Werkstattbesuch bei der Schreinerei Stephan Ganz

Ganz schön warm

Stephan Ganz macht keine halben Sachen. Nach seiner Ausbildung stürzt er sich in die Selbstständigkeit – aber nicht kopflos. Zehn Jahre später steht er stolz in seiner eigenen Werkstatt, lobt sein junges Team und präsentiert einen modernen Maschinenpark mit einer sehr modernen Heizanlage von Endress.

BM-Redakteurin Natalie Ruppricht

Aufhänger dieser Reportage ist ein vermeintlich langweiliges Randthema, ein notwendiges Übel im Schreinerhandwerk. Es geht darum, wie Stephan Ganz im Winter seine Werkstatt warm macht. Doch beim Besuch in Rimpar bei Würzburg zeigt sich mal wieder, dass Schreiner die tollsten Menschen überhaupt sind und der junge Betriebsinhaber selbst ganz viel Wärme ausstrahlt. Er brennt für das, was er tut und hat mit seinen 29 Jahren schon einiges erreicht.

Früh übt sich …

Als Kind besucht Stephan eine Montessori-Schule. Philosophie: Stärken stärken, Schwächen abschwächen. „Meine Lehrer haben früh erkannt, dass ich der geborene Handwerker bin und mich entsprechend gefördert“, erzählt der Schreiner. Mit neun Jahren wünscht er sich eine Oberfräse zu Weihnachten, später genießt er „eine sehr gute Ausbildung in einem High-End-Betrieb“. Schon währenddessen realisiert er viele kleine und größere Projekte für Freunde und Familie. „Mir hat immer die gesamte Umsetzung Spaß gemacht, von der Planung über die Materialbestellung bis hin zur Montage. Ich wollte den ganzen Prozess begleiten, nicht nur produzieren.“

Also macht sich Stephan am 1. Juli 2009, direkt nach seiner Lehre, mit einem Montagebetrieb selbstständig. Er wohnt bei den Eltern, die ihm viele Freiräume lassen. Einmal lackiert er in der Garage 30 Zimmertüren und stellt sie zum Trocknen im Wohnzimmer auf. In den ersten Jahren arbeitet er als Subler in verschiedenen Betrieben oder montiert Küchen und Möbel. Oft kann er seine Visitenkarte überreichen und sich so nach und nach einen eigenen Kundenstamm aufbauen. Weil Ganz’ Vater Diakon ist, hat der Name im Ort einen guten Ruf. Stephan hat fünf Geschwister, deren Unterstützung er sehr schätzt. Sein Glaube gibt ihm Vertrauen und Gelassenheit.

Der Schritt ins produzierende Gewerbe

Am 1. Mai 2015 bezieht er eine angemietete Halle in Kürnach, kauft Maschinen, stellt Eugen Schweigert, Meister und Techniker, ein und meldet eine Schreinerei an. Später kommen drei Auszubildende hinzu, die heute im zweiten und dritten Lehrjahr sind. Ganz ist stolz auf sein junges Team, der älteste ist gerade 35 Jahre: „Jeder hat seine Stärken. Wir lernen viel voneinander.“ Seine Firma sieht er im hochwertigen Innenausbau: „Die Qualität muss perfekt sein.“ Er hat fast ausschließlich Privatkunden. Arbeitet mit Massivholz und Plattenwerkstoffen. Kauft wenig zu. Die Zahlungsmoral ist gut: „Einmal habe ich die Baustelle um 12 Uhr verlassen, um 15 Uhr war das Geld auf dem Konto.“ Und die Auftragsbücher sind voll: sechs Monate Vorlauf.

