ift Rosenheim gibt Tipps zur Einbruchhemmung von mechatronischen Haustüren

Einbruch via Notebook

Moderne Haustüren sind heutzutage mit einbruchhemmenden elektronischen bzw. mechatronischen Komponenten ausgestattet. Aber was ist hierbei zu beachten? Haustürexperten sollten sich deshalb mit den Anforderungen der neuen prEN 1627 auseinandersetzen, um die gezielte Manipulation durch Einbrecher zu vereiteln.

Christian Kehrer, Jürgen Benitz-Wildenburg

Einbrüche durch gezielte Manipulation mechatronischer Beschlagskomponenten sind zwar statistisch (noch) nicht erkennbar. Das ist aber kein Grund für Sorglosigkeit, denn gleichzeitig nimmt die digitale Kriminalität stetig zu. Welche Methode ein Täter bei der Ausführung seiner Tat anwendet, hängt von den Tatumständen, der erwarteten Beutehöhe und der Motivation zur Tathandlung ab. Täter bevorzugen generell ein schnelles Eindringen und ein geringes Entdeckungsrisiko – dazu gehört eindeutig auch der Zutritt mit einer gefälschten Zutrittskarte oder einem vorab ermittelten Berechtigungscode. Denn das ist viel unauffälliger als das Bohren, Picken oder Ziehen des Profilzylinders, die deshalb auch nicht zum favorisierten Modus Operandi eines Täters gehören.

Am grundsätzlichen Prüfablauf einer Einbruchprüfung nach prEN 1627 ff. wird es keine Veränderungen geben. Auch künftig wird am bewährten dreistufigen Prüfablauf mit statischer Prüfung, dynamischer Prüfung und manueller Vor- und Hauptprüfung festgehalten. Alle drei Teilprüfungen müssen die definierten Anforderungen bestehen, um anschließend nach prEN 1627 „neu“ klassifiziert werden zu können. Ganz neu ist hingegen die Prüfung und Klassifizierung von Fenstern und Türen mit mechatronischen Baubeschlägen. Hierzu wurde ein neuer Anhang E „Mechatronische und elektronische Sicherheitssysteme“ erarbeitet, der die Begrifflichkeiten und Anforderungen detailliert beschreibt und die umfassenden Aspekte dieses Bereichs aufzeigt.

Viele Schreiner rüsten heute schon einbruchhemmende Haustüren mit biometrischen Zutrittskontrollsystemen aus, ohne dabei an die Auswirkungen der Einbruchhemmung zu denken. Durch den Einsatz elektromechanischer Verriegelungskomponenten und Berechtigungsmitteln (Zutrittskontrollen, Schlüsselschalter etc.) entstehen neue Einbruchsmöglichkeiten. Beispiele aus der Autoindustrie zeigen, dass Keyless-Systeme („schlüssel-los = auto-los?“) ohne Sicherheitssysteme einfach manipulierbar sind. Deshalb stellt sich die Frage, wie sich die elektronische Manipulation von Bauelementen verhindern lässt und sich elektronische Komponenten gegen eine mechanische Manipulation und eine Dekodierung der Funksignale oder Chip-Systeme schützen lassen. Die elektronische Verarbeitung der Signale muss deshalb innerhalb des Hauses erfolgen und gesichert sein. Alle elektronischen Komponenten (Lesegerät inkl. Auswerteeinheit, Berechtigungsmittel (Tag als Chip mit Antenne) müssen sowohl gegen eine mechanische Manipulation als auch gegen eine Dekodierung von Funksignalen oder Chipsystemen geschützt werden.

Anforderungen an mechatronische Bauteile

Die „Normer“ definieren im normativ gültigen Anhang E „Mechatronische und elektronische Sicherheitssysteme“ der prEN 1627 erstmalig Anforderungen zu „Verschlusssicherheit und Angriffswiderstand“ sowie Begriffe für „elektronische Sicherheitssysteme“. Zu den elektromechanischen Systemkomponenten zählen Schließzylinder, Türbeschläge, Schlösser, Schließbleche, Lesegeräte, Tastaturen, Smart Devices (Smartphone) sowie die Datenübertragung per Kabel, Funk oder Datenträger (Karte, Chip etc.). Hinzu kommen Themen wie Berechtigungsnachweise, Programmiergeräte, Falschakzeptanzrate (zulässige Anzahl ungültiger Eingaben) oder die Benutzerkennung. Das elektronische Sicherheitssystem kann dabei auch Teil einer intelligenten Haustechniklösung sein.

