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Tischlern am Öresund

Tischler-Azubi sammelt Erfahrungen in Dänemark
Tischlern am Öresund

Die dänische Hauptstadt Kopenhagen gehört zu einem der europäischen Zentren für gutes Design und zukunftsorientiertes Handwerk. Davon konnte sich ein junger Tischler-Azubi während seines Auslandspraktikums überzeugen. Das EU-Förderprogramm Erasmus+ machte es möglich.

Michael Schlenke

Nicht viele Auszubildende nehmen die Möglichkeit wahr, im Rahmen eines Auslandsaufenthalts ihre beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen zu erweitern. Der 23-jährige Hannes Schlenke ergriff die Chance, die sich ihm bot und verbrachte knapp zwei Monate seiner Ausbildungszeit in einer Tischlerei in Kopenhagen. Im dritten Lehrjahr und damit zeitlich genau passend, um sich die letzten Inspirationen für Entwurf und Bau seines Gesellenstücks zu holen, startete Schlenke sein Praktikum in einem Betrieb, der sich auf den hochwertigen Innenausbau spezialisiert hat. Möglich gemacht hat ihm das sein Ausbildungsbetrieb More Interior im nordrhein-westfälischen Grevenbroich. Vorausgegangen war eine Reise nach Kopenhagen und der Austausch mit einem dänischen Architekten, der den Kontakt zur Tischlerei „Vermland“ herstellte. Azubi Schlenke und Unternehmensinhaber Anton Bak wurden sich schnell einig. Es gab genug spannende Aufträge und Projekte und einen Praktikanten aus Deutschland hatte das junge Start-up-Unternehmen vorher noch nie gehabt. „Es war ein Riesenglück“, sagt Schlenke über seine Zeit in Dänemark. „Der Beruf des Möbeltischlers ist voll im Trend und es ist enorm schwierig, einen der begehrten Ausbildungsplätze zu ergattern.“

Internationales Team – deutsche Maschinen

Gelandet ist Schlenke in einem Betrieb, der eigene Entwürfe umsetzt und sich auf die Kompletteinrichtung von Restaurants spezialisiert hat. „Ich konnte mich von Anfang an voll einbringen“, sagt Schlenke über seinen Start. „Das Team, bestehend aus einem Mitarbeiterstamm aus Dänemark, Norwegen und Nigeria hat mich sofort und völlig unkompliziert aufgenommen.“ Sprachliche Hürden gab es kaum, man einigte sich auf Englisch und die Verständigung klappte gut. So war der Einstieg auch gar nicht so schwer. Erleichternd kam hinzu, dass der Großteil des Maschinenparks deutscher Herkunft war. Das sorgte für heimische Gefühle und die Bedienung der bekannten Maschinen vermittelte Sicherheit und Vertrauen.

Praktikum fördert Kreativität

Besonders beeindruckend für den 23-jährigen Auszubildenden war das soziale Miteinander, sowohl im Unternehmen wie auch im täglichen Leben. Beim gemeinsamen Mittagessen – vom Betrieb bezahlt – wurden aktuelle Fragen und Projekte besprochen, sowie der tägliche Arbeitsablauf geplant. Besonders gefragt waren ein hohes Maß an Eigenständigkeit und Flexibilität. „In den acht Wochen habe ich viel über mich selbst gelernt und mir ist klar geworden, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe.“ Das bestätigt auch Unternehmensinhaber Bak: „Hannes hat sehr schnell selbstständig gearbeitet und gezeigt, dass er über ein hohes Maß an Kreativität verfügt“. Bak weiter: „Wenn er mag, kann er nach Abschluss seiner Ausbildungszeit gern wieder zu uns kommen. Die Tür steht immer offen für ihn.“

Stipendium hilft Kosten sparen

Auszubildende können bis zu einem Viertel ihrer Ausbildungszeit im Ausland verbringen, das sieht das europäische Förderprogramm Erasmus+ vor (siehe Kasten). Rebecca Hof von der Handwerkskammer Düsseldorf sieht mit Freude, dass die Mobilitätsquote der Auszubildenden zunimmt. „Mittlerweile nehmen rund sieben Prozent der Azubis Fördergelder aus dem Programm in Anspruch. „Ohne finanzielle Unterstützung hätte ich den Aufenthalt in Kopenhagen nicht bezahlen können“, bestätigt Hannes Schlenke. Schließlich gehört Skandinavien zu den Regionen mit den höchsten Lebenshaltungskosten. Sein deutscher Ausbildungsbetrieb hat ihn während des Praktikums durch Weiterzahlung der Ausbildungsvergütung ebenfalls unterstützt. Zusammen mit dem Stipendium Erasmus+, das Kosten für die Reise und die Lebenshaltung übernimmt, kann man gut über die Runden kommen.

Vom Azubi zum Tischlergesellen

Aus dem Azubi Hannes Schlenke ist mittlerweile ein frischgebackener Tischlergeselle geworden. Trotz Corona-Krise und dem damit verbundenen wochenlangen Ausfall des Berufsschulunterrichts hat er zusammen mit
22 anderen Gesellinnen und Gesellen seine Abschlussprüfung bei der Tischlerinnung im Rhein-Kreis Neuss erfolgreich abgeschlossen. Sein Gesellenstück war stark inspiriert von seinem Aufenthalt in der dänischen Designmetropole Kopenhagen: „Ich wollte eine Flurgarderobe bauen, die sich durch die Kombination von nachhaltigen Materialien, einer klaren Gestaltung sowie einem hohen Nutzwert auszeichnet“, beschreibt Schlenke das Konzept seines Gesellenstücks aus massiver Esche und mit Fenix beschichteten Füllungen. Als besondere Herausforderung entschied er sich für den Einbau eines wartungsfreien Gehrungsbands, das keine Einbaufehler verzeiht. „Auf Griffe aus Metall habe ich bewusst verzichtet. Mir war es wichtig, das massive Holz mit seiner natürlichen Oberfläche hervorzuheben.“ Damit liegt er sicher voll im Trend der dänischen Tradition des Tischlerhandwerks.


Zusatz-Info

Lernen im Ausland mit Erasmus+

Auszubildende können bis zu einem Viertel der regulären Ausbildungszeit im Ausland verbringen. Das ist im Rahmen des EU-Förderprogramms Erasmus+ möglich. Die Maximaldauer kann im Block oder in einzelnen Abschnitten genutzt werden. „Ein Auslandsaufenthalt ist grundsätzlich in jedem Land der Welt möglich, auch Österreich und die Schweiz kommen als deutschsprachiges Ausland infrage“, erklärt Rebecca Hof, Mobilitätsberaterin bei der Handwerkskammer in Düsseldorf. Ein Auslandsaufenthalt ist ein Ausbildungsabschnitt an einem anderen Lernort. Zuschüsse gibt es für Fahrt- und Aufenthaltskosten, Organisation und Sprachausbildung. Die Fördergelder werden zu Beginn des Projekts gezahlt. Während des Auslandsaufenthalts ist der Ausbildungsbetrieb dazu verpflichtet, die Ausbildungsvergütung weiterzuzahlen. Das europäische Förderprogramm Erasmus+ fördert Auslandsaufenthalte von Auszubildenden im Europäischen Wirtschaftsraum, alle anderen Länder werden über das Förderprogramm „Ausbildung Weltweit“ abgedeckt. Der Auslandsaufenthalt muss zwischen dem Betrieb und dem Auszubildenden schriftlich vereinbart werden und der zuständigen Kammer angezeigt werden. Es wird eine Zusatzvereinbarung zum Ausbildungsvertrag geschlossen. Empfehlenswert ist darüber hinaus, einen Vertrag mit dem aufnehmenden Unternehmen abzuschließen, um etwaige Unklarheiten zu vermeiden. Musterverträge stellen die Mobilitätsberater zur Verfügung. Auszubildende müssen sich von der Berufsschule freistellen lassen. Im Ausland müssen sie keine vergleichbare Berufsschule besuchen, aber die Auszubildenden sind dazu verpflichtet, den versäumten Lernstoff selbstständig nachzuarbeiten. Während des Auslandsaufenthaltes müssen Auszubildende das Berichtsheft weiterführen, da der Auslandsaufenthalt Teil der Ausbildung ist.

„Viele Unternehmen nutzen das Förderprogramm auch als Belohnung für gute Mitarbeiter oder um ihre Attraktivität auf dem Ausbildungsmarkt zu steigern“, so Mobiltätsberaterin Hof.

www.erasmusplus.de

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