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Womit heben wir uns positiv ab?

BM-Serie „So entwickeln Sie eine Arbeitgeber-Marke“, Teil 2
Womit heben wir uns positiv ab?

„Was zeichnet uns aus und macht uns für Bewerber attraktiv?“ Wenn ein Unternehmen das beantworten möchte, heißt es, systematisch vorzugehen. Befragt man die Mitarbeiter, überrascht unter Umständen das Ergebnis. Die vielen unterschiedlichen Aspekte werden zu einem Arbeitgeberprofil zusammengeführt.

Andrea Eigel

Im letzten Heft haben wir beschrieben, was eine Arbeitsgebermarke ist und wie sie funktioniert. In diesem Beitrag schauen wir Axel Soyez und seinem Team von der Soyez Stuckateur GmbH in Ilsfeld bei Stuttgart über die Schulter. Ich begleite sie dabei, ihre Arbeitgebermarke zu entwickeln und zu kommunizieren. Der erste Schritt: Wir haben herausgearbeitet, was Soyez als Arbeitgeber besonders macht. Womit hebt er sich von anderen Wettbewerbern im Arbeitsmarkt positiv ab?

Die Liste der Zuwendungen ist lang

„Ich habe zunächst berichtet, was wir unseren Beschäftigten alles bieten“, erinnert sich Axel Soyez. „Bei uns stehen zum Beispiel jedes Jahr eine Weihnachtsfeier, ein Sommerfest und ein gemeinsamer Ausflug auf dem Programm. Dafür denken wir uns immer etwas Besonderes aus und stecken viel Herzblut in die Vorbereitungen. Erst durch Frau Eigel wurde mir klar, dass das längst nicht alle Firmen so machen,“ sagt Soyez und fährt fort: „Außerdem erhalten unsere Beschäftigten bei entsprechender Leistung eine Leistungszulage zum Stundenlohn, es gibt Tankgutscheine, wir zahlen vermögenswirksame Leistungen, Weihnachtsgeld, Überstundenzuschläge, einen jährlichen Gesundheitsbonus bei unter fünf Krankheitstagen und eine steuerfreie Auslöse, die den Verpflegungsmehraufwand bei beruflich bedingten Fahrten abdeckt.“

Mitarbeiter loben modernes Betriebsgebäude

Das, dachte der Geschäftsführer, seien die Hauptpunkte, mit denen er potenzielle neue Beschäftigte von seinem Unternehmen überzeugen könnte. Daher überraschte ihn das Ergebnis der Befragung sehr, die ich unter 14 seiner Beschäftigten durchführte.

Wir hatten uns dafür Menschen aus allen Bereichen, Hierarchiestufen und Altersgruppen herausgesucht. Dadurch, dass ich als unbeteiligte Dritte die Interviews führte, sprachen die Mitarbeiter sehr offen. Es zeigte sich durchgängig, dass das repräsentative Betriebsgebäude, die neuen Autos und modernen Werkzeuge für die Beschäftigten eine sehr große Bedeutung hatten. Es war zudem ein besonderer Mehrwert für sie, zu einem Unternehmen zu gehören, das große Baustellen betreut, vielfältige Aufgaben bietet, für hohe Qualität steht und als sehr schlagkräftig gilt. Manche hoben auch die Freiräume bei der Arbeit hervor und die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen.

„Es war mir überhaupt nicht bewusst, dass die Außenwirkung, die von unserem Gebäude und den Fahrzeugen ausgeht, den Leuten so wichtig ist“, sagt Axel Soyez. Daher hätten er sowie seine Frau und seine Töchter, die das Marketing verantworten, diese Fakten bei der Mitarbeitersuche und in Bewerbungsgesprächen bislang auch nie erwähnt.

Alina Soyez, seine Tochter, sagt: „Unsere Beschäftigten verbringen viele Stunden pro Tag in der Firma. Wir möchten, dass es hier schön und modern ist und sie sich wohlfühlen. Die Befragung zeigt, dass das ankommt und eine große Rolle spielt. Die Menschen honorieren das und nehmen es als Ausdruck von Wertschätzung wahr.“

Beschäftigte schätzen das familiäre Klima

So weit die harten Fakten. Ebenso entscheidend dafür, dass Beschäftigte kommen und bleiben, ist jedoch die Atmosphäre im Betrieb. Axel Soyez beschreibt das Betriebsklima so: „Wir arbeiten auf Augenhöhe partnerschaftlich zusammen. Auch in unserem Betrieb gibt es Hierarchien – aber keine unnötigen Barrieren oder komischen Allüren. Hier redet jeder mit jedem. Die Türen stehen offen.“

Dass das auch die Beschäftigten so sehen, bestätigt die Befragung. „Familiär: So lautete das Schlagwort, das am häufigsten fiel“, sagt Alina Soyez. „Wir sind zwar in den letzten Jahren stark gewachsen und nun ein recht großer Betrieb. Aber die unkomplizierte Art des Umgangs miteinander haben wir uns bewahren können.“

Auf die Frage, was ihnen bei Soyez besonders gut gefällt, antworten die Beschäftigten zum Beispiel auch: „Das herzliche Miteinander“, „Man kann immer Fragen stellen“, „Man wird hier als Mensch akzeptiert und angesehen“ oder auch „Der gute Mix aus familiärem Klima und Professionalität“.

