Arbeitsplatzgestaltung im eigenen Büro und für Kunden

PC-Arbeitsplatz: flexibel & mobil

PC-Arbeitsplätze werden von Schreinern gestaltet, aber auch selbst genutzt. Worauf es bei der Arbeitsplatzgestaltung und -ausstattung ankommt, ist für sie deshalb in doppelter Hinsicht wichtig.

Marian Behaneck

Wenn es um Effizienz und Produktivität geht, spielt die Ergonomie eines PC- oder CAD-Arbeitsplatzes mindestens eine genauso große Rolle, wie die Schnelligkeit des Rechners oder die intuitive Bedienung der Software. Doch häufig ist direkt nach dem Kauf von Rechner, Monitor, Drucker und Software der Etat ausgereizt. Statistiken zufolge werden deshalb selten mehr als 10 % der Hard- und Softwarekosten in die Arbeitsplatzgestaltung gesteckt. Dabei bestimmt sie ebenso darüber, wie komfortabel, konzentriert, produktiv und ermüdungsfrei man arbeiten kann. Auf welche Grundregeln bei der Gestaltung und Nutzung eines PC-Arbeitsplatzes sollte man achten und welche Richtlinien gibt es?

Arbeitsplatzergonomie wird vernachlässigt

Während Programme mindestens jährlich per Update verbessert und optimiert werden, die Hardware nach rund fünf Jahren ausgewechselt wird, bleibt das PC-Arbeitsumfeld meist viele Jahre unverändert im Gebrauch. Dabei hat diese „Hardware“ einen ebenso großen Einfluss darauf, wie lange man konzentriert und produktiv Pläne zeichnen, Möbel konstruieren und visualisieren oder Angebote erstellen kann. Ein ergonomischer PC-Arbeitsplatz steigert nicht nur die Arbeitseffizienz – er reduziert auch krankheitsbedingte Fehlzeiten. Lassen sich dadurch ein paar Fehltage pro Jahr vermeiden, amortisiert sich beispielsweise der gegenüber einem konventionellen Tisch um etwa 500 Euro höhere Anschaffungspreis für einen Steh-/Sitzarbeitsplatz schon im ersten Jahr. Dennoch wird das Thema PC-Arbeitsplatzgestaltung häufig vernachlässigt – auch von Holzverarbeitern. Dabei spielen ergonomische, sicherheitstechnische, arbeitsmedizinische und arbeitspsychologische Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätze für Schreiner und Tischler in doppelter Hinsicht eine Rolle: Zum einen beeinflusst ein gutes Umfeld auch ihre Arbeitsleistung, weil Möbel und Inneneinrichtungen heute praktisch nur noch am PC geplant werden. Zum anderen entwerfen, gestalten, fertigen und montieren gerade Schreiner und Tischler Büroarbeitsplätze.

Das Arbeitsumfeld

Fragt man Bildschirmarbeiter nach ihren Wünschen, stehen größere Arbeitsflächen, mehr Bewegungsfreiheit und Stauräume sowie bessere Lichtverhältnisse auf der Wunschliste ganz oben. Augen und Muskulatur werden bei PC-Anwendungen durch das stundenlange, konzentrierte Fixieren des Bildschirms, die starre Arbeitshaltung und immer gleiche Bewegungsmuster erheblich beansprucht. Gute Lichtverhältnisse stehen neben einem guten Monitor und einem ergonomischen Büromobiliar daher an erster Stelle. Eine ausreichende Beleuchtungsstärke, eine ausgeglichene Verteilung der Flächenhelligkeit und vor allem die Vermeidung von Lichtreflexen von Tages- und Kunstlicht auf der Bildschirmoberfläche lassen sich durch die Aufstellung der Bildschirme senkrecht zur Fensterfront, Verschattungseinrichtungen sowie der Verwendung dimmbarer Rasterdecken- und Arbeitsplatzleuchten erreichen.

