Kleindrechselbank JWL-1221VS im exklusiven Maschinentest. Rundes Vergnügen - BM online
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Kleindrechselbank JWL-1221VS im exklusiven Maschinentest
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Kaum war eine der ersten JWL-1221VS aus Übersee im deutschen Hafen gelandet, hat BM-Autor Peter Winklhofer sie im Praxistest unter die Lupe genommen. Was kann die Jet-Kleindrechselbank und wie präzise lässt sich an ihr arbeiten?

I Seit Herbst 2013 ist die neue Kleindrechselbank JWL-1221VS von Jet auch auf dem deutschen Markt erhältlich. Es handelt sich um das Nachfolgemodell der JWL-1220VS. Gegenüber ihrem Vorgänger soll sie diverse Verbesserungen zu bieten haben. Um uns ein eigenes Bild von der neuen pfiffigen Maschine zu machen, haben wir sie mit als erstes Fachmagazin einem intensiven Praxistest unterzogen.

Getting started – was ist an Bord?
Gut gepolstert, in einem Karton, der auf eine Palette geschnallt ist, wird die Kleindrechselbank angeliefert. Beim Herausheben der Maschine fällt sofort das hohe Gewicht von 55 kg auf. Sie ist damit ganze 9 kg schwerer als ihre Vorgängerin und zählt so zu den schweren ihrer Klasse. In der Grundausstattung liegt eine mitlaufende Körnerspitze, ein Stirnmitnehmer mit Ausstoßbolzen und eine 75-mm-Aufspannscheibe bei. Ebenfalls am Start: Zwei Werkzeugablagen, die rechts und links stirnseitig am Maschinenständer montiert werden und zugleich als Tragegriff fungieren. Hier können Stirnmitnehmer, Ausstoßbolzen, Gabelschlüssel und Handauflagen aufbewahrt werden. Ein Gabelschlüssel und zwei Handauflagen (150 mm und 250 mm lang) ergänzen den Lieferumfang.
Erster Eindruck: Massiv und wertig
Sehr schwer und gut ausgesteift für die kleine Maschine zeigt sich der gusseiserne Maschinenständer und gewährleistet so sehr gute Voraussetzungen für einen ruhigen Lauf. Die runde Form des Maschinenbettes und die Neugestaltung der Anbauteile wie Spindelstock und Reitstock wirken sehr ansprechend und fallen dem Betrachter sofort angenehm ins Auge. Das Maschinenbett ist plan gefräst und bietet guten Halt für die Befestigung des Reitstockes und der Werkzeugauflage.
Drehzahlregelung und Riemenwechselsystem
Die Drehzahl kann auf zwei Arten verändert werden: elektronisch gesteuert und durch manuelles Umlegen eines Rippenriemens.
Die erste Variante befindet sich in Form eines kleinen Regelknopfes auf der rechten Maschinenseite. Diese Elektronikschalteinheit ist (zumindest für Rechtshänder) gut zu bedienen und ist beim Arbeiten nicht im Weg.
Der Regler ist nicht gerastet, was ein feinfühliges Einstellen der Drehzahl ermöglicht. Weiter fällt positiv auf, dass alle Teile wie Kabel oder Motor sicher unten im Maschinenbett verbaut und so gegen Beschädigungen gut geschützt sind. Sorgfalt ist allerdings beim Knopf des Reglers geboten. Er liegt ungeschützt und könnte durch Anstoßen beschädigt werden.
Für die „manuelle“ Verstellvariante stehen drei Riemenscheiben zur Verfügung, über die man zwischen unterschiedlichen Drehzahlbereichen wählen kann (60 bis 900, 110 bis 1800 und 220 bis 3600 min-1).
Durch diese Riemenscheiben kann das Drehmoment in jedem Drehzahlbereich hoch gehalten werden – besonders in den unteren Drehzahlen. Dies ist beim Drehen von großen Durchmessern, wie Schalen, von Vorteil. Der hohe Drehzahlbereich bietet wiederum beim Drehen von Spitzen, Schreibgeräten oder Kreiseln ausreichend Schnittgeschwindigkeit. Bei unseren Versuchen konnte die Maschine mühelos auch starken Materialabtrag wegstecken. So konnten wir feststellen, dass der Wechselstrommotor mit seinen 0,75 kW für eine Kleindrechselbank auch ausreichend Kraft mitbringt.
Das Umlegen des Riemens erfolgt mühelos durch ein neuartiges Riemen-Schnellwechsel-System: Per Spannhebel wird ein Rasterhebel entlastet und kann anschließend leicht aus der Verzahnung angehoben werden. Nun kann der Riemen leicht über die Riemenscheiben verschoben werden. Ist er in Position, spannt man den Riemen, indem man den Spannhebel nach unten drückt. Der Rasterhebel klinkt dann automatisch in den Zahnreihe ein und behält die Spannung bei.
Beim Arbeiten hat sich herausgestellt, dass die anfallenden Späne durch das Maschinenbett auf die Riemenscheibe fallen, was für den Verschleiß des Riemens, den ruhigen Lauf und die Durchzugsstärke nicht gerade förderlich ist. Gut wäre, man könnte den Bereich durch eine einfache Blende abschirmen.
Sanfter Anlauf, schonender Richtungswechsel