Wenn Werkstatt-Träume Wirklichkeit werden

2011 kauft Stephan ein Grundstück. Am liebsten würde er sofort bauen, doch sein Steuerberater rät ab. „Wahrscheinlich hätte ich mich total übernommen“, lacht Ganz. „Ich war ein sehr ungeduldiger Mensch, musste erst lernen, zu warten.“ Als es dann im Januar 2018 endlich losgeht – Bauträger ist das belgische Unternehmen Ligna Systems –, packt das ganze Team mit an: Vorarbeiten für die Bodenplatte, Fenster und Tore, Absaugrohre und Zwischenwände. „Es ist cool zu sehen, was wir gemeinsam geschafft haben“, findet der junge Chef. Er lebt jetzt seinen ganzen Perfektionismus aus: Ein Gefälle unter den Autostellplätzen sorgt dafür, dass Tauwasser im Winter kontrolliert abläuft und keine Möbel gefährdet. Im Boden liegen Leerrohre, sodass man alle Maschinen von unten anschließen kann. „Ich finde unseren Ständerbau wunderschön, Kabelkanäle hingegen sehr hässlich“, erklärt Stephan. Zudem sind die Anschlusswege für Druckluft, Strom und Netzwerk so deutlich kürzer. Dank einer KNX-Steuerung kann er übers Handy von überall Türen und Tore öffnen, die Gegensprechanlage bedienen, den Kompressor an- und ausschalten, die Raumtemperatur steuern und bald auch sehen, wer kommt und geht.

Der Maschinenpark ist auf Massivholz und Plattenwerkstoffe ausgelegt: Plattenaufteilsäge und Kantenanleimer von Homag, Formatkreissäge und Dickenhobel von Format4, Abrichte von Bäuerle. Die Vakuumpresse von Barth wird zum Beschichten und Furnieren genutzt, Kanten schleift Holzkraft, Flächen eine kompakte Breitband von Sandingmaster. Daneben gibt es einen Schleiftisch von Nestro, drei Felder-Hubtische und im Lackierraum eine Unterflurabsaugung von Schuko.

Alles in den Ofen – mit gutem Gewissen

Auch das Entsorgungs- und Heizkonzept ist durchdacht. Herzstück ist eine Holzfeuerungsanlage von Endress, die Unterschubfeuerung USF-S mit 100 kW. „Mir war vor allem wichtig, dass wir sämtliche Holzabfälle verbrennen dürfen.“ Dank des Feinfilters, den Endress mit dem Institut für Luft- und Kältetechnik (ILK) Dresden entwickelt hat, ist das kein Problem. Für die Brennstoffklassen 4 bis 7 ermöglicht er einen einstelligen Feinstaub-Grenzwert, während nach Bundes-Immissionsschutzverordnung seit 2015 noch 20 mg/m³ erlaubt sind. Dennoch knirscht Stephan zunächst mit den Zähnen: „Da steht ein Kleinwagen, mit dem man kein Geld verdient.“ Umso überraschter ist er, als er den Kübel das erste Mal leert: „Ich dachte, da kann nichts drin sein.“ Doch der Behälter ist voll bis oben hin. „Das ginge ohne Filter alles in die Atmosphäre?“, fragt er ungläubig. Nun hat er wenigstens ein gutes Gefühl.

Insgesamt ist er vom Preis positiv überrascht: rund 63 000 Euro für Heizkessel, Fördertechnik und Filter, weitere 7000 für Installationen und Pufferspeicher. Geschäftsführer Klaus Endress gibt zu: „Wir wollten Stephan Ganz unbedingt als Kunden haben. Er war uns von Anfang an sympathisch und seine wunderschöne Werkstatt liegt nicht weit von unserem Firmenstandort.“ Auch Stephan lobt die gute, unkomplizierte Geschäftsbeziehung.

Platten- und Holzreste, Türblätter, Parkett und sogar Außenholz wandern also allesamt in den Hacker, der direkt neben der Plattensäge steht. Eine Reinluftabsaugung von Schuko saugt sowohl den Hacker als auch sämtliche Maschinen ab. Staub und Späne verarbeitet die nachgelagerte Presse zu Briketts, die von einer Schnecke ins Spänesilo und bedarfsgerecht in den Ofen befördert werden. Dort läuft die Verbrennung vollautomatisch ab. In der Brennkammer herrschen etwa 850 °C. Dieses Höllenfeuer, wie Ganz es nennt, erhitzt einen Pufferspeicher mit 3500 l. Das warme Wasser speist die Heizkörper an der Werkstattdecke und wird später auch in Stephans Wohnung genutzt, die bald auf zweiter Ebene entsteht.

