Gefahrstoffe im Schreiner- und Tischlerhandwerk sicher lagern. Viel Zündstoff - BM online

Gefahrstoffe im Schreiner- und Tischlerhandwerk sicher lagern

Viel Zündstoff

Öl, Wachs, Lack oder Lasur – das Spektrum der eingesetzten Stoffe und Materialien in der Holzverarbeitung ist vielfältig. Ein Großteil davon sind Gefahrstoffe, etwa lösemittelhaltige Kleber, Farben, Lacke oder Beizmittel. Doch wie gefährlich ist der Umgang mit entzündlichen Stoffen? Welche Schutzmaßnahmen sollte ein Betrieb ergreifen? Frank Schestak ist Sachverständiger für Gefahrstofflagerung und -absaugung und bei Asecos, einem Spezialisten für sichere Lagerung und sicheres Handling von Gefahrstoffen, als Gebietsverkaufsleiter tätig. Er erläutert rechtliche Vorgaben und praktische Maßnahmen am Beispiel der Schreinerei Eichenhaus AG.

Die Eichenhaus AG in Laufach ist ein Schreinerbetrieb und Planungsbüro mit über 25 Schreinermeistern, Architekten und Raumgestaltern. Hier werden Möbel nach Maß gefertigt und die Holzstämme aus heimischen Wäldern persönlich vom Kunden ausgewählt. Die renommierte Schreinerei legt großen Wert auf die Sicherheit ihrer Mitarbeiter. Aber wie in vielen Handwerksbetrieben lagern auch hier einige Gefahrstoffe wie Aceton, Öl oder Lack direkt am Arbeitsplatz. Das größte Gebinde fasst ca. 25 Liter; häufig sind die Stoffe entzündbar.

Das Feuer hätte sich rasant ausbreiten können

Es war ein Schlüsselerlebnis, als sich plötzlich ein Öl-Tuch selbst entzündete. Die Mitarbeiter konnten nur durch schnelle und umsichtige Reaktion einen Brand verhindern. Was aber, wenn sie gerade bei Kunden oder in der Mittagspause gewesen wären? Durch die herumliegenden Späne und den Holzstaub hätte sich das Feuer rasant ausbreiten können – zumal weitere entzündbare Gefahrstoffe in unmittelbarer Nähe standen. „Das hat uns die Augen geöffnet und veranlasst, uns intensiver mit der Gefahrstofflagerung auseinanderzusetzen. Uns waren die Risiken nicht vollständig bewusst, die auch vermeintliche Kleinmengen an den Werkbänken verursachen können“, so Christoph Werner, Geschäftsführer der Eichenhaus AG.

Wie Werner unterschätzen viele Schreiner- und Tischlereien das Gefahrenpotenzial. Ein erster Schritt zu mehr Sicherheit ist eine objektive Einschätzung durch einen Sachverständigen. „Für eine detaillierte Bedarfsanalyse ist eine Vor-Ort-Begehung im alltäglichen Arbeitsablauf wichtig. Nur so können spezifische Anforderungen ermittelt und eine gemeinsame Lösung mit dem Unternehmen besprochen werden“, bringt es Frank Schestak, der auch Sachverständiger im Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter e. V. ist, auf den Punkt.

Die gesetzeskonforme Lagerung ist auch eine Frage der Menge

Die unsachgemäße Lagerung von Gefahrstoffen birgt ein hohes Risiko und kann im Brandfall verheerende Folgen haben. Zum Schutz von Mensch und Umwelt gelten einige wichtige Gesetze, darunter die Technischen Regeln für Gefahrstoffe. „Die TRGS 510 beschreibt im Detail die Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern und besagt, dass die Mengen bereitgestellter Gefahrstoffe u. a. auf den Tages- bzw. Schichtbedarf begrenzt sind. Darüber hinausgehende Mengen müssen unter Berücksichtigung der Mengenschwellen nach TRGS 510 rechtskonform gelagert werden. Eine Möglichkeit, gesetzeskonform zu lagern, bieten Sicherheitsschränke. Diese können direkt in Arbeitsplatznähe aufgestellt werden und sind gegenüber einem baulichen Brandschutzraum meist kostengünstiger“, berichtet der Experte. Müssen jedoch große Mengen gelagert werden, bietet sich der Außenbereich zur Aufbewahrung an. Je nach Bedarf kommen hier Gefahrstoff-Depots, -Regallager oder -Container zum Einsatz. Letztere bieten einen direkten Zugang zum Lagergut und ermöglichen das Ab- und Umfüllen – unter Berücksichtigung passender Vorsorgemaßnehmen – direkt im begehbaren Gefahrstofflager.

Der Gefahrstofflagerung wird oft noch wenig Bedeutung beigemessen

Sicherheitsschränke sind darauf ausgelegt, im Brandfall das Risiko der Brandausweitung und die Explosionsgefahr im Arbeitsraum zu minimieren und ausreichend Zeit zur Evakuierung zu schaffen. Den bestmöglichen Schutz dafür bieten Schränke mit 90 Minuten Feuerwiderstandsfähigkeit nach Europäischer Norm 14470-1. Diese besitzen wichtige Schutzmechanismen, wie etwa das selbsttätige Schließen der Türen, Abluftventile sowie im Brandfall selbstaufschäumende Fugendichtungen. Das kann im Ernstfall nicht nur Leben retten, sondern auch die Existenz. Denn gerade bei Schreiner- und Tischlereien ist eine hohe Brandlast vorhanden – nicht zuletzt durch die unzähligen Holzvorräte, die zur Verarbeitung trocken gelagert werden. „Trotz der bekannten Risiken und der hohen Brandlast wird der Gefahrstofflagerung in vielen Holzbetrieben noch wenig Bedeutung beigemessen. Daher ist es wichtig, Arbeitgeber und Arbeitnehmer für den Umgang mit Gefahrstoffen zu sensibilisieren“, appelliert Schestak. In der Tabelle rechts finden Sie Stoffe, die als gefährlich eingestuft sind und deshalb sachgemäß gelagert werden sollten. Nutzer erkennen die möglichen Gefahren und empfohlene Lagerung durch die Gefahrstoff-Symbole (GHS).

Mit Sicherheitsschrank und Spezialbehälter auf der sicheren Seite

Die Eichenhaus AG hat nach dem Beinahe-Brand reagiert und im Arbeitsraum einen Sicherheitsschrank aufgestellt. So wird der häufige lange Gang zum separaten Abstelllager vermieden und am Tagesende sind alle Arbeitsstoffe sicher verstaut. „Für unsere ölhaltigen Putztücher haben wir außerdem entsprechende Entsorgungsbehälter angeschafft. Selbstschließende Deckel und Lüftungsöffnungen am Bodenrand der Behälter schützen vor entstehenden Bränden oder Selbstentzündung“, berichtet Christoph Werner. (ra/Quelle: Asecos)

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