Für Bildschirmarbeitsplätze wird eine horizontale Beleuchtungsstärke von mindestens 500 lx (Lux) für den Arbeitsbereich, bzw. 300 lx für das Arbeitsumfeld empfohlen. Entscheidend ist der Helligkeitskontrast: Empfehlungen für das Helligkeitsverhältnis von Flächen gehen von 3:1 bis 10:1 (Arbeitsbereich bzw. Umfeld). Auch die Geräuschkulisse entscheidet darüber, wie konzentriert man am PC arbeiten kann. Probleme durch laute PC-Lüfter oder surrende (Großformat-)Drucker lassen sich durch eine Abschirmung, respektive Aufstellung in separaten Räumen lösen. Letzteres schützt auch vor dem drucktechnisch bedingten Ozonausstoß von Laser- oder LED-Druckern.

Sonderfall CAD-Arbeitsplatz

CAD-Arbeitsplätze stellen besondere Anforderungen an die Einrichtung. So benötigen CAD-Anwender mit etwa 200 x 100 cm deutlich mehr Mindestarbeitsfläche, als von den Normen für PC-Arbeitsplätze gefordert (160 x 80 cm). Neben Tastatur und Maus müssen auf dieser Fläche manchmal auch spezielle 3D-Eingabegeräte oder ein Digitalisiertablett Platz finden, mit der die Software bedient oder Papiervorlagen digitalisiert werden. Darüber hinaus sollte man auch noch Pläne ausbreiten oder Ordner ablegen können. Mit einem einfachen Kunstgriff schafft man nicht nur Platz auf dem Arbeitstisch, sondern ermöglicht auch eine ergonomisch günstige, spontane Veränderung des Sehabstandes. Dazu muss der LCD-Monitor lediglich an einem flexiblen Dreh-/Schwenkarm befestigt werden, wofür es mittlerweile zahlreiche Lösungen gibt.

Da vor allem das Dauersitzen vor dem Bildschirm für über 30 % aller krankheitsbedingten Fehlzeiten verantwortlich ist, sollte man Alternativen schaffen. Beim Sitzen, insbesondere mit dem häufig zu beobachtenden Rundrücken, werden Wirbelsäule und Bandscheiben etwa doppelt so stark belastet wie beim aufrechten Stehen. Sinnvoll sind deshalb Arbeitsplätze, die ein physiologisch günstiges, wechselweise sitzendes und stehendes Arbeiten unterstützen. Herkömmliche Bürotische sind deshalb nur bedingt geeignet. Erfahrungen zeigen, dass ein Anheben der Tischhöhe von etwa 65 auf 120 cm im Arbeitsalltag umso eher unterbleibt, je größer der Umstellungsaufwand ist. Deshalb ist ein Elektromotorantrieb für eine komfortable, stufenlose Höheneinstellung sinnvoll.

Wichtig ist auch ein dreh- und höhenverstellbarer Bürodrehstuhl mit einer Rückenlehne, die ausreichende Unterstützung bietet. Am besten eignen sich Bürostühle mit Synchronverstellung, bei der sich die Sitzflächenneigung automatisch der Rückenlehnenneigung anpasst.

Ein guter Monitor ist der halbe Arbeitsplatz

Monitore spielen als wichtigste Mensch-/Maschine-Schnittstelle am PC-Arbeitsplatz eine besondere Rolle. Aufgrund des ebenen, scharfen, flimmer- und verzerrungsfreien Bildes sind großformatige LC-Displays ideal. Bildschirmdiagonalen zwischen 19 und 28″ (Zoll), das entspricht einer sichtbaren Diagonale von 48 bis 71 cm, sind auch für CAD-Anwendungen geeignet. Das erspart das zeitraubende Zoomen oder Verschieben des Zeichnungsausschnitts. Auch zwei nebeneinander gestellte Monitore, etwa für die Anzeige mehrerer Bauteilansichten in unterschiedlichen Dialogfenstern, sind manchmal sinnvoll. Entscheidend für die Qualität des LC-Displays ist die Bildauflösung. Sie liegt zwischen 1280 x 1024 (SXGA-), 1920 x 1200 px (Pixel) (WUXGA-Standard) und mehr. Mindestens ebenso wichtig ist die Displayhelligkeit, die in Candela pro Quadratzentimeter gemessen wird und um die 300 bis 500 cd/qm betragen sollte. Auch das Kontrastverhältnis hat Auswirkungen auf die Bildqualität, denn sie gibt an, wie hell der hellste Bildschirmpunkt gegenüber dem dunkelsten werden kann. Typische Werte liegen bei etwa 500:1 und höher. Ein großer horizontaler Betrachtungswinkel von etwa 170° vereinfacht die gemeinsame Besprechung am LCD-Monitor. Wichtig ist, dass sich die Bildschirmoberkante des Monitors in etwa in Augenhöhe der sitzenden oder stehenden Person befindet. Damit wird der Blickwechsel von der Vorlage oder der Tastatur auf den Monitor auf ein Minimum beschränkt und umgekehrt eine aufrechte Kopfhaltung unterstützt.