Industriestandards fürs Handwerk

Klaus Endress hebt auch die Heizkreisregelung seiner Anlagen hervor, also das Zusammenspiel von Kesselleistung und Verbrauchern: Steigt die Nachfrage, etwa weil jemand die Heizung hochdreht oder viel warmes Wasser verbraucht, fährt der Kessel die Verbrennung automatisch hoch. Sinkt die Nachfrage, sinkt auch die Leistung wieder. „Installateure lieben das“, sagt Endress, „weil wir ihnen viel Verantwortung abnehmen. Sie liefern zwar die nötigen Pumpen und Leitungen, aber gesteuert wird in unserem Schaltschrank.“

Auch auf die Qualität seiner Produkte ist der Anlagenbauer stolz. So sind beispielsweise die Rauchzug- und Verbrennungsluftventilatoren frequenzgesteuert und verfügen über einen 400-V-Anschluss. „Ein Industriestandard.“ Die zweiseitig belüftete Unterschubbrennkammer sorgt für eine effiziente, saubere Verbrennung. Sie ist mit einer automatischen Wärmetauschreinigung und Ascheaustragung ausgestattet – für einen hohen Kesselwirkungsgrad und geringe Reinigungsintervalle. Material sparendes Anheizen ermöglicht die Zündautomatik. Die Lebenserwartung von Kessel und Filter beträgt mindestens 20 Jahre, unter anderem dank der 10 mm starken Kesselwand sowie Roststäben aus hochtemperaturbeständigem Edelstahlguss mit 27 % Chromanteil. „Natürlich muss man zwischendurch Verschleißteile wie etwa die Filterschläuche tauschen“, winkt Endress ab.

Gibt es auch etwas Negatives zu sagen? Ganz überlegt. „Mir war nicht bewusst, dass der Installationsaufwand so groß ist. Mein Elektriker war fast eine Woche beschäftigt.“ Aber: „Anschlusspläne für Wasser und Strom sind top. Sowohl Elektriker als auch Heizungsbauer haben das erste Mal eine so große Anlage installiert – und es hat alles prima geklappt.“

Zukunftsmusik

Stephan Ganz hat noch viel vor. Nach der Gesellenprüfung im Sommer wird er Clemens und Jannis übernehmen. Er selbst hat sich für den Ausbilderschein angemeldet. Auch die übrigen Teile der Meisterprüfung will er unbedingt nachholen – bisher war leider nie Zeit dafür. In der Werkstatt arbeitet sein Team derzeit am Innenausbau, der sehr hochwertig geplant ist. „Wie soll ich meinen Kunden Qualität vermitteln und verkaufen, wenn ich sie hier nicht vorlebe?“

Auf der zweiten Ebene, die einen Teil der Werkstatt überdeckt, wird das neue Zuhause für Stephan, seine Lebensgefährtin und deren Tochter entstehen. Außerdem ist ein Anbau mit Ausstellung geplant. „Bisher greife ich in Sachen Türen und Parkett auf Vorlieferanten zurück und setze auf zufriedene Kunden, die potenzielle Neukunden immer wieder gerne zu sich einladen.“

Alles in allem ist der junge Betriebsinhaber äußerst zufrieden: „Ich bin sehr ehrlich und kritisch mit mir, finde fast immer etwas, das man verbessern könnte. Aber hier ist tatsächlich alle so, wie ich es mir vorgestellt habe – oder sogar noch besser.“

www.schreinerei-stephanganz.de

www.endress-feuerungen.de


BM-Redakteurin Natalie Ruppricht
Foto: Marco Leibetseder, www.editorial247.com

Meine Meinung

Ein authentischer Macher

Manchmal kommt alles zusammen: Fleiß, Glück, Talent. Ein starker Wille. Stephan Ganz ist noch dazu äußerst sympathisch. Mit seinem Hochhubwagen – welcher Schreiner hat keinen? – fährt er mich durch seine Werkstatt, damit ich schöne Bilder machen kann. Schwärmt von der Ordnung im Schaltschrank und lacht über seine Detailverliebtheit. Er hat eindeutig Spaß an seinem Job, arbeitet sieben Tage die Woche, schraubt nebenher an Autos und Motorrädern, hat scheinbar sogar noch Zeit für Familie und Freunde. Man könnte ihn beneiden. Oder ihm das, was er erreicht hat, einfach gönnen. Denn es wirkt ehrlich und stimmig. Viel Erfolg weiterhin!

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