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Zertifizierung im Praxis-Check 

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Tischlermeister Björn Schmahl weiß, dass Nachhaltigkeit für viele seiner Kunden ein großes Thema ist. Auch wenn selten nach Herkunftsnachweisen gefragt wird, ist es für ihn selbstverständlich, Hölzer aus legaler und nachhaltiger Herkunft zu verwenden. Foto: Björn Schmahl, Das Holzatelier – Möbeltischlerei
Das Schreiner- und Tischlerhandwerk gilt per se als nachhaltig, da hier mit dem natürlichen und nachwachsenden Rohstoff Holz gearbeitet wird. Doch reicht das, um sich darauf auszuruhen? Wo beginnt Nachhaltigkeit und welche Bedeutung hat das Thema für Schreiner, Tischler und vor allem ihre Kunden in der Praxis? Sind diese bereit, mehr zu zahlen, wenn sie wissen, dass sich ihr Tischler- und Schreinereibetrieb auch aktiv für den Waldschutz einsetzt? Wie hilfreich sind vor diesem Hintergrund Zertifikate wie das PEFC- und FSC-Siegel? BM hat vier Experten aus der Praxis gefragt.


Unsere Kunden vertrauen uns«

Björn Schmahl ist Tischlermeister und Raumgestalter. 2004 hat er im niedersächsischen Harsfeld „Das Holzatelier“ eröffnet. Es ist auf individuell gefertigte Möbel, Küchen und Einrichtungslösungen aus Massivholz spezialisiert.

„Aus persönlichen Gesprächen wissen wir, dass Nachhaltigkeit für viele unserer Kunden ein großes Thema ist. Nach Herkunftsnachweisen fragen sie jedoch selten. In diesem Punkt vertrauen sie uns und dieses Vertrauen wollen wir nicht verspielen. Es ist deshalb unsere Aufgabe, Hölzer aus legaler und nachhaltiger Herkunft zu verwenden, damit unsere Kunden neben einer guten Qualität und einer termingerechten Ausführung obendrauf ein ökologisch reines Gewissen haben können.

Auch das Thema Wohngesundheit spielt bei unseren Kunden eine große Rolle – egal ob im Privat- oder Objektbereich. Erst kürzlich wurden wir mit dem Ausbau eines Dachgeschosses und dem Aufbau eines Ankleidezimmers in Massivholz beauftragt. Da der Kunde Allergiker ist, war ihm wichtig, dass alle Teile lösemittelfrei oberflächenbehandelt werden. Ähnliche Anforderungen hatten wir beim Bau einer Spielelandschaft für eine Kindertagesstätte. Die Arbeit mit lösemittelfreien Lacken gehört zur Philosophie unseres Holzateliers. Unsere Möbel sollen nicht nur schön, sondern auch gesundheitlich unbedenklich sein. Das Thema Nachhaltigkeit zählt zu den gelebten Werten im Betrieb. Für uns ist es selbstverständlich, überwiegend Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern zu verarbeiten. Wir haben uns deshalb im Sommer 2016 bewusst für eine Doppelzertifizierung nach PEFC und FSC entschieden. Am einfachsten war dies über eine Gruppenzertifizierung des Meisterteams möglich.“

Das Holzatelier – Möbeltischlerei
Björn Schmahl
21698 Harsfeld

www.mein-moebeltischler.de

Foto: Björn Schmahl, Das Holzatelier – Möbeltischlerei
Damit auch seine Kunden ein ökologisch reines Gewissen haben können, verwendet Björn Schmahl …
Foto: Björn Schmahl, Das Holzatelier – Möbeltischlerei
… Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und lösemittelfreie Oberflächenbehandlungen.
Foto: Björn Schmahl, Das Holzatelier – Möbeltischlerei

Wenn wir uns etwas wünschen könnten …«

Jan Nicklaus ist Gründer und Geschäftsführer der Havelland Diele GmbH. Wenn es um die Herstellung und Verlegung von raumlangen und extra breiten Schlossdielen geht, ist man bei dem Brandenburger Betrieb an der richtigen Adresse.

„Wir machen Dielenböden, die 150 Jahre und länger halten. Das ist für uns ein Teil von gelebter Nachhaltigkeit. Wir fertigen Böden für Generationen, die nicht nach 30 Jahren ausgetauscht und aufwändig entsorgt werden müssen. Unsere Böden haben eine viel längere Nutzungsdauer und können mehrfach aufgearbeitet werden. Die meisten unserer Kunden sind Privatkunden, die bereit sind, dafür etwas mehr auszugeben.

