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Apps mit Appeal

Mobilsoftware: Handwerker-Apps im Überblick
Apps mit Appeal

Vom Aufmaß bis zur Zeiterfassung – Handwerker-Apps sind vielseitig und nützlich. Die besten mobilen Programme für Büro, Werkstatt und Baustelle nimmt dieser Beitrag unter die Lupe.

Marian behaneck

Smartphones und Tablets sind inzwischen unverzichtbare Begleiter auf Baustellen und beim Kunden. Viel zur aktuellen Popularität beigetragen haben mobile Software-Anwendungen (engl. Applications, kurz Apps). Sie erweitern die Einsatzmöglichkeiten mobiler Hardware und machen sie zu vielseitigen und nützlichen Werkzeugen im Berufsalltag. Allerdings ist wegen des unüberschaubaren Angebots die App-Suche und Auswahl nicht einfach. Einige der besten Apps für Büro und Baustelle stellt deshalb diese Übersicht vor.

Apps beschleunigen Prozesse

Apps sind kleine, kostenlos oder für wenig Geld herunterladbare, unter einem Mobil-Betriebssystem sofort lauffähige Software-Anwendungen. Damit kann man Smartphones und Tablets wahlweise für das Aufmaß, die Auftragserfassung, die Vorbereitung oder Dokumentation von Baustellen oder die Arbeitszeiterfassung einsetzen. Alle Daten werden ohne Medienbrüche sofort digital erfasst und zugeordnet, manuelles Eintippen, Zuordnungs- und Übertragungsfehler werden vermieden. Integrierte Hardware-Sensoren erweitern die Möglichkeiten, sodass Smartphones und Tablets auch als mehr oder weniger präzise Distanz- und Winkelmesser, für die mobile Routenplanung zu Baustellen und sogar für „Augmented Reality“-Anwendungen eingesetzt werden können. Dabei werden in das Live-Kamerabild zusätzliche Informationen einblendet, womit man beispielsweise im Wohnzimmer des Kunden dessen neue Schrankwand virtuell präsentieren kann. Aufgrund der digitalen Erfassung und sofortigen Zuordnung von Vor-Ort-Daten zu Projekten und Vorgängen sowie des automatischen Abgleichs mit der Bürosoftware beschleunigen Apps Arbeitsabläufe und vermeiden Übertragungsfehler. Damit sind Apps ein wichtiger Baustein der Digitalisierung im Handwerk, mit dem Prozesse beschleunigt und rationalisiert werden können.

Welche Apps gibt es?

Laut Branchenverband Bitkom liegt die Gesamtzahl der in den größten App-Stores (Google Play, Apple App Store und Amazon Appstore) angebotenen Apps bei rund sechs Millionen. Geschäftlich einsetzbar ist davon nur ein verschwindend kleiner Bruchteil, aber auch der ist inzwischen unüberschaubar. Neben kleinen und großen Software-Anbietern haben auch Bauprodukthersteller Apps für sich entdeckt: zur Kundeninformation, Planungs- und Montageunterstützung, aber auch als Werbemittel. Zu den häufigsten Apps von Bauproduktherstellern gehören Produktkataloge, technische Produktinformationen, Montage- oder Verarbeitungshinweise, Auslegungs- und Berechnungswerkzeuge, Online-Planer oder Konfigurations-Tools. Einige enthalten durchaus nützliche Funktionen, häufig stehen aber Marketingaspekte im Vordergrund, was lästig ist und den Nutzwert einschränkt. Speziell für Ausbaugewerke konzipierte Apps sind häufig Adressen- und Terminverwaltungs-, Aufmaß-, Auftragsverwaltungs-, Baudokumentations- oder Zeiterfassungslösungen. Entwickler sind meist Branchensoftware-Anbieter, die Apps als funktional abgespeckte Version einer vorhandenen PC-Lösung, als mobile Ergänzung oder als eigenständiges Produkt entwickeln und anbieten. Wer auf dem Bürorechner bereits beispielsweise eine ERP-Software eines branchenspezifischen Herstellers einsetzt, sollte – sofern vorhanden – auch dessen Mobillösung bevorzugen (siehe auch BM 01/20: ERP-Branchensoftware für Tischler & Schreiner). Das hat den Vorteil, dass die Benutzerführung identisch oder ähnlich und eine direkte Datenanbindung vorhanden ist. Bei unterschiedlichen Herstellern sollte man immer auf einen möglichst reibungslosen Datentransfer ohne manuellen Korrekturaufwand achten.

Android-, iOS- oder Web-App?