Lobenswert ist, dass die Maschine nach dem Einschalten langsam anläuft. Das schont Motor und Riemen. Beim Ausschalten stoppt sie ebenfalls sanft und ohne lange Nachlaufzeit. Durch einen Schalter kann die Drehrichtung auch bei laufender Maschine umgeschaltet werden. Auch hier bremst der Motor behutsam ab, wechselt die Drehrichtung und läuft wieder schonend in der anderen Richtung an – hilfreich beispielsweise zum Schleifen der fertigen Objekte.
„Leise-“ statt „Lautstärke“
Besonders angenehm fällt in jedem der Drehzahlbereiche die äußerst niedrige Geräuschentwicklung auf. Mit einer gemessenen Lautstärke von 38 bis 65 dB(A), je nach Drehzahl, liegt die Maschine im Leerlauf im Lautstärkebereich einer normalen „Unterhaltung“, welche ein angenehmes Arbeiten ohne Gehörschutz möglich macht. Hier ist zu bemerken, dass andere Drechselmaschinen gleicher Größe rund 5 bis 10 dB(A) lauter sind, was eine Verdoppelung der Lautstärke bedeutet. Steigt die Lautstärke um 3 dB(A) verdoppelt sich die Gefahr der Gehörschädigung.
Vernachlässigbare Toleranzen aus Fernost
Dass der Spindelstock mit Präzisionslagern ausgestattet ist, hat eine besondere Laufruhe der Spindelnase zur Folge.
Hinter dem Gewinde M33 am Spindelstock konnten wir kaum eine Toleranz (ca. 3–5 μm) ablesen.
Der Planlauf mit der Aufspannscheibe zeigt eine Messtoleranz von 1/100 mm. Stellt man die Spitze des Reitstockes dagegen, treffen sich die Nadeln exakt in horizontaler und vertikaler Richtung.
Da der Reitstock mit einem seitlichen Spiel von nur +-6/100 mm sehr präzise in den Bankbettwangen geführt wird, kann man die Spitzen kaum gegeneinander verschieben. Die Reitstockpinole läuft mit dem Trapezgewinde äußerst präzise, was sich beim Bohren positiv bemerkbar macht.
Auch wenn die Maschine in Fernost gebaut wird, wird hier die im Maschinenbau übliche Toleranz der H7-Passung (+-25 μm) nur zu einem kleinen Teil ausgeschöpft.
Spielfreie Indexierung
Im Spindelstock ist die Teilungsscheibe der 24-fach Indexteilung an die Riemenscheibe angebaut. Der Indexstift kann von der linken Seite eingeschraubt oder nur eingedrückt werden. Da der Stift konisch verläuft, fixiert er in den Teilungslöchern mit zunehmender Tiefe spielfrei. Im eingeschraubten Zustand verhindert die Steuerung das Anlaufen der Maschine. Die Spindel wird zum Wechseln der Anbauteile wie Aufspannscheibe oder Futter durch einen fest eingebauten, gefederten Stift von der Rückseite des Spindelstockes fixiert. Dieser hat allerdings bei unserer Maschine recht großes Spiel und wirkt unterdimensioniert. Die Spindelnase bietet hinter dem Gewinde einen glatten Bund. Hier greifen die Madenschrauben aber nur zur Hälfte, die bei der Aufspannscheibe ein unkontrolliertes Ablaufen verhindern sollen.
Welche Erweiterungsmöglichkeiten gibt es?
Ambitionierte Drechsler können sich freuen, denn oft stellt sich schnell die Frage nach Erweiterungsmöglichkeiten. Bei der JWL-1221VS ist es möglich, das Maschinenbett bei Bedarf zum Beispiel um weitere 560 mm zu verlängern und so das Arbeitsfeld wesentlich zu erweitern. Zudem bieten die Spindelnase mit Gewinde M 33 x 3,5 und die Reitstockpinole mit MK-2-Morsekegel offene Schnittstellen zum handelsüblichen Zubehör.
So hat man freie Entscheidungsmöglichkeit über die Auswahl der Lieferanten. Zur Auswahl stehen hier verschiedene Mitnehmerspitzen bzw. Bohrfutter für den Reitstock oder unterschiedliche Einschlagfutter, Planscheiben, Aufspannscheiben, aber auch Spannfutter für die Spindelnase. Praktisches Zubehör vom Hersteller wäre eine passende Drehlünette zum Stabilisieren dünner Teile.
Sehr nützlich wäre auch ein Einschlageisen in Form der mitlaufenden Körnerspitze, da diese mit einem Lager versehen ist und sich bei hartem Holz nicht zum Einschlagen eignet.
Fazit: Macht Lust auf mehr!
Alles in allem bietet Jet eine sehr gelungene und präzise laufende Maschine an, die unter Berücksichtigung von Preis und Leistung auf jeden Fall ihr Geld wert ist und nicht nur für den Hobbydrechsler ein sehr gutes Angebot darstellt. Zudem steht der Hersteller mit einer Garantiezeit von drei Jahren hinter seinem Produkt. Wer angefangen hat mit der Maschine zu arbeiten, hat schnell Lust auf mehr und ist von der Begeisterung am Drechseln schwer wieder abzubringen. Wer schon jetzt Blut geleckt hat, sollte sich die Fotostrecke zum Test nicht entgehen lassen – zu finden auf BM-online (Suchwort: JWL-1221VS) oder direkt per QR-Code im Auftaktbild. I

Jet-Kleindrechselbank JWL-121VS unter der Lupe

Fotostrecke zum Beitrag „Rundes Vergnügen“

Zahlreiche Details und Eindrücke beim Test der Jet-Kleindrechselbank JWL-1221VS hat Peter Winklhofer mit vielen interessanten Bildern und Beschreibungen ergänzt. Diese wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten. Viel Spaß beim Durchklicken. (mh)
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