Für die Produktion unserer Dielen verwenden wir fast ausschließlich Holzarten aus nachhaltiger brandenburgischer Forstwirtschaft. Den überwiegenden Teil beziehen wir aus dem Privatwald. Da wir nach PEFC und FSC zertifiziert sind, versuchen wir so oft wie möglich, auf zertifiziertes Holz zurückzugreifen. Leider ist zertifizierte Ware in den Holzarten und Größenordnungen, die wir benötigen, nicht immer einfach zu bekommen, da wir für unsere extra breiten und langen Dielen Bäume brauchen, die 130 Jahre und älter sind. Zertifizierte Eiche ist zur Zeit zum Beispiel kaum verfügbar. Wir würden uns deshalb wünschen, dass gerade auch die Privatwaldbesitzer mehr zertifizierte Rundhölzer liefern können. Wichtiger ist uns, dass wir Holz aus der Region verwenden. Wir sind keine Freunde von tropischen Hölzern, die einmal um den halben Erdball verschifft werden, auch wenn es sich dabei um zertifizierte Ware handelt. Hier stimmt die Ökobilanz nicht.“

Havelland Diele GmbH
14797 Kloster Lehnin

www.havelland-diele.de

Jan Nicklaus ist wichtig, Holz aus der Region zu verwenden. „Wir sind keine Freunde von tropischen Hölzern, die einmal um den halben Erdball verschifft werden, auch wenn es sich dabei um zertifizierte Ware handelt. Hier stimmt die Ökobilanz nicht.“ (Foto: Havelland Diele GmbH)
Für seine Dielen verwendet Jan Nicklaus fast ausschließlich Holzarten aus umliegenden Wäldern.
Foto: Havelland Diele GmbH
Er würde sich wünschen, dass auch die Privatwaldbesitzer mehr zertifizierte Rundhölzer liefern können.
Foto: Havelland Diele GmbH
Für die extra-langen Dielen ist zertifizierte Ware in den benötigten Holzarten nicht einfach zu bekommen.
Foto: Havelland Diele GmbH

Damit sind wir auf der sicheren Seite«

Bei der Tischlerei Röwekamp & Stumpe kümmert sich Dorothee Stattmann mit Nachdruck um das Thema Zertifizierung. Hans Stumpe (l.) und Manfred Röwekamp bewegen sich schon lange auf nachhaltigen Pfaden.

„Das Thema Nachhaltigkeit hat für uns viele Aspekte: Zertifizierte Werkstoffe, wohngesunde Materialien, die Verwendung von Ökostrom, aber auch die Förderung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nachhaltigkeit muss jedoch auch ökonomisch machbar sein. In puncto Zertifizierung haben wir uns deshalb für eine Gruppenzertifizierung nach PEFC und FSC mit dem Meisterteam entschieden. Für uns als kleiner Betrieb war das die wirtschaftlichste Lösung. Wenn wir uns über Architekten bei Ausschreibungen von öffentlichen Projekten beteiligen, sind wir mit den Herkunftsnachweisen auf der sicheren Seite.

Unsere Tischlerei fertigt Möbel, verlegt Fußböden, betreut aber auch gewerkeübergreifende Bau- und Sanierungsprojekte. Dies ist unsere Stärke. Ein besonderes Projekt: Wir haben bei dem Umbau der ehemaligen Pfarrkirche St. Johannes in Telgte mitgewirkt. Jetzt ist daraus ein Gemeindehaus geworden mit Mehrzweckraum für den benachbarten Kindergarten. Für den gelungenen Umbau wurde an die Kirchengemeinde der Rheinisch-Westfälische Staatspreis für Denkmalpflege verliehen.

Bei privaten Kunden ist die Nachfrage nach den Zertifikaten zwar gering, aber sie bekommen die Zertifizierung dann einfach als Mehrwert dazu. Wir achten darauf, Hölzer aus der Region bzw. aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern zu verwenden. Fußböden sind bei uns nur aus europäischem Holz zu haben – Fenster und Haustüren sind immer FSC- oder PEFC-zertifiziert. Auch bei der energetischen Sanierung bevorzugen wir ökologische Materialien wie Zellulose.