Wer bestimmte Apps nutzen will, sollte darauf achten, unter welchem Betriebssystem sie laufen. Zwar werden viele, aber längst nicht alle Apps für mehrere mobile Betriebssysteme angeboten. Jedes Betriebssystem hat seine Vor- und Nachteile: iOS von Apple punktet durch eine einheitliche und intuitive Bedienung. Dafür ist der Anwender bei der Geräteauswahl auf einen Hersteller beschränkt. Android von Google ermöglicht eine große Auswahl an Hardware-Herstellern, allerdings sind die Apps nicht immer einheitlich und intuitiv bedienbar. Neben den nativen, für ein bestimmtes mobiles Betriebssystem entwickelten Apps werden zunehmend auch Web-Apps offeriert. Sie können per Internetbrowser von jedem mobilen Endgerät aus aufgerufen werden, unabhängig vom Betriebssystem. Steht eine ausreichend stabile und schnelle mobile Internet-Verbindung zur Verfügung, merkt man kaum einen Unterschied. Hat man allerdings gerade keinen Mobilfunkempfang, sind sie nicht oder nur eingeschränkt einsetzbar und auch Zugriffe auf bestimmte Gerätesensoren oder die integrierte Kamera sind nur für native Apps oder sogenannte Hybrid-Apps möglich.

Per App einfacher kommunizieren

Einen unkomplizierten, schnellen und digitalen Informationsaustausch mit Kunden, Lieferanten oder Planern ermöglichen Messenger-Apps. Zusätzlich zum Senden von Text- und Sprachnachrichten an einzelne Empfänger oder individuell definierbare Empfängergruppen kann man auch Kontakt-, Foto-, Video- und Audiodateien austauschen, GPS-Standortdaten mitteilen und über das Internet telefonieren. Bei der geschäftlichen Nutzung ist jedoch Vorsicht geboten, denn einige Messenger-Dienste verletzen die Regeln der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zur Speicherung und Verarbeitung persönlicher Daten. So werden beispielsweise auf dem Handy des Nutzers gespeicherte Kontaktdaten an US-Server gesandt, die DSGVO-Standards nicht erfüllen. Wer beispielsweise das populäre WhatsApp oder Social-Media-Dienste wie Twitter, Facebook oder Instagram einsetzt, sollte den Kommunikationspartner in schriftlicher Form auf die Datenpraktiken der jeweiligen Anbieter hinweisen. Zugleich sollte man erläutern, wie Informationen und Daten im eigenen Unternehmen gespeichert und verarbeitet werden – beispielsweise mit einem Link auf den Datenschutzerklärungstext der eigenen Unternehmens-Webseite. Mustertexte oder Generatoren für die Erstellung passender Texte findet man im Internet (zum Beispiel www.e-recht24.de/muster-datenschutzerklaerung.html). Speziell für Handwerksunternehmen entwickelte Messenger-Apps wie Signal, Telegram, Threema und andere versprechen DSGVO-Konformität.

Worauf sollte man achten?

Apps können entweder direkt beim Hersteller oder über den im Betriebssystem integrierten Onlineshop heruntergeladen und sofort eingesetzt werden. Wegen des unübersichtlichen Angebots gibt es auch Portale, die sich auf die Vorstellung für eine bestimmte Zielgruppe zugeschnittener Apps konzentrieren (z. B. www.tzholz.de/apps/apps.asp, siehe auch Infokasten). Die Preise für Apps liegen zwischen 0 Euro für kostenfreie, meist funktional abgespeckte Apps und bis zu mehreren Hundert Euro für spezialisierte Branchenlösungen in der Vollversion. Besonders erfolgreiche und populäre Apps werden meist auch für mehrere Betriebssysteme offeriert oder man findet ähnliche Apps. Zwar folgt die Benutzerführung gewissen Standards, dennoch funktioniert jede App anders und man muss sich erst zurechtfinden respektive nach längerer Nutzungspause wieder hineinfinden. Das kostet manchmal Zeit und Nerven. Ein häufiges Ärgernis ist auch, wenn eine App nach einer Weile eine höhere Betriebssystem-Version voraussetzt und deshalb auf dem aktuellen Mobilgerät nicht mehr läuft. Auch mit der Datensicherheit und dem Datenschutz steht es häufig nicht zum Besten, nicht nur bei Messenger-Apps. So speichern viele Apps, vor allem Web-Apps, mobil erfasste Daten auf Cloud-Servern. Das hat den Vorteil, dass auch Mitarbeiter von überall auf die Daten zugreifen und diese direkt verarbeiten können. Wie sicher die Daten sind und wo sie gespeichert werden, bleibt dem Anwender aber meist verborgen. Ärgerlich ist auch, dass viele kostenfreie Apps als Köder dienen. Sie versprechen bestimmte Funktionen, die bei näherer Betrachtung eine funktionale Erweiterung durch sogenannte In-App-Käufe voraussetzen. Ein vermeintliches App-Schnäppchen erweist sich dann schnell als Groschengrab.

