Werkstattbesuch beim Alphornbauer

So tönt’s von der Alb

Nein, wer in Grafenberg am Rande der Schwäbischen Alb aufwächst wird nicht zwangsläufig zum Alphornspieler – doch die Chancen sind groß, dort vom Alphorn-Virus befallen zu werden. Denn hier spielt, unterrichtet und vor allem baut der gelernte Schreiner und Instrumentenbaumeister Andreas Bader seit fast 20 Jahren, das eher aus der Alpenregion bekannte Instrument.

BM-Redakteur Heinz Fink

Weder Heidi noch dem Geißenpeter begegnet man in Grafenberg. Auch nicht dem Almöhi, Heidis grandelndem Großvater aus dem gleichnamigen Kinderbuch der Schweizer Autorin Johanna Spyri. Gut, mit viel Vorstellungskraft kann man sich beim Anblick des steil aufsteigenden Traufs der Schwäbischen Alb auf die Alm in Graubünden versetzt sehen, an deren Hängen die Geschichte Spyris spielt. Doch wirklich in der Schweiz wähnt sich, wer in der Ferne den sonoren Klang eines Alphorns vernimmt – oder gleich von vieren seiner Art. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es die Klänge der „Bader Alphorngaudi“ sind, einem Alphorn-Quartett um
den gelernten Schreiner, Musiker und Alphornbauer Andreas Bader aus Grafenberg bei Metzingen.

Archaisches Kommunikationsmittel

Wohl kein Musikinstrument ist enger mit der Alpenregion verbunden, als das Alphorn – wobei der Begriff Musikinstrument schon nicht so ganz stimmt. Denn ursprünglich diente das, von den Bergbauern, meist während der Winterzeit aus einem halbierten Fichtenstamm hergestellte Instrument, als Signalhorn zur Verständigung über die weiten Täler hinweg – konnte es doch noch in 5 bis 10 km Entfernung gehört werden. Diese bis zu 4 m langen, einteiligen Hörner waren reine Soloinstrumente, ein Zusammenspiel war durch die recht unterschiedliche Dimensionierung und Intonation nicht möglich.

Vom Hobby zum Beruf

Zwei Leidenschaften verbinden sich in Andreas Baders Leben, die Musik und das Arbeiten mit Holz. Bereits im Alter von sechs Jahren erlernte er das Akkordeonspiel, mit 15 kam die Posaune dazu, mit der er bis vor einigen Jahren den örtlichen Musikverein unterstützte. Nach Schreinerlehre, vier Jahren Dienst als Zeitsoldat und einer anschließenden, kurzen Gesellenzeit im Fensterbau führte ihn sein Weg für die kommenden zehn Jahre zu einem lokalen Industriebetrieb der Kunststoffe für den Modellbau herstellt. Trotz seinerTätigkeit dort als Vorarbeiter im Schichtbetrieb und in der Arbeitsvorbereitung blieb er dem Holz stets treu.

Wie es der Zufall so will, lernte er 1999 einen Alphornbauer in der Nähe kennen, der gerade seine Werkstatt aufgab. Fasziniert von diesem Instrument, begann er selbst mit dessen Bau. Zu Beginn eher nebenher betrieben, nahm sein neues Hobby zunehmend mehr Raum ein, bis er sich 2011 mit dem Alphornbau selbstständig machte. Eine kleine Anekdote am Rande: Bei der Anmeldung seines neuen Gewerbes an der Handwerkskammer Reutlingen kannte man den Beruf des Alphornbauers gar nicht und befand, dass damit auch keine Meisterpflicht bestand. Aber ganz so einfach sollte es dann doch nicht gehen: Denn das Regierungspräsidium Tübingen bestand auf der Ablegung der Meisterprüfung. Dazu wurde eigens ein Prüfungsmeister bestellt, der den Prüfling zur Erstellung der Prüfungsaufgaben erst einmal zum Alphornbau befragen musste! Seither darf sich Andreas Bader mit dem Titel „Meister im Instrumentenbau Fachrichtung Alphornbau“ schmücken.

Hightech im Instrumentenbau

Baute Andreas Bader seine ersten Alphörner zur Jahrtausendwende, lediglich unterstützt durch einfach (Hand-)Maschinen, noch mit der „Hand am Arm“, ist seine Werkstatt heute neben den üblichen Standardmaschinen mit einer kompakten 3-Achs-CNC-Maschine eines deutschen Herstellers ausgestattet. Auf dieser werden neben den Bechern, welche die trichterförmige Schallöffnung bilden, auch die mehrteiligen, konischen Rohre innen ausgearbeitet. Die Becher werden, auf speziellen Schablonen aufgespannt, auch außen bearbeitet, die Rohre dagegen auf der Drechselbank in Form gebracht. Wichtig ist dabei, dass die Übergänge zwischen den Bauteilen im Inneren sauber bündig geschliffen werden, um unerwünschte Luftverwirbelungen beim Spiel und damit eine mangelhafte Intonation des Instrumentes zu vermeiden.

Ganz der schwäbische Tüftler

Überhaupt hat sich Andreas Bader in den vergangenen Jahren auch der bautechnischen Weiterentwicklung des Alphorns gewidmet und zusammen mit einem befreundeten Blechblasinstrumentenbauer komplexe schalltechnische Messungen vorgenommen. Seither arbeitet er den Innenraum seiner Rohre, nicht wie üblich gleichmäßig konisch, sondern in weichen Stufen, größer werdend aus. Dies führt zu einer besseren tonalen Stabilität und Intonation seiner Hörner.

Auch in Sachen Transport des doch recht sperrigen Instrumentes hat sich Andreas Bader Gedanken gemacht und ein drei- bzw. vierteiliges, durch spezielle Aluminiumhülsen mit Dichtungsgummis gesteckt verbundenes Horn entwickelt. Wer es noch kleiner will, sei es für Flug- oder Bahnreisen, erhält auch ein achtteiliges, dann allerdings verschraubtes Modell im praktischen Rucksackkoffer.

Von Schwaben aus in die Welt

Heute, fast 20 Jahre nach seinem Erstlingswerk, fertigt Andreas Bader etwa 45 bis
50 Alphörner pro Jahr, jeweils in Kleinserien von sechs bis acht Stück. Dazu kommen noch einige Hundert spezielle Mundstücke aus Elsbeere, ähnlich denen eines Blechblasinstrumtes, und andere Zubehörteile. Seine Kunden kommen dabei, dank Internet, aus dem gesamten deutschprachigen Raum und dem
europäischen Ausland. Auch Bestellungen aus den USA und Japan waren schon darunter – fürs Alpenflair in New York und Tokyo!

www.alphornbau.com

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