Die Klassifizierung der Systemsicherheit muss für jede elektronische Systemkomponente festgelegt werden und folgt der bestehenden Klassifizierung RC1 N bis RC5. Die Widerstandsklassen (Tabelle E.1) ergeben sich aus dem erwarteten Täterverhalten und -profil, das vom Gelegenheitstäter mit geringen IT-Kenntnissen bis zum professionellen Täter reicht, der mit elektronischen Sicherheitssystemen vertraut ist und über ein umfassendes Sortiment an Elektronikgeräten verfügt (RC4 bis 6). Auch hier folgt die Klassifizierung dem Grundprinzip der mechanischen Einbruchhemmung.

Je länger der Täter für die Entschlüsselung braucht, desto höher ist die Klassifizierung. Die Klassifizierung wird grundsätzlich erhöht, wenn unterschiedliche Technologien zur elektronischen Absicherung kombiniert werden.
Die Anforderungen für die Berechtigungsnachweise werden in Tabelle E.2 definiert. Beispielsweise sind in RC1 für den PIN-Code 1000 verschiedene Varianten und keine Totzeit nach Fehlversuchen ausreichend. Für RC3 sind dies 10 000 und es ist eine Totzeit von 24 h gefordert. Das heißt, dass es bei einem vierstelligen PIN-Code und max. zehn Benutzern 1000 effektive Varianten des Codes geben muss. Die Totzeit soll verhindern, dass in einem definierten Zeitraum die Codes ausprobiert werden können. Weitere Anforderungen bestehen bezüglich Benutzerkennung, Datenverschlüsselung, Kopierschutz (Klonschutz) von Karten und Verschlüsselungen, Biometrienutzung, Virenschutz und Firewall von Smart-Devices (inkl. Mechanismen zur Durchführung von Updates) sowie der Absicherung während der Online- oder Offline-Übertragung der Signale. Damit einher geht eine softwarebasierte Informationspflicht zum Aktualisierungsmanagement, da ja der Nutzer die Updates und die Änderung der Keywords vornehmen muss.

Zu beachten ist auch die Verkabelung und das Verhalten bei Stromausfall. Alle Leitungen sollten ohne Farbcodierung sein und, wie die Steckerleisten und die Steuereinheit (die die Zugangsberechtigung aktiviert), auf der Nichtangriffsseite eingebaut werden oder sie müssen entsprechend geschützt werden, beispielsweise durch geschützte Kabelschächte. Mechatronische Schlosskästen und Schließbleche sowie Schließzylinder oder sonstige Komponenten müssen sich im abgeschlossenen Modus im stromlosen Zustand befinden. Das heißt bei einem Stromausfall oder einer Störung dürfen die Komponenten von der Angriffsseite nicht in einen zugänglichen Zustand versetzen werden können bzw. „stromlos offen“ sein. Auf den ersten Blick scheint es, als wenn der Schreiner nun zum IT-Experten werden müsste. Aber das Prozedere ist mit der Nutzung gängiger IT-Sicherungssysteme vergleichbar, beispielsweise dem Onlinebanking oder Geldautomaten. Das Expertenwissen müssen daher die Hersteller der Sicherheitskomponenten und die Prüfstellen haben, die die Klassifizierungen der Haustür vergeben. Allerdings muss der Schreiner die Prüfzeugnisse von Systemgebern und Beschlagherstellern genau lesen und verstehen. Nicht nur für die bekannten mechanischen Bauteile müssen die Anwendungsgrenzen bezüglich Öffnungsarten und -richtung, Außenabmessungen sowie die verwendeten Profile, Ausfachungen, Verglasungen und Beschläge beachtet werden, sondern auch für die mechatronischen Komponenten. Ansonsten gelten die Prüfnachweise nicht mehr, schlimmer noch – die Einbruchhemmung funktioniert nicht.


Die Autoren

Dipl.-Ing. (FH) Christian Kehrer leitet die ift-Zertifizierungsstelle und ist Lehrbeauftragter an der Hochschule Rosenheim.

Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Benitz-Wildenburg leitet im ift Rosenheim den Bereich PR & Kommunikation.

www.ift-rosenheim.de

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