Auf Praxistauglichkeit und Sicherheit achten

Spezielle Apps für Handwerker von branchenspezifischen Entwicklern sind in der Regel sehr nützlich und praxistauglich. Auch im riesigen Angebot allgemeiner Apps findet man manchmal wahre App-Perlen. Häufig fehlen aber wichtige Funktionen, die Bedienung ist umständlich oder die Apps sind aufgrund ständiger Werbeeinblendungen oder ungenauer Ergebnisse nur eingeschränkt nutzbar. Mobile Anwendungen schwächeln aber auch wegen der Mobilhardware: Touchscreen-Tastaturen lassen nur die Eingabe kurzer Texte zu und auf kleinformatigen Displays sind Pläne oder Tabellen nur schlecht erkennbar – erst recht im Außenbereich bei grellem Tageslicht. Außerdem ist die Hardware – abgesehen von speziellen Outdoor-Modellen – meist nicht robust genug für den rauen Baustellenalltag. Deshalb sollte nicht nur die App-Software, sondern auch die Hardware baustellentauglich sein (BM 8/19: Außen hart, innen smart). Achten sollte man auch darauf, dass Mitarbeiter geschäftliche Apps möglichst auf betriebseigenen Smartphones nutzen, damit gegebenenfalls sensible App-Daten nicht in falsche Hände geraten. Eine Auswahl nützlicher, unter Android und/oder iOS lauffähiger Apps für Büro, Werkstatt und Baustelle listet die Übersicht auf und stellt einige beispielhaft vor (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).


Einsatzbereiche und Produkte

App-Übersicht*

Aufmessen: Abstand Messen – 3D Senklot + (www.assysto.com), Bosch Toolbox (www.bosch.de), Handwerker App (www.hello-it.eu), iHandy Schreiner (iHandy), ImageMeter – Messen im Foto (www.imagemeter.com), MagicPlan (www.magicplan.app), My Measures + AR Measure (www.armeasure.com), Planimeter GPS-Fläche messen (www.vistechprojects.com), Smart Measure (www.smarttools.me)

Baustellen dokumentieren: 123erfasst.de (www.123erfasst.de), CraftNote (www.craftnote.de), Docu Tools (www.docu-tools.com), Kevox (www.kevox.de), MemoMeister (www.memomeister.com), Olmero Mängelmanagement (www.olmero.ch), PlanRadar (www.planradar.com), SKILLbaudoc (www.skillsoftware.de), DokuPit (www.dokupit.com)

Nachrichten austauschen: Signal (www.signal.org), SilentPhone (/www.silentcircle.com), Telegram (www.telegram.org), Threema (www.threema.ch), WhatsApp (www.whatsapp.com), Wire (www.wire.com), ZipApp (www.zip.app)

Zeiten erfassen: 123erfasst.de (www.123erfasst.de), BormApp (www.borm-informatik.de), DIGI-WebApp (www.digi-zeiterfassung.de), Mobilrapport (www.sander-doll.com), OSD MTS (www.osd.de), TIME4 (www.msoft.de), TimeCard (www.reiner-sct.com), Virtic Mobile Zeitwirtschaft (www.virtic.de), ZMI-Time (www.zmi.de)

Von A bis Z: Die Handwerk App (www.diehandwerkapp.de), HERO App für Handwerker (www.hero-software.de), HWA.Lignum (https://tischler.diehandwerkapp.de), Meisterbüro (www.meisterbuero.de), Schreiners Büro (www.schreiners-buero.de), WinWorker App (www.winworker.de)

Sonstiges: Autodesk Sketchbook (www.sketchbook.com), Badplan 3Dapp (www.dvc.de), Happy Measure 3D-Zollstock (www.weekend-labs.com), HolzApp (www.schreiner-drautzburg.de), Palette Move (www.palettecad.com), StolKal (https://play.google.com)

App-Quellen*

App Stores: https://itunes.apple.com/de/genre/ios/id36?mt=8, https://play.google.com/store/apps, www.microsoft.com/de-de/store/apps/windows, www.amazon.de/mobile-apps/b?ie=UTF8&node=1661648031

App-Übersichten: www.baulinks.de/broschueren-kataloge-ratgeber/bauapps.php, www.baupraxis-blog.de/apps-im-bauwesen, www.handwerk-magazin.de/die-wichtigsten-apps-fuer-handwerker/150/381/361453, www.heinze.de/tools/apps, www.tzholz.de/apps/apps.asp, www.meistertipp.de/baustelle/apps-fuer-handwerker

Suchtipp: Im App-Store findet man Apps oder bestimmte Funktionen über das Suchfeld. Man kann Apps aber auch „googeln“: App-Namen oder Funktionsbezeichnung eingeben, gefolgt von „itunes“ oder play.google“.

* Ohne Anspruch auf Vollständigkeit


App-Beispiele als tabellarische Übersicht zum Download

Klick aufs Bild: Beitrag samt Übersicht als PDF anschauen und herunterladen.


Der Autor

Dipl.-Ing. Marian Behaneck ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Software, Hardware und IT im Baubereich.


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