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#meinewerkstattbleibt

Tischlermeisterin Johanna Röh hat eine Petition zur Reform des Mutterschutzes gestartet
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Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist generell eine Herausforderung. Wenn aber eine Handwerkerin selbstständig und schwanger ist, kann es für die Person und den Betrieb eine Existenzbedrohung darstellen. Was Johanna Röh bewegt, beschreibt sie im Folgenden.

„Einen Betrieb zu führen, ist ohnehin schon nicht einfach. Aber als Schwangere? Und dann noch mit einem schwierigen Verlauf, der ein Arbeiten für einen langen Zeitraum fast unmöglich macht? Um die Betroffenen zu schützen, brauchen wir dringend eine Reform des Mutterschutzes!

Wir würden uns wünschen, dass die Handwerkspolitik des ZDH und die wichtigen Organe des Handwerks dieses Anliegen unterstützen, indem sie für die Forderungen eintreten und ihnen Gehör verschaffen.

Derzeit wird viel über den Nachwuchsmangel geredet. Gerade unsere Branche wirbt deshalb mit schönen Bildern, um unsere Jugend davon zu überzeugen, dass eine Ausbildung im Handwerk erfolgversprechend ist. Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, wie eine junge, selbstständige Frau, die meist ganz am Anfang der Betriebsgründung steht, Familie und Beruf miteinander verbinden kann? Ich spreche vom Mutterschutz. Hier sehe ich gravierende Versorgungslücken! Insbesondere für selbstständige Handwerkerinnen ist eine Schwangerschaft ein großes wirtschaftliches Risiko, das im schlimmsten Fall die Insolvenz bedeutet.

Ich selbst bin Tischlermeisterin und habe nach meiner Wanderschaft meine eigene Werkstatt aufgebaut. Der Betrieb lief gut an, bis ich schwanger wurde. Jetzt bin ich nur noch bedingt einsatzfähig, müsste mir aber eigentlich einen finanziellen Puffer für die Zeit des Mutterschutzes zulegen. Ich möchte schließlich nicht im Wochenbett wieder anfangen müssen zu arbeiten. Andererseits sollte ich aber keine Einnahmen haben, um Anspruch auf Krankengeld zu haben. Dazu kommt: Wenn ich keine gesundheitliche Gefährdung für das Kind und mich eingehen möchte, darf ich fast keine Tätigkeiten meines Berufes ausführen. Eine angestellte Tischlerin in meiner Situation hätte direkt ein Beschäftigungsverbot mit vollem Lohnausgleich bekommen. Ich hingegen muss schauen, ob ich mir ein Kürzertreten überhaupt leisten kann. Denn die Fixkosten einer Tischlerei fallen durchgehend an und übersteigen eine mögliche Krankengeldzahlung bei Weitem. Deswegen habe ich zusammen mit meinen Mitstreiterinnen Maxime Krämer und Astrid Hilt umsetzbare Forderungen an die Politik zur längst überfälligen Reform des Mutterschutzes aufgestellt. Unter anderem sind das folgende Punkte:

  • Ausweitung der Ausgleichszahlungen für werdende Mütter auch an schwangere Selbstständige in Berufen, bei denen Angestellte in der Schwangerschaft ein Beschäftigungsverbot bekommen.
  • Zahlung des Krankentagegeldes bereits ab dem ersten Tag der Krankschreibung bei Schwangerschaftsbeschwerden.
  • Einrichten von Notfalltöpfen, um die Betriebe von selbstständigen Schwangeren vor Insolvenz zu schützen, ohne das Betriebsvermögen anzutasten.
  • Reform des Elterngeldes, die die Situation von selbstständigen Müttern gesondert bewertet. Vorherige schwangerschaftsbedingte Einbußen müssen abzugsfrei hinzuverdient werden können.
  • Einrichtung eines Systems aus Betriebshelfern nach dem Vorbild der Landwirtschaft, um Betrieben aus allen Wirtschaftsbereichen unbürokratisch und kostenfrei zu helfen. In Österreich wurde das bereits erfolgreich eingeführt.

Um unserem Anliegen Gehör zu verschaffen, haben wir eine Petition gestartet. Das Ziel ist bis Ende April 50 000 Unterschriften zu sammeln und diese der Politik zu übergeben.“

Die Petition finden Sie im Internet auf:

www.change.org/meinewerkstattbleibt


Bildartikel KA: Fließtext st
Foto: Ginka Hölzel

Zur Person: Johanna Röh

Nach Tischlerausbildung und mehrjähriger Wanderschaft u. a. durch Kanada, Neuseeland und Japan absolvierte Johanna Röh die Meisterschule und gründete 2016 ihren Betrieb. Sie ist auf Einzelanfertigungen aus Massivholz, Intarsien, gesundheitsverträglichen Innenausbau und Restaurierung spezialisiert und hat zurzeit zwei Mitarbeiter: eine Auszubildende und einen Gesellen.

www.johanna-roeh.de

Instagram: @tischlerin.johanna.roeh

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