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»Holzart und -qualität ist ein elementares Thema«

BM im Interview mit Heinz Willi Wittmann über die BPH-Holzfenster-Fachberatung
»Holzart und -qualität ist ein elementares Thema«

Bereits in der frühen Planungsphase ist es wichtig, Architekten und Bauherren intensiv zu beraten, wenn es um den Einbau von Holz- oder Holz-Alu-Fenstern geht. Dafür hat der Bundesverband ProHolzfenster e.V. (BPH) vor gut drei Jahren die neutrale und zum Teil kostenlose Holzfenster-Fachberatung ins Leben gerufen, die unter anderem von Heinz Willi Wittmann betreut wird. BM wollte wissen, welche Themen besonders beratungsintensiv sind.

BM-Redakteur Stefan Kirchner

BM: Was beinhaltet die BPH-Holzfenster-Fachberatung alles?

Wittmann: Die BPH-Holzfenster-Fachberatung verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Objektspezifisch differenziert wird die topografische Lage des Objekts, Höhe über NN, die Nordorientierung, der konstruktive Holzschutz, die Fenster – Einbauposition in der Wand und die Nutzung definiert und diese Einflussfaktoren bewertet. Aufgrund dieser Faktoren wird die für dieses Objekt, für diese Einflussfaktoren, geeignete Holzart und die Holzqualität definiert. Eine entsprechende Empfehlung bezüglich der Oberflächenbeschichtung, deckend oder lasierend, hell oder dunkel, ist wichtiger Bestandteil der jeweiligen Ausführungsempfehlung. Bezüglich der Fensterkonstruktion wird eine, diesen Belastungsfaktoren entsprechende Konstruktionsvariante, gemäß den BPH-Qualitätsstandards (QS) vorgegeben. Diese Definition berücksichtigt alle konstruktiven Details wie Dichtungsebenen, Kopplungen, Verglasungen, protektiver Wetterschutz durch Aluprofile sowie die Sicherstellung eines nutzerunabhängigen Mindestluftwechsels, gemäß DIN 1946-6.

BM: Der BPH hat vor gut drei Jahren die Holzfenster-Fachberatung für Endkunden, Planer, Architekten und Hersteller ins Leben gerufen. Wie ist das Fazit nach dieser Zeit und welche Zielgruppen benötigen am meisten Beratung?

Wittmann: In den zurückliegenden Jahren hat sich ein Beratungsdefizit der Holzfensterbranche gezeigt. Dieses Defizit kann als historisch bezeichnet werden. Eine Erklärung für diese Entwicklung ist unter anderem mit der technischen/physikalischen Entwicklung im Baubereich, aber auch mit dem höheren Anspruchsniveau der Bauherrenklientel, zu begründen. Die Anrufe der Architekten sind kontinuierlich gestiegen, da Holz als nachhaltiger Baustoff zunehmend gefragt ist – insbesondere im Premiummarkt wie auch bei Projekten der öffentlichen Hand. Letztere muss ihre Klimaziele erreichen und sie weiß: Ressourcen- und Klimaschutz erfordern dringend das Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen. Und die hervorragende Ökobilanz von Holz wird von keinem anderen Rahmenmaterial erreicht. Seltener rufen uns Bauherren an, aber auch das kommt vor.
Vorrangiges Ziel der Holzfenster-Fachberatung ist es, die erste Entscheidungsebene, Planer und Architekten, zu unterstützen und ihnen die optimale Lösung zu bieten. Diese Beratung ist übrigens absolut neutral, es werden weder Empfehlungen für einen bestimmten Lieferanten ausgesprochen noch sonst in irgendeiner Weise Aufträge generiert. Weil bekannt ist, dass Bauherren im Premiumsegment über einen Planenden und/oder Architekten verfügen, ist beabsichtigt, künftig diese holzspezifischen und komplexen Kriterien in einer BIM-Konfiguration zur Verfügung zu stellen.

BM: Können Sie uns die häufigsten Fragen der Anrufer erläutern?

Wittmann: Die Anfragen sind zum Teil sehr kurz, wie z. B. wir planen ein Objekt und erwägen Holzfenster einzusetzen. Was ist hierbei zu beachten? So etwas kann natürlich nicht so einfach beantwortet werden. Hier spielen die schon zuvor genannten Einflussfaktoren eine Rolle. Neben den Fragen, welche Oberflächenbeschichtung empfohlen werden könnte, wird die Frage nach dem richtigen Holz für die Fensterrahmen sehr häufig gestellt. Vielfach bietet das Internet eine Pseudo-Infobasis, mit dem die Bauherren sich versorgt haben. Hier können wir natürlich eine sehr viel fundiertere Auskunft geben, die auf großer Erfahrung basiert, neuere Entwicklungen mit einschließt und zu nachhaltigen Lösungen führt.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Qualitätsstandards ist die bewusste Reduktion auf je fünf Nadel- und Laubholzarten, die sich in den letzten Jahrzehnten bewährt haben. Tropenhölzer sind bei den meisten, auch wenn sie ein FSC- oder PEFC-Siegel haben, immer mit gemischten Gefühlen verbunden. Und hochwertige Fensterkanteln, die zum Beispiel aus schwerem Meranti bestehen, sind preislich nicht weit entfernt von Holz-Alu-Konstruktionen mit heimischen Hölzern. Abschließend kann man sagen, dass unter Berücksichtigung des Objektes zu 80 % Holz-Alu-Fenster empfohlen werden.

BM: Wie vermitteln Sie positiv den Bauherren und Architekten das leidige Thema Wartung und Pflege, besonders im Bezug auf: „Holzfenster müssen nach einigen Jahren neu gestrichen werden“?

Wittmann: Früher hatten die Menschen noch einen größeren Bezug zu ihrem Haus. Da war es selbstverständlich, dass nach einigen Jahren die Fenster gestrichen werden mussten. Dafür ist heutzutage keine Zeit mehr, da sich die Lebensweise und die Freizeitaktivitäten geändert haben. Ein Versäumnis der ganzen Fensterbranche ist es, die Dienstleistung Pflege und Wartung als Wertschöpfungspotenzial und Kundenbindungsinstrument zu erläutern und zu fördern. Speziell von konkurrierenden Rahmenmaterialien wird seit jeher betont, dass Pflege und Wartung dauerhaft nicht großartig notwendig ist – was übrigens nicht stimmt. Aufgrund dieser Wettbewerbsaussage, wurde auch innerhalb der Holzfensterproduzenten diese Thematik möglichst umgangen. Obwohl die Holzfensterbranche mit dem Holz-Aluminium-Fenster über die nachhaltigste und über viele Jahrzehnte bewährte Konstruktionsvariante mit positiver CO2-Bilanz verfügt. Pauschal kann gesagt werden, dass die Bereitschaft Pflege- und Wartungsintervalle zu akzeptieren und zu honorieren, nur äußerst schwach ausgeprägt ist. Eine Holz-Alu-Konstruktion ist für solche Ansprüche ideal. Sie ist nicht nur sehr lange haltbar, sie hat auch einen geringen Pflegeanspruch, da bei der Glasreinigung die Aluschale gleich mit in den Reinigungsprozess eingezogen wird. Dies ist für die Werterhaltung völlig ausreichend.

Die Interviewfragen stellte BM-Redakteur Stefan Kirchner.

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