe

Grundsätze der Gestaltung, Teil 4
Gestaltungsgrundlagen Handwerk: Licht und Farbe

Licht und Farbe dringen über die Augen in unser Bewusstsein ein. Sie regen die Sinne an und beeinflussen die Stimmung, stärker und intensiver noch als es die Form in harmonischer Gliederung und Proportion vermochte.
 Licht
Licht
Vor allem das Licht hat einen großen Einfluss auf die Atmosphäre des Raumes. Wir sprechen vom kalten Licht und vom warmen Licht. Die allgemein mit Neonlampen in hoher Lux-Zahl hell ausgeleuchtete Kantine wirkt nüchtern, teils kalt und abweisend. Die durch Insel-beleuchtung erhellte Gaststätte oder der vielleicht mit flackerndem Kerzenlicht ausgeleuchtete Essplatz wirken dagegen warm, gemütlich, heimelig und laden zum Verweilen ein.
Ohne Licht keine Schatten und ohne Schatten kein körperliches Sehen. Das „Licht-Schattenprinzip“ spielt hier eine wesentliche Rolle und muss bei der Gestaltung gezielt eingesetzt werden.
Licht hat auch wichtige Funktionen zu erfüllen. Es muss der Sehaufgabe angepasst sein, die Sicherheit beim Greifen, Arbeiten und Gehen unterstützen.
Ohne Licht aber auch keine Farbe. Das Licht, besonders das künstliche, kann die Farben verfälschen, sie durch höheren Blauanteil frischer, klarer aber auch kälter oder durch einenintensiveren Rotanteil wärmer, sonniger oder brauner erscheinen lassen.
Jeder kann wohl nachempfinden, wenn er einmal einen düsteren, grauen Novembertag mit einem sonnigen, hellen Frühlingstag im Mai vergleicht, wie das Licht und ebenso auch die Farben auf die Psyche des Menschen wirken.
Farbe
Farbe
Farbe ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Jeder Gegenstand lebt von seiner Farbgestalt und wird durch seinen Farbenausdruck erst zu einem Begriff.
Farben in Ausmischung und Farbharmonie nahezu mathematisch exakt zu erfassen ist die eine Seite, ihre psychische Wirkung auf den Menschen zu ergründen und zu erklären, die andere Seite der Farbenlehren. Newton und Goethe stritten damals noch miteinander. Doch heute weiß man, dass jeder von seiner Betrachtungsweise aus Recht hatte.
Newton hat das Licht über ein Prisma in die Spektralfarben aufgefächert, in Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, (Indigo) Violett mit allen nur wahrnehmbaren Übergängen.
Er hat bewiesen, das die Farben Brechungen des Lichts und diese in Wellenlänge und Schwingungszahl zu messen und zu unterscheiden sind.
In der Tat haben Farbpigmente die Eigenschaft, gewisse Lichtstrahlen zu absorbieren und andere zu reflektieren. Nur die reflektierten Strahlen des Lichts können wir wahrnehmen. Werden alle Strahlen des Lichts absorbiert und nur die roten Strahlen reflektiert dann erscheint die Fläche rot. Bei weißen Flächen werden alle Strahlen des Spektrums reflektiert, bei schwarzen Flächen alle Strahlen absorbiert.
Goethe hat sich über vierzig Jahre seines Lebens immer mal wieder mit seiner Farbenlehre befasst. Sie hat einen starken psychischen Hintergrund und stellt die Farbe polarisierend vom Licht zum Dunkel ins Grau oder gar ins Schwarz. Er hatte nichts dagegen, wenn man Farbe zu fühlen wie warm und kalt, fröhlich und traurig oder gar zu schmecken glaubt. Leibnitz spricht von einer bewussten oder unbewussten Empfindung. Man kann also zwischen Empfindungen der Sinne und Empfindungen der Seele unterscheiden.
Eigentlich ist dies die gleiche Problematik wie bei der beschriebenen Harmonielehre, den Verhältnissen von Dimensionen bei Längen und Flächen. Die Bereiche zwischen Verstand und Gefühl sind auch hier bei der Farbe nicht klar zu trennen, die Empfindungen der Seele auch hier nicht klar zu definieren oder gar mathematisch zu beweisen.
Farbkreis – Farbmischung
Die Farbenlehre geht im allgemeinen von drei Grundfarben, den Primärfarben, aus. Es sind Gelb, Rot und Blau. Werden diese Primärfarben jeweils miteinander vermischt, entstehen aus der Mischung die Sekundärfarben, zum Beispiel aus Gelb mit Rot die Farbe Orange, aus Gelb und Blau entsteht Grün und aus Rot und Blau wird Violett. Aus der Dreiecksbeziehung der Primärfarben ergibt sich nun mit den Sekundär-farben eine Sechseckbeziehung Weitere Ausmischungen sind natürlich wieder mit den benachbarten Farben möglich, so dass sich der Kreis auf 12, 24 Farben usw. erweitern kann.
Die einzelnen Farben können aber auch mit Weiß aufgehellt und mit Schwarz abgedunkelt werden. Zum Beispiel ist Rosa ein mit Weiß aufgehelltes Rot, Braun ein mit Schwarz abgedunkeltes Orange oder Rot.
Bei der Farbmischung mit Licht unterscheidet man die subtraktive Farbmischung und die additive Farbmischung. Bei der subtraktiven Farbmischung wird das Licht durch Farben ersetzt. Beim Entzug des gesamten Lichtes entsteht Schwarz. Bei der additiven Farbmischung wird Licht durch die Farben aufgebaut, es entsteht in der Summe Weiß.
Trägt man aber die Primärfarben auf eine kreisrunde Scheibe in gleichen Sektoren auf und dreht diese, dann würden die Farben herausgehen und die Scheibe erscheint Grau.
Farbwirkung
Es ist schwierig die Wirkung der Farbe zu artikulieren. Wenngleich die Sensibilität, die Bereitschaft die Farbempfindung bewusst aufzunehmen bei jedem Menschen unterschiedlich ausgebildet ist, lässt sich jeder Farbe eine besondere Kraft, ein eigenständiger Charakter oder auch ein besonderer Symbolwert zuordnen:
Bei der Betrachtung der sechs Grundfarben können wir feststellen, dass es hier helle und dunkle Farben gibt. Der Reihenfolge nach wären dies von hell nach dunkel die Farben Gelb, Orange, Grün, Blau, Rot und Violett. Ein besonders ausgeprägter Hell-/Dunkelkontrast wäre bei den Farben Gelb zu Violett zu verzeichnen.
Es gibt kalte und warme Farben. Farben im Grün-Blaubereich gehören zu den kalten Farben, die im Rot-Orangebereich zu den warmen Farben.
Manche Farben sind nähernd, manche entfernend. Rot und Orange wirken zum Beispiel nähernd, Blau und Grün lassen den Gegenstand in die Ferne rücken. Dunkle Farben wie Schwarz und Dunkelblau lassen den Gegenstand schwerer erscheinen, helle Farben wie Weiß und helles Gelb wirken dagegen leichter auch vergrößernd.
Im Farbkreis angeordnet liegen sich verschiedene Farben gegenüber. Man nennt diese Komplementärfarben. Andere liegen im Farbkreis nebeneinander. Diese nennt man Simultanfarben.Mit Farbkontrasten lassen sich dynamische Gegensätze erzeugen.
Erfahre hier mehr über die einzelnen Wirkungen der Farben:

