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Ich schaff das nicht …

Antreiber und Ursachen von Stress – Teil 2 der BM-Serie
Ich schaff das nicht …

Wer sind Sie, was stresst Sie, warum ist das so? Wenn man herausgefunden hat, welche persönlichen Überzeugungen einen antreiben, kann man dagegen ankämpfen. Eine Verhaltensänderung reduziert den Stress merklich.

Autor: Michael Rathgeb
Potenzielle Stresssituationen gibt es viele: Ein großer Berg an Arbeit. Konflikte. Der plötzliche Ausfall eines Mitarbeiters. Private Probleme. Diese Situationen beurteilen wir unterschiedlich. Ob daraus negativer, nonproduktiver Stress entsteht, hängt von meiner persönlichen Wahrnehmung ab: Wie schätze ich den Umfang eines Auftrages ein? Was denke ich nach einem Gespräch mit meinem Kunden? Wie bewerte ich die mir zur Verfügung stehenden Ressourcen (Zeit, Geld, Erfahrung, Unterstützung usw.)? Kann ich die Situation meistern?

Was uns antreibt
Unsere individuelle Einschätzung einer Situation ist geprägt von Erfahrungen und dem, was uns unser Umfeld in den ersten Lebensjahren vermittelt hat. Daraus entstehen unterschiedliche Überzeugungen und sogenannte Antreiber.
Das „Sei perfekt“-Denken macht vor allem Situationen, in denen wir Leistung erbringen müssen, zu Stresssituationen. Typische Gedankengänge:
  • Ich muss immer für meinen Betrieb da sein.
  • Ich muss immer alles richtig machen.
  • Es ist nicht akzeptabel, wenn ich eine Arbeit nicht schaffe.
Menschen mit der „Sei beliebt“-Haltung empfinden konflikthaltige, zwischenmenschliche Situationen als stressig. Ihre Einstellung:
  • Ich muss mit allen gut auskommen.
  • Ich will niemanden enttäuschen.
  • Es ist wichtig, dass mich alle mögen.
Im „Sei stark“-Denken hingegen werden Momente der eigenen Hilfsbedürftigkeit und Schwäche zu Stresssituationen. Sie argumentieren deshalb folgendermaßen:
  • Am liebsten mache ich alles selbst.
  • Ohne mich geht gar nichts.
  • Wenn ich mich auf andere verlasse, bin ich verlassen.
Unkontrollierbare und unsichere Situationen bedeuten Stress für „Sei vorsichtig“-Denker:
  • Ich muss alles unter Kontrolle haben.
  • Bei Entscheidungen muss ich mir zu 100 % sicher sein.
  • Ich denke ständig daran, was alles passieren könnte.
Das „Ich kann nicht“-Denken macht anstrengende und unangenehme Aufgaben sowie Situationen, in denen Frustration droht, zu Stresssituationen:
  • Ich stehe das nicht durch.
  • Ich halte den Druck nicht aus.
  • Ich werde versagen.
Diese Denkweisen und Antreiber führen dazu, dass wir verschiedene Situationen als schwierig einschätzen. Die Einschätzung prägt unser Verhalten und führt schließlich zu einer nonproduktiven Verarbeitung von Stress.
Wohin das führt
Wenn Sie meinen, dass Sie immer für Ihren Betrieb da sein müssen, wird es Ihnen sehr schwerfallen, Ihr Handy im Urlaub oder am Wochenende aus- und somit selbst einfach mal abzuschalten. Wollen Sie andere nicht enttäuschen, können Sie einem Kunden den selbst beim besten Willen nicht realisierbaren Wunschtermin einfach nicht abschlagen. Sie denken, dass Sie mit allen gut auskommen müssen – und vermeiden es daher, einen Mitarbeiter auf sein nicht akzeptables Verhalten anzusprechen. Prägt Sie das „Ich kann nicht“- Denken, haben Sie wahrscheinlich Probleme damit, Spitzen in der Auftragslage motiviert abzuarbeiten. Und wenn Sie glauben, dass es unter Ihren Mitarbeitern nur Deppen gibt, auf die kein Verlass ist, fällt Ihnen das Delegieren schwer und Ihre Führungsaufgaben kommen dadurch zu kurz.
Die hier geschilderten Situationen führen dazu, dass der negative oder nonproduktive Stresspegel steigt. Im schlimmsten Fall sind wir gefangen in einem Hamsterrad. Ein Teufelskreis, aus dem es scheinbar keinen Ausweg gibt. Man fühlt sich als Spielball der Umstände, der Kunden und Mitarbeiter oder der Auftragslage und sieht keine Möglichkeit, die Situation zu verändern.
Wie Sie Ihre Antreiber entmachten können
Um einen Antreiber zu entmachten, muss man ihn zunächst benennen. Machen Sie sich bewusst, was oder wer Sie da steuert. Woher kommt diese Einstellung? Ist sie gesund? Ist ein solcher Gedanke stimmig und hilfreich?
Ist es tatsächlich so, dass Sie immer und überall für Ihren Betrieb da sein müssen? Tag und Nacht erreichbar? Ständig abrufbereit? Viele realisieren erst während einer Krankheit oder bei Nichterreichbarkeit, dass der Betrieb auch ohne sie überlebt – mehr noch: sogar recht gut alleine läuft. Oder dass der Kunde, wenn man ihm einen Alternativtermin anbietet, nicht sauer reagiert, sondern ihre Ehrlichkeit schätzt und die Entscheidung respektiert. Und vielleicht ist auch Ihr Mitarbeiter dankbar über eine klare und ehrliche Rückmeldung auf seine Spuren, die er im Wohnzimmer des Kunden hinterlassen hat.
Nachdem Sie sich also Ihre Antreiber und deren negative Folgen bewusst gemacht haben, müssen Sie im zweiten Schritt wagen, Ihr Verhalten zu ändern. Sie werden merken: In den meisten Fällen geht es sehr wohl auch anders. Sie werden überrascht sein von der (positiven) Reaktion Ihrer Gesprächspartner. Und oft wird sich Ihr verändertes Denken und Handeln positiv auf den (negativen) Stresspegel auswirken.
Ich kann also lernen, Situationen, die mir viel Kraft, Zeit und emotionale Energie geraubt haben, anders zu bewältigen – bis ins hohe Alter. Das sollte ich mir (und meiner Familie) wert sein.

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