Werkstattbesuch beim Tabakpfeifenbauer

Handschmeichler

Bulldog, Snail und Blow Fish – das sind nicht etwa Wesen aus Brehms Tierleben, sondern die Modellnamen edler Tabakpfeifen aus Bruyere, Erdbeerbaum oder Mooreiche aus der Werkstatt des Schreinermeisters Reiner Thilo Bindschädel aus dem badischen Kraichtal.

BM-Redakteur Heinz Fink

Dutzende schlanker Feilen in unzähligen Formen liegen sauber aufgereiht in Griffweite in der Banklade – flache, runde, spitze, nadelförmige. Ein zielstrebiger Griff. Ein prüfender Blick auf die Hiebzahl. Passt! Schon arbeitet sich die Zahnung des Werkzeuges mit einem gleichmäßigen Geräusch ins Material, schafft sich Stoß um Stoß an die exakt aufgezeichnete Kontur heran. Mit flinker Hand wird das Werkstück gedreht, wieder gegen die weich gepolsterte, in die Hinterzange der Hobelbank eingespannte Auflage gedrückt und das Werkzeug nochmals gewechselt um auch die engeren Bereiche ausarbeiten zu können. Die Selbstverständlichkeit der Handgriffe zeugt von einer jahrelangen Routine – und einer großen Leidenschaft. Denn der 58-jährige Schreinermeister Reiner Thilo Bindschädel aus dem badischen Kraichtal fertigt seit fast
20 Jahren exklusive Tabakpfeifen im High-End-Bereich, sogenannte Freehands, aus edlen Hölzern.

Frühe Holzleidenschaft

Inspiriert durch seinen Vater, einen Schneidermeister, der selbst gerne mit Holz gearbeitet hat, kam Reiner Thilo Bindschädel schon als Bub in Kontakt mit dem Werkstoff Holz. Sein beruflicher Werdegang führte ihn nach der Schule jedoch erst mal zum Metall. In einem großen Betrieb erlernte er den Beruf des Metalldrehers, wurde aber nie richtig „warm“ mit dem kühlen Werkstoff. Als sich die Möglichkeit bot, im selben Betrieb in die Modellschreinerei zu wechseln, in der überwiegend Gießereimodelle hergestellt wurden, ergriff er die Chance „seinem“ Werkstoff ein Stück näherzukommen. Wirklich nah kam er ihm während seiner anschließenden Lehrzeit in einer Bau- und Möbelschreinerei. Nach einigen Gesellenjahren hängte er noch die Meisterprüfung dran und arbeitet heute als Werkstattleiter in einer staatlichen Einrichtung.

Vom Schreinern zum Tabakpfeifenbau

Im sprichtwörtlichen Sinn „auf die Pfeife“ kam Reiner Thilo Bindschädel eher durch Zufall, als ihm seine Frau Ende der 80er-Jahre, nicht ohne Hintersinn, eine Pfeife und Tabak schenkte, in der Hoffnung, ihn so vom Zigarettenrauchen abzubringen. Nach ersten Startschwierigkeiten gelang mithilfe eines Pfeiferauchenden Freundes die „Umschulung“ und ein neuer Pfeifenraucher war geboren. Was liegt da näher als, dass sich der Schreinermeister auch mal an einer eigenen Pfeife versucht?

Doch war es in den 90er-Jahren gar nicht so einfach, an das für den Bau nötigte Bruyere-Holz, den Kunststoff für die Mundstücke und die notwendigen Spezialwerkzeuge zu kommen und so ruhte das Projekt erst mal wieder. Erst der Kontakt zu einem örtlichen Tabakfachhändler brachte den Stein wieder ins Rollen. Für diesen überarbeitete und reparierte Reiner Thilo Bindschädel kundeneigene Pfeifen und lernte so viel über die Technik und die Funktionsweise von Pfeifen – sozusagen seine dritte Lehrzeit! Den Durchbruch aber brachte der Kontakt zu einem großen, deutschen Pfeifen-Importeur, der seit 2004 den Exklusivvertrieb seiner edlen Pfeifen für Deutschland, Österreich und die Schweiz innehat.

Edle Rohmaterialien

Heute bezieht Reiner Thilo Bindschädel sein Bruyère, das Wurzelholz der Baumheide (Erika), von einem Holzhändler aus Ligurien, der ihm die gewünschten Größen und Qualitäten liefert. Die als Cross-Grain- oder Plateau-Blöcke zugeschnittenen Rohlinge lagern jedoch vor der Verarbeitung noch mal gut eineinhalb Jahre in seiner Werkstatt. Die Mundstücke seiner Pfeifen werden ausschließlich aus Ebonit gefertigt, einem besonders harten Gummi, der sich gut bearbeiten lässt.

Sind die Flächen der zuvor auf der Bandsäge zugeschnittenen Rohlinge sauber parallel und die Kanten im Winkel geschliffenen, wird die Form der Pfeife sowie die Achsen für die Bohrung der Rauchkammer und des Rauchkanals aufgezeichnet und anschließend auf der Säulenbohrmaschine exakt gebohrt. Nachdem Kopf und Holm der Pfeife an der Schleifmaschine grob ausgearbeitet wurden, wird das Mundstück auf den Holm angepasst. Die Feinbearbeitung der Form erfolgt mithilfe verschiedener Raspeln und Feilen, dannach wird das Holz in zunehmend feineren Stufen bis zur Körnung 400 geschliffen – je nach Modell wird die Oberfläche zur Strukturierung auch sandgestrahlt. Dem Beizen und Ölen folgt nach einer ausreichenden Trockenzeit das stufenweise Polieren auf Hochglanz unter Einsatz verschiedener Polierpasten auf der Schwabbelscheibe.

Von Kraichtal in die Welt

Neben dem für Pfeifen gängigen Bruyère, verarbeitet Reiner Thilo Bindschädel auch das Holz des Erdbeerbaumes (Arbutus) und das der Mooreiche. Für die Verzierungen am Holm kommen auch mal Buchsbaum, Masserbirke, Horn oder Mammutelfenbein zum Einsatz. Wohl 1000 Pfeifen haben in den vergangenen beiden Jahrzehnten die Werkstatt von Reiner Thilo Bindschädel verlassen – einige davon auch in Richtung Russland, China, die USA und zuletzt nach Neuseeland.

www.reiner-thilo-pfeifen.de

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