  • 1. Wahrnehmungskontrast, den Kontrast zwischen zwei bunten Farben wie Gelb und Blau oder einer nichtbunten und einer bunten Farbe wie Schwarz und Gelb.
  • 2. Kalt-/Warmkontrast, der Kontrast zwischen einer warmen und einer kalten Farbe wie Orange und Eisblau.
  • 3. Hell-/Dunkelkontrast, der Kontrast zwischen hellen Farben und dunklen Farben wie Weiß und Schwarz, Gelb und Violett.
  • 4. Komplementärkontrast, der Kontrast zweier sich im Farbkreis gegenüberliegender Farben wie Rot und Grün, Gelb und Violett, Blau und Orange.
  • 5. Simultankontrast, der Kontrast zweier benachbarter Farben im Farbkreis wie Gelb und Orange, Rot und Violett.
  • 6. Qualitätskontrast, intensive Farben gegen weniger intensive Farben wie Orange gegen Hellgrün.
  • 7. Quantitätskontrast, hier vergleicht man die Größenverhältnisse von Farbflächen miteinander.
Übertriebene Farbigkeit wirkt in der Gesamtheit Grau. Deshalb sind Farben schwerpunktmäßig einzusetzen, hier und da einzeln als spannungsreicher Kontrast. Jede Farbnuance hat ihre bestimmte Wirkung auf die Psyche des Menschen. Der richtige Anstrich verbessert die Raumatmosphäre und kann den Raumeindruck optisch vergrößern oder verkleinern. Bei dem Thema „Grundsätze für die Gestaltung von Innenräumen“ wird nochmals gezielt darauf eingegangen.

Unser Autor: Dipl.-Ing. Wolfgang Nutsch, ehemaliger Leiter der Fachschule für Holztechnik, Stuttgart, ist Verfasser zahlreicher Fachbücher

 

 


Weitere Grundsätze der Gestaltung:

Textil: Ein breites Angebot steht im Bereich der Textilien zur Verfügung, von Naturmaterialien wie Leinen, Baumwolle und Seide bis zu Geweben aus Kunstfasern oder Mischgeweben aus Kunstfasern mit Naturmaterialien. Alles in vielen verschiedenen Farben, Strukturen und Mustern. Aus dieser Vielfalt lässt sich stets das Passende für die Raumgestaltung heraussuchen. Aber nicht nur die Augen sind hier gefragt, sondern auch der Tastsinn. Lässt sich der Teppich auch barfuss begehen? Sind die Polster kuschelig weich und warm oder kratzig, kalt und hart?

Teil 5 der Gestaltungsgrundlagen im Handwerk: Textur. Von den verwendeten Materialien und Werkstoffen gehen ebenso wie vom Licht und der Farbe eine für die Sinne eigene Wirkung aus. Zum Beispiel verbindet man mit Metall Kühle und Nüchternheit, mit Holz Wärme und Lebendigkeit. Verantwortlich hierfür sind in der Regel die Textur, die Farbe und die Oberflächentemperatur des Materials.

 

 


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