Werkstattbesuch beim Percussion-Bauer Stefan Emmerich. Feine Rhythmusmaschinen - BM online
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Feine Rhythmusmaschinen

Werkstattbesuch beim Percussion-Bauer Stefan Emmerich
Feine Rhythmusmaschinen

Schlichte kubische Formen, in kräftigen Farben gebeizt und mit farbigem Epoxidharz kombiniert – was auf den ersten Blick anmutet wie ein stylischer Designhocker, ist in Wahrheit ein hochwertiges Musikinstrument – eine Cajon aus der Werkstatt von Stefan Emmerich.

BM-Redakteur Heinz Fink

Eingefasst von amorph geformten und farbig gefassten Hölzern, durchzieht ein glasklarer, tiefblauer Spalt die aufgebrochene Fläche – erinnert an das fließende Wasser eines klaren Gebirgsbaches oder an die flirrenden Lichtreflexe in arktischem Eis. Ein andermal an das tiefe Grün eines träge dahinfließenden Urwaldflusses oder, in kräftigem Orange gehalten, gar an die sich zäh bewegende Lava an den Hängen eines ausbrechenden Vulkans. Ausdrucksstarke Eyecatcher sind die farbig gestalteten Cajons aus der Solid-River-Custom-Serie von Stefan Emmerich allemal. Aber auch klanglich lassen die Percussion-Instrumente keine Wünsche offen und werden daher von Hobby- und Profimusikern weltweit geschätzt. Seit 20 Jahren entwickelt und fertigt der 45-jährige Kölner individuell gestaltete Cajons und andere Schlaginstrumente.

Lange Tradition

Die Ursprünge der Cajon – auch Kachon oder Karon, aus dem Spanischen für (Holz-)Kiste, oder im Deutschen Kistentrommel genannt – reichen bis nach Peru und Kuba. Afrikanische Sklaven nutzten, da man ihnen ihre traditionellen Trommeln genommen hatte, mit den bloßen Händen gespielte, ausgediente Transportkisten als Rhythmusinstrumente. In den 1970er-Jahren fand die Cajon, ergänzt um einen markant klingenden Schnarrmechanismus (Snare), Einzug in die spanische Flamenco-Musik. Heute ist die Cajon in fast allen Musikrichtungen vertreten, vor allem in der rein akustisch spielenden Unplugged-Szene.

Zum Cajon-Bau kam Stefan Emmerich eher zufällig. Der gelernte Hubschraubermechaniker hörte im Urlaub auf Ibiza vor mehr als
20 Jahren jemanden auf einem eigentümlichen Schlaginstrument spielen, das er noch nie gesehen und gehört hatte, das ihn aber komplett in seinen Bann zog. Zurück in Köln besuchte er mehrere Musikgeschäfte und fand heraus, dass dieses seltsame Instrument eine Cajon war. Seine ersten beiden Instrumente entstanden aus Materialien aus dem Baumarkt für ihn selbst und einen Freund, das dritte bot er schon selbstbewusst verschiedenen Musikgeschäften an – die Geschäftsidee seiner Tres-Lados-Cajons war geboren.

Breites Handwerkswissen

Stefan Emmerich kommt zwar nicht aus einem traditionellen Holzberuf, hat sich aber über die Jahre ein profundes Material- und Handwerkswissen in zahlreichen Berufsfeldern angeeignet. So arbeitete er einige Zeit im Rennwagenbau und erwarb dort Erfahrungen im Karosseriebau aus Carbonfasern, woher sein besonderes Interesse für Epoxidharze rührt. Allein sieben Jahre war er in einer orthopädischen Werkstatt beschäftigt, in der er frei Hand Prothesen und Schuhleisten zuschliff und sich weitere spezielle Fertigkeiten aneignete.

Parallel dazu entstanden seine ersten individuellen Cajons, zuerst aus Multiplex und furnierten Klangdecken. Seine Spezialität waren schon damals expressive Oberflächengestaltungen: farbig gebeizte Flächen aus ausdrucksstarken Furnieren wie Riegel- oder Muschelahorn (Quilted Maple), geriegelter Esche, geflammter Birke oder Nussbaum in sogenanntem Sunburst-Finish lackiert – das heißt in von innen nach außen dunkler werdenden Farbverläufen gebeizt.

Breite Modellpalette

Die einfachste Version, eine Cajon der Classic-Serie von Stefan Emmerich, ist eine quaderförmige Box von 480 x 300 x 300 mm (H x B x T) aus gebeiztem Multiplex mit einer in Edelholz furnierten Schlagfläche und acht stimmbaren Gitarrensaiten als Snare-Teppich, das bereits einen sehr voluminösen Ton erzeugt. Die Modelle variieren dabei in Farbe und Auswahl der Holzart der Schlagfläche.

Bei den High-End-Modellen der Solid-River-Custom-Serie besteht der Korpus aus Massivholz mit einem umlaufenden Inlay aus durchsichtigem, farbigem Epoxidharz, das auf Wunsch sogar von innen von mittels einer Powerbank betriebenen LEDs beleuchtet werden kann. Zusätzlich zur Snare-Fläche bieten die individuell gestalteten Edelmodelle die zweite Klangoption einer Conga. Optional können die Instrumente zur elektrischen Verstärkung auf der Bühne auch mit einem internen Grenzflächenmikrofon ausgestattet werden.

Auf zu neuen Ufern

Parallel zur Fertigung und ständigen Weiterentwicklung seiner Cajons, treiben Stefan Emmerich aber ständig neue Ideen um. So hat er im vergangenen Jahr unter dem Namen „Sky Percussion“ zusammen mit zwei Geschäftspartnern eine eigene Modellreihe an Snaredrums entwickelt und zur Serienreife gebracht. Deren Besonderheit ist die konsequente Bauweise aus massivem Eschenholz nach dem Prinzip von Faßdauben, die sogenannte Stave-Bauweise. Derzeit sind zwei Modellreihen mit zylindrischer bzw. profilierter Außenform in zwei Farbstellungen erhältlich, weitere sind in Planung.

Eine wohl im mittleren vierstelligen Bereich liegende Zahl an Cajons hat in den vergangenen 20 Jahren die Werkstatt von Stefan Emmerich verlassen. Dank Internet finden sie ihre Liebhaber heute in aller Welt. Darunter nicht wenige bekannte Namen aus der Profiszene, wie der bekannte spanische Flamenco-Gitarrist Paco de Lucia oder John Mahon, der Schlagzeuger von Elton John. Es ist anzunehmen, dass die neuen Snaredrums eine ähnlich steile Karriere hinlegen werden.

www.cajon-shop.de

www.sky-percussion.com

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