Flexibel mit mobiler Hardware

Da im Zusammenhang mit der digitalen Transformation auch das Mobile-Computing, d. h. der Einsatz mobiler Hardware, Software und Dienstleistungen eine immer größere Rolle spielt, müssen auch Smartphones, Tablets und Notebooks in den Büroarbeitsplatz eingebunden werden. Gerade letztere werden gerne wechselweise als mobiler oder stationärer Arbeitsplatz genutzt, häufig allerdings ohne Zusatzausstattung. Das führt zu einer ungesunden Zwangshaltung, weil Tastaturen und Displays zu klein und beim Notebook direkt miteinander verbunden sind. Dadurch lässt sich der Sehabstand und Sehwinkel nicht ideal einstellen. Laut Arbeitsstättenverordnung ist ein Laptop oder Notebook als Dauerarbeitsplatz ohne Zusatzausstattung unzulässig. Abhilfe schaffen eine vollwertige PC-Tastatur und ein großformatiger Monitor, die am besten über eine sogenannte Dockingstation extern angeschlossen werden. Hängen an ihr auch Drucker, Scanner und das Netzwerkkabel, muss man das Notebook oder Tablet nur noch andocken – und schon hat man einen vollwertigen Büroarbeitsplatz. Während eine Dockingstation zum jeweiligen Gerät passen muss, kann man alternativ auch eine externe Funktastatur und einen in der Neigung verstellbaren, universell einsetzbaren Halter verwenden, der das Notebook- oder Tablet-Display in die richtige Blickposition für den Anwender anhebt. Dann spart man sich einen externen Monitor. Allerdings sollte das Tablet-/Notebook-Display mind. 15″ groß sein.

Weil die Arbeitswelt immer mobiler wird, offerieren Büromöbelhersteller anstelle herkömmlicher Tisch-/Stuhl-/Schrankkombinationen zunehmend mobile Arbeitsplatzcontainer für abwechselnd mobil und stationär arbeitende Mitarbeiter, in die eine Dockingstation bereits integriert ist. Diese und weitere technische Entwicklungen und Trends (Sprachassistenten, Augmented Reality, künstliche Intelligenz, Internet der Dinge etc.) werden Büroarbeitsplätze weiter verändern und neue Lösungen hervorbringen.

Individuelle Lösungen haben Vorteile

Ebenso wichtig wie die Berücksichtigung von Richtlinien ist bei der Büroarbeitsplatzplanung auch das Zusammenspiel von stationärer und mobiler Hardware, des Mobiliars, der Beleuchtung, der Raumakustik und so weiter. Ergonomische, komfortable, sichere und gesunde Büroarbeitsplätze erhält man nur, wenn alle relevanten Faktoren berücksichtigt werden. Geht man als Gestalter von Büroarbeitsplätzen darüber hinaus auch auf individuelle Arbeitsweisen, Bedürfnisse und Vorlieben der Nutzer ein, schafft man ein Arbeitsumfeld, in dem man sich auch langfristig wohlfühlt. In dieser Hinsicht ist das kreative Holzhandwerk gegenüber industriellen Standardlösungen im Vorteil.


Die Maus ist das Werkzeug für Planer

Achtung – Mausefalle!

