Nachhaltiges Holz: Marktvorteile nur für zertifizierte Betriebe. Für schwarze Schafe wird’s jetzt enger - BM online

Nachhaltiges Holz: Marktvorteile nur für zertifizierte Betriebe

Für schwarze Schafe wird’s jetzt enger

In Ausschreibungen der öffentlichen Hand werden immer öfter zertifizierte Werkstoffe gefordert. Also einfach zum Holzhändler fahren und PEFC-Holz kaufen? So einfach ist es ganz und gar nicht: „Ein zertifiziertes Produkt kann niemals aus einem nicht zertifizierten Betrieb kommen“, erklärt Zertifizierungsexperte Bernd Bielen.

Autor: Lars Langhans

I An der Ausgangslage gibt es nichts mehr zu deuteln: Endverbraucher, Unternehmen und die öffentlichen Behörden wollen mehr und mehr Holz und Holzprodukte mit legaler und nachhaltiger Herkunft. Die Nachfrage nach zertifizierten Hölzern steigt und somit haben Betriebe eine weitaus bessere Chance, am Markt zu bestehen, die mit einem eigenen Zertifikat die nachhaltige Herkunft ihrer Produkte nachweisen können.

Eine Zertifizierung nach PEFC, FSC oder vergleichbaren Kriterien ist mittlerweile die Grundlage zur Teilnahme an den meisten öffentlichen Ausschreibungen. Dies verlangt die Holzbeschaffung des Bundes sowie die Beschaffungspraxis in mittlerweile zehn Bundesländern (darunter Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Schleswig-Holstein). Dirk Teegelbekkers, Geschäftsführer von PEFC Deutschland, dem deutschen Ableger der Wald- und Holzzertifizierungsorganisation mit der weltweit größten Verbreitung, erklärt: „Immer mehr Bundesbetriebe und Kommunen verlangen bei ihren Ausschreibungen die Beschaffung von Holz und Holzprodukten aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung. Um dies sicherzustellen, muss die Produktkette lückenlos sein, das heißt alle Glieder, die das Holz weiterverarbeiten, müssen über ein eigenes Zertifikat verfügen.“
Andernfalls ist die Kette vom Wald bis zum Endprodukt ganz offensichtlich durchbrochen und die Dokumentation nicht mehr glaubwürdig. Bernd Bielen, Zertifizierungsexperte der Beratungsfirma „Its Business Time“ aus Bad Zwischenahn und Gruppenmanager der Cert.Company, offizieller Partner zahlreicher Tischler-, Bau- und Dachdeckerinnungen sowie Kreishandwerkerschaften in Schleswig-Holstein und Brandenburg, bringt es als führender Anbieter von sogenannten PEFC- und FSC-Gruppenzertifizierungen für Handwerksbetriebe in Deutschland auf den Punkt: „Ein zertifiziertes Produkt kann niemals aus einem nicht zertifizierten Betrieb kommen!“.
Illegale Nutznießer haben schlechte Karten
In der Vergangenheit gingen viele Unternehmen entweder naiv oder kalkuliert taktisch vor: Sie wollten den Aufwand und die Kosten einer eigenen Zertifizierung sparen, aber dennoch von den Marktvorteilen des Zertifikats profitieren, indem sie lediglich zertifiziertes Holz benutzten. Gegen solche Praktiken haben sich kürzlich erstmals einige tatsächlich zertifizierte Handwerksbetriebe gerichtlich zur Wehr gesetzt. So wurde im Februar 2014 von einem von der Cert.Company betreuten Unternehmen eine einstweilige Verfügung gegen einen nicht zertifizierten Bieter vor dem Landgericht Hamburg erwirkt. Der Geschäftsführer Jandieter Kuck begründet dies so: „Unser Unternehmen möchte nicht länger hinnehmen, dass nicht zertifizierte Betriebe durch irreführende und falsche Angaben an Aufträge gelangen, die ihnen nicht zustehen.“ Das Verfahren befindet sich zurzeit vor dem Oberlandesgericht Hamburg.
Die Schuld liegt aber nicht nur bei den Unternehmen. Denn bislang kam ihnen die lasche Haltung der ausschreibenden Behörden sehr entgegen. Dies ärgert den Experten Bielen sehr: „Den Großteil der Beschaffer interessierte bis in die jüngste Vergangenheit die korrekte Umsetzung der rechtlichen Vorgaben und Vorschriften kaum.“ Doch zwischenzeitlich findet auch hier ein Umdenken statt.
Keine Zertifizierung – keine Werbung
„Ein nicht zertifizierter Wettbewerber darf zwar zertifizierte Ware einkaufen, verkaufen oder verbauen, er darf aber weder in seinen Erklärungen, Aussagen und Bestätigungen noch in seinen Liefer- bzw. Rechnungspapieren direkt oder indirekt eine bestimmte Aussage kommunizieren, die daraufhin deuten könnte, dass er zertifiziert ist. Macht er es dennoch, informieren wir ihn gezielt über sein Fehlverhalten.“ Das ist Bernd Bielen ein besonderes Anliegen.
Vor diesem Hintergrund rät er allen Tischlern und Schreinern, die eigene Außendarstellung zu überprüfen. So müssen sie das PEFC- und/oder FSC-Zeichen von ihren Webseiten entfernen oder auf dem Abdruck in Geschäftspapieren, Broschüren und Anzeigen verzichten, wenn sie kein eigenes Zertifikat mit eigener Prüfnummer besitzen.
Innungen setzen auf Gruppenzertifizierung
Umgekehrt sollten sich die Betriebe aufgerufen fühlen, über eine eigene betriebliche Zertifizierung nachzudenken. Denn der Aufwand der Zertifizierung sei vertretbar gegenüber den Vorteilen für das Geschäft und das eigene Marketing – abgesehen von dem beträchtlichen Imagegewinn durch den Vorweis eines gültigen Zertifikats. Dies kann Anke Maske, die Geschäftsführerin des Fachverbands Tischler Brandenburg sowie des Landesinnungsverbands des Dachhandwerks Brandenburg, bestätigen. Den Mitgliedsunternehmen beider Verbände bietet sie landesweit den Erwerb des Zertifikats durch die Gruppenzertifizierung an: „Das vorgelegte Konzept der Cert.Company hat uns überzeugt – sowohl ökologisch als ökonomisch.“
Auch das Ausland verlangt Zertifikate
Die Zertifizierung öffnet verschlossene Türen, denn neben den schon erwähnten Beschaffungsrichtlinien des Bundes, der Länder und der Kommunen verlangen auch die Richtlinien großer deutscher Unternehmen wie zum Beispiel die Deutsche Bahn oder die Deutsche Bank mittlerweile die belegbare Zertifizierung durch PEFC, FSC oder vergleichbare Institutionen. Auch an immer mehr Ausschreibungen im Ausland können sich Betriebe ohne gültiges Zertifikat nicht mehr beteiligen, dies gilt insbesondere bei Behörden und Unternehmen in den Niederlanden, in Großbritannien, Österreich, der Schweiz und den skandinavischen Ländern.
Die zertifizierten Betriebe wiederum können das eigene Zertifikat nicht nur für die Eigenwerbung nutzen, sondern kommen zusätzlich in den Genuss der Marketingaktivitäten der jeweiligen standardsetzenden Organisation. PEFC beispielsweise veröffentlicht „PEFC-Geschichten“ über Unternehmen und listet seine mit dem PEFC-Zertifikat ausgezeichneten Unternehmen in einer stark beworbenen Datenbank (pefc.de/einkaufsratgeber) auf, sodass Verbraucher und andere Unternehmen einen direkten und zentralen Zugriff auf die Kontaktdaten zertifizierter Unternehmen haben. FSC wiederum produziert z. B. Beilagen in Zeitschriften, an denen zertifizierte Betriebe mitwirken und sich auf diese Weise profilieren können.
Gruppenzertifizierung macht es einfach
Viele Bauschreiner, Möbeltischler und Ladenbauer haben sich in der Vergangenheit nicht zu einer Zertifizierung entschließen können, weil ihnen der Aufwand und die Kosten zu hoch waren. Ein Zertifikat, so die nicht ganz falsche gängige Meinung, sei etwas für größere Unternehmen. Die rechtlichen und wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen haben sich in den letzten Jahren aber so verändert, dass eine Nicht-Zertifizierung selbst für diese Betriebe zunehmend Wettbewerbsnachteile mit sich bringen. Ein Zertifikat wird auch für sie mehr und mehr zur ökonomischen Notwendigkeit – abgesehen von der ökologischen Verantwortung.
Das haben sowohl PEFC und FSC als auch Zertifizierungsunternehmen wie die Cert.Company erkannt und kommen kleinen und mittleren Unternehmen mit einem Angebot entgegen: der Gruppenzertifizierung. Dabei müssen die Betriebe kein eigenes System auf die Beine stellen und können dennoch ihre Sorgfaltspflicht problemlos erfüllen. Problemlos deshalb, weil der gesamte Zertifizierungsprozess in der Regel nicht länger als vier Wochen dauert, die Kosten niedrig gehalten werden und die Betriebe – trotz Zertifizierung – auch weiterhin nicht zertifiziertes Holz vermarkten dürfen, wenn sie von dessen nachhaltiger Herkunft überzeugt sind. I