Die Arbeit stiftet Sinn

Interessanterweise gab es keine signifikanten Unterschiede in den Antworten junger und älterer Beschäftigter. „Eine Nachwuchskraft betonte jedoch, dass sie die Arbeit als sinnstiftend wahrnehme, weil sie sehe, was sie geschaffen habe“, berichtet Alina Soyez. „Das hat mich beeindruckt. Ich glaube, die Sinnfrage ist ein zentraler Punkt gerade für jüngere Menschen. Das werden wir in Zukunft in unserer Kommunikation verstärkt aufgreifen.“

Vom Arbeitgeberprofil zur Marken-Botschaft

Mit dieser Bestandsaufnahme hatte das Soyez-Team sein Arbeitgeber-Profil mit Inhalten gefüllt. Sie umfasste eine Vielzahl von Aspekten, die für die Arbeitgebermarke wichtig sind. Doch eine wiedererkennbare Marke kann nur entstehen, wenn die Botschaft kurz und griffig ist und sich in Text und Bild wiedererkennbar durch das gesamte Arbeitgeber-Marketing zieht. Eine solche Marken-Botschaft entwickelten die Soyez indem sie die unterschiedlichen Aspekte gewichteten und das herausarbeiteten, was für sie besonders relevant ist. Alina Soyez verkündet das Ergebnis: „Unsere Kernbotschaft lautet: Handwerk macht stark! Wertschätzend, innovativ, stark: Das sind die Eigenschaften, die wir dem zuordnen.“

Wie es der Firma Soyez gelingt, ihre Marken-Botschaft zu kommunizieren, berichten wir im nächsten Heft.


Die Autorin

Andrea Eigel ist Beraterin, Trainerin und Rednerin im Handwerk. Sie arbeitet für Handwerksbetriebe, Organisationen des Handwerks und die handwerkszuliefernde Industrie.

www.andreaeigel.de


So erstellen Sie Ihr persönliches Profil

Was macht Sie als Arbeitgeber attraktiv?

Welche harten Fakten sprechen für Sie als Arbeitgeber? Gehen Sie die Liste durch und erstellen Sie Ihr eigenes Hart-Fact-Arbeitgeber-Profil:

  • Gehalt (z. B. übertarifliche Bezahlung, Boni)
  • Geldwerte Leistungen (z. B. ÖPNV-Ticket, Tankzuschuss, Firmen-Handy)
  • Mitarbeiterkleidung (z. B. mit Waschservice)
  • Firmenräume (z. B. besondere Bedingungen in Werkstatt oder Sozialräumen)
  • Technische Ausstattung (z. B. besonders moderne, ergonomische Werkzeuge, digitale Kommunikationstools)
  • Weiterbildung (z. B. Qualifizierungsangebote für Azubis, Gesellen, Meister)
  • Events (z. B. Weihnachtsfeier, Betriebsausflug)

Welche atmosphärischen Besonderheiten sprechen für Ihren Betrieb? Diese Fragen können Sie sich selbst stellen, um Ihre Soft-Fact-Vorteile aufzudecken:

  • Welche Werte sind Ihnen und ggf. Ihrem Führungsteam wichtig?
  • Wie beschreiben Sie Ihr Verhältnis zu Ihren Mitarbeitern?
  • Was begeistert Sie und Ihr Team?
  • Was zeichnet die Zusammenarbeit in Ihrem Team aus?
  • Welche positiven Punkte fallen Ihnen zum Kommunikations- und Führungsstil in Ihrem Unternehmen ein?
  • Welche gegenseitige Unterstützung gibt es in Ihrem Betrieb auf menschlicher Ebene?
  • Warum bleiben Ihre Mitarbeiter Ihrem Unternehmen treu?
  • Wie begründen Bewerber, die sich für Sie entschieden haben, ihre Zusage?

Diese Fragen können Sie Ihren Beschäftigten stellen (lassen):

  • Warum haben Sie sich für die Arbeit in diesem Betrieb entschieden?
  • Aus welchen drei Gründen arbeiten Sie gerne hier?
  • Was unterscheidet dieses Unternehmen von früheren Arbeitgebern?
  • Was schätzen Sie an Ihrem Chef? Was macht er gut?
  • Was gefällt Ihnen an der Arbeitsatmosphäre unter den Kollegen? Was ist daran besonders?
  • Was könnte Ihr Betrieb Ihrer Meinung nach tun, um für Beschäftigte noch attraktiver zu werden?

BM-Serie im Überblick

So entwickeln Sie eine Arbeitgeber-Marke

In einer dreiteiligen Beitragsserie erläutert Andrea Eigel, wie es gelingt, eine Arbeitgeber-Marke aufzubauen und gute Kräfte zu gewinnen, die genau ins Team passen:

  • Teil 1: Wie Handwerksbetriebe profitieren
  • Teil 2: Attraktiv durch harte Fakten und atmosphärische Stärken
  • Teil 3: Die Marken-Botschaft und ihre Kommunikation.

… und das alles am Beispiel des Stuckateurunternehmens Soyez. Warum nicht mal über den Tellerrand gucken?

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