Mäuse werden gegenüber Tastaturen oder Monitoren häufig vernachlässigt. Neben der Ausstattung (drei Tasten mit Scrollrad), ist auch eine ergonomische Form wichtig. Besondere Bauformen, zum Beispiel „vertikale Mäuse“, verhindern das unnatürliche Verdrehen des Unterarms und können dem sogenannten RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury) vorbeugen. Das ist ein durch immer gleiche Bewegungen verursachtes, dem „Tennisarm“ ähnelndes Krankheitsbild mit Hand-, Arm-, Schulter- und Nackenbeschwerden. Eine Alternative sind auch Digitalisiertablets (Grafiktablets oder Digitizer), die aus einer Platte und einem kabellosen Stift oder einer Maus mit Fadenkreuzlupe bestehen. Für die 3D-Konstruktion sind spezielle 3D-Eingabegeräte, sogenannte 3D-Mäuse, erhältlich. Über eine Kugel oder Kappe, die sich in allen sechs Freiheitsgraden bewegen lässt, können damit 3D-Objekte auf dem Bildschirm intuitiv gedreht, gezoomt und bewegt werden. Untersuchungen zufolge lassen sich 3D-Objekte so rationeller konstruieren als mit der Maus.


Praxistipps für das Büro

Arbeitsplatzgestaltung

  • Ein motorisch verstellbarer Steh-/Sitzarbeitsplatz beugt einer einseitigen Arbeitshaltung und Rückenschmerzen vor.
  • Auf ausreichende Arbeits- und Ablageflächen, viel Bewegungsfreiheit und Stauräume achten.
  • Für optimale Lichtverhältnisse sorgen dimmbare Decken- und Arbeitplatzleuchten, wobei die Verschattungseinrichtung nicht vergessen werden darf.
  • Monitore möglichst in 90° zum Fenster aufstellen – das minimiert Helligkeitskontraste, respektive störende Reflexionen.
  • Ergonomisch geformte Mäuse oder andere Eingabegeräte (zum Beispiel 3D-Maus, Pen-Display) können dem RSI-Syndrom vorbeugen (siehe Infokasten S. 110 „Achtung Mausefalle“).
  • Mobile Hardware mithilfe von externen Tastaturen, Displayhaltern oder Dockingstationen etc. in den Büroarbeitsplatz einbinden.

Weitere Infos/Quellen Literatur und Richtlinien* Anbieter*

www.baua.de

Rubrik: Themen von A-Z, Büroarbeit

www.dguv.de

Suche: „Büroarbeitsplatz“

www.ergo-online.de

Arbeitsplatz-, Software-Ergonomie

www.leuwico.com

Rubrik „Ergonomie“

www.vbg.de/bueroarbeit

Praxishilfen, Planungshinweise

DGUV (Hrsg.): Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung, DGUV Information 215–410, Eigenverlag, Berlin 2019, Download:

https://publikationen.dguv.de/dguv/udt_dguv_main.aspx?FDOCUID=23472

DGUV (Hrsg.): Büroraumplanung. Hilfen für das systematische Planen und Gestalten von Büros, DGUV Information 215–441, Eigenverlag, Berlin 2016, Download:

https://publikationen.dguv.de/dguv/udt_dguv_main.aspx?FDOCUID=23325

Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), Abschnitt 6: Maßnahmen zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen, letzte Neufassung vom 12. August 2004, Download:

https://publikationen.dguv.de/dguv/udt_dguv_main.aspx?FDOCUID=23325

Eingabegeräte:

www.3dconnexion.de, www.cherry.de, www.fujistu.com, www.genius-europe.com, www.gtcocalcomp.de, www.hp.com, www.logitech.com, www.microsoft.com, www.wacom-europe.com, www.verticalmouse.de

Monitore:

www.acer.de, www.asus.de, www.ag-neovo.com, www.eizo.de, www.benq.de, www.dell.de, www.fujitsu.com, www.hp.com, www.lge.de, www.nec-displays.com, www.samsung.de, www.viewsonic.de

Ergonomie:

https://de.flexispot.com, www.easy-ergonomics.de, www.ergo2work.de, www.ergo-move.de, www.kensington.com, www.novus-more-space-system.com

* Auswahl, ohne Anspruch auf Vollständigkeit!


Auszug zur Büroraumplanung der DGUV zum Download

Klick aufs Bild: Leitfäden zur Bildschirm- und Büroarbeitsplatz- oder Büroraumgestaltung zur Hilfe bei der Planung als PDF anschauen und herunterladen.


Der Autor

Dipl.-Ing. Marian Behaneck ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Software, Hardware und IT im Baubereich.

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