Gruppenzertifizierung Welche Vorteile gibt es?
Handwerksbetriebe können mit dem Instrument der Gruppenzertifizierung Aufwand und Geld sparen. Mit der Gruppenzertifizierung können sie einwandfrei nachweisen, dass sie ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen sind und die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, ohne dabei ein
eigenes Managementsystem einführen zu müssen. Übrigens auch gleichzeitig in Bezug auf das Holzhandelssicherungsgesetz (HolzSiG), das für importiertes Holz zumindest einen Legalitätsnachweis einfordert.
Folgende Punkte kommen dem Teilnehmer einer Gruppenzertifizierung zugute:
  • Schneller Zugang zur Zertifizierung
  • Nutzung der Logos von PEFC, FSC oder anderer Organisationen
  • Reduzierte Kosten, minimaler Personal- und Zeitaufwand (oft nur vier Wochen)
  • Vereinfacht durch Verwendung standardisierter Dokumente und bewährter Methoden
  • Schulung und Beratung durch Gruppenleitung, erfahrene persönliche Ansprechpartner
  • Sicherheit bezüglich der Erfüllung der Zertifizierungsanforderungen
  • Bei der Cert.Company können 50 bis 75 % der Beratungskosten zurückerstattet werden. Das ist möglich, weil deren Berater beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gelistet sind.
Die Größe des Betriebes, der zur Mitgliedschaft an Gruppenzertifizierungen berechtigt, ist je nach Zertifizierungsorganisation unterschiedlich: Bei FSC Deutschland liegt die obere Grenze bei 15 Mitarbeitern oder drei Millionen Euro Jahresumsatz, bei PEFC darf ein Unternehmen bis zu 50 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von sieben Millionen Euro haben.

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