Die dritte Säule der Nachhaltigkeit ist der soziale Bereich. Unterstützung, Weiterbildung und Wohlergehen der Mitarbeiter wie auch die unternehmerische Eigenfürsorge und vieles mehr gehört dazu. Wir alle wollen noch voll motiviert viele Jahre in unserem Betrieb arbeiten.“

Röwekamp & Stumpe GbR
48291 Telgte

www.roewekamp-stumpe.de

Nachhaltig unterwegs für Privat- und Objektkunden: (v.l.) Hans Stumpe, Dorothee Stattmann, Manfred Röwekamp. (Foto: Röwekamp & Stumpe GbR)

Die Tischlerei Röwekamp & Stumpe betreut u. a. gewerkeübergreifende Bau- und Sanierungsprojekte.
Foto: Röwekamp & Stumpe GbR
Das Thema Nachhaltigkeit hat für das Unternehmen ganz unterschiedliche Aspekte.
Foto: Röwekamp & Stumpe GbR
Zum Beispiel wird auch besonders auf das Wohl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geachtet.
Foto: Röwekamp & Stumpe GbR

Ein Must-have bei Kunden aus aller Welt«

Hubert Flaig ist Geschäftsführer einer Schreinerei mit 70 Mitarbeitern im baden-württembergischen Hardt. Der Innenausbaubetrieb arbeitet für Kunden im Privat- und Objektbereich, produziert aber auch Serienmöbel.

„Einer unserer Hauptkunden ist ein großer deutscher Hersteller für Badmöbel und Wellnesssysteme, für den wir komplette Saunen in Serie fertigen. Da diese weltweit vertrieben werden, war es wichtig, dass unser Betrieb PEFC-zertifiziert ist. Ohne PEFC-Zertifikat wäre der Auftrag an jemand anderen gegangen. Geht es um internationale Kunden und Aufträge, ist PEFC mittlerweile ein Must-have. Aber auch bei Aufträgen in Deutschland im Objektbereich sind wir auf der sicheren Seite, wenn wir das Zertifikat nachweisen können. Wir besitzen deshalb eine PEFC-Einzelzertifizierung. Unser Mitarbeiter Jürgen Pech achtet darauf, dass im Betrieb alle geforderten Standards eingehalten werden, kümmert sich um die Nachweise und überwacht die Lieferkette. Das ist nicht billig, aber es ist es uns wert.

Unser Betrieb existiert seit 111 Jahren. Wir haben als Bauschreinerei begonnen und uns danach auf den Möbelbau und die Fertigung von Formteilen, z.B. für den Ladenbau oder im Bad- und Sanitärbereich, spezialisiert. Unser Holz beziehen wir zu einem Großteil regional aus dem Schwarzwald oder aus Bayern. Bei Tropenhölzern achten wir besonders stark auf zertifizierte Ware. Insgesamt beziehen und verbauen wir jährlich rund 700 m³ PEFC-zertifiziertes Material, das entspricht etwa 20 großen LKW-Ladungen.“

Schreinerei Flaig GmbH
78739 Hardt

www.flaig-schreinerei.de

Foto: Schreinerei Flaig GmbH

Der Weg zur Zertifizierung

Die Stärke der Gruppe nutzen

Eine Produktkettenzertifizierung nach PEFC (für FSC gelten andere Regeln und Preise, Anm. d. Red.) für Handwerksbetriebe muss nicht teuer und aufwändig sein. Die sogenannte Gruppenzertifizierung hilft kleinen Handwerksbetrieben dabei, ein Zertifikat zu erhalten. Daran teilnehmen können alle Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von maximal 8,2 Mio. Euro. Das Prinzip dahinter: Eine Gruppe von Betrieben schließt sich zu einem Netzwerk zusammen und benennt dabei eine „Zentrale“, auch „Gruppenleitung“ genannt. Ein Beispiel ist die Modul-Gruppe des Meisterteams. Die Zentrale kann aber auch der Innungsverband sein, dem die Betriebe angeschlossen sind, oder ein Beratungsunternehmen, welches Unternehmen bei der Umsetzung der Zertifizierung unterstützt.

In jedem Fall trägt „die Zentrale“ die Hauptlast der Zertifizierung und nimmt dadurch den Gruppenmitgliedern einen Hauptteil der organisatorischen Arbeit ab: Sie sammelt alle für die Zertifizierung benötigten Unterlagen und Dokumente, erstellt das notwendige betriebliche Managementhandbuch und stellt den Mitgliedern Informationen und Anleitungen bereit. Weiterhin kann sie die verantwortlichen Mitarbeiter der Betriebe einweisen und schulen. Schließlich führt sie sogar ein internes Audit-Programm bei allen Mitgliedsunternehmen der Gruppenzertifizierung durch, um diese für das spätere offizielle Audit durch ein Zertifizierungsunternehmen (zum Beispiel die technischen Überwachungsvereine) fit zu machen. Die Zentrale kümmert sich auch um die Beauftragung dieses unabhängigen Zertifizierers, der die korrekte Einhaltung der PEFC-Standards überprüft und später auch das Gruppenzertifikat vergibt.

Eine Übersicht über die Anbieter einer PEFC-Gruppenzertifizierung finden Sie unter: https://pefc.de/fur-unternehmen/projektzertifizierung

www.pefc.de

